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Laura Siegemund: „Auf Hawaii gab es organisatorisch ein paar Hammer“

Nur 40 Minuten und 26 Sekunden stand Laura Siegemund am Mittwochvormittag in Doha gegen Olympiasiegerin Monica Puig aus Puerto Rico auf dem Platz. 0:6, 1:6 hieß es am Ende vor 7 Zuschauern auf dem Court Nummer 3  der Qatar Total Open. An den zaghaften ersten Aufschlägen der 28-Jährigen sah man, dass ihr der getapte rechte Ellbogen immer noch weh tut. Mit einem dicken Eisbeutel am Arm kam die Weltranglisten-41. wie vorher versprochen ins Media Center des Khalifa International Tennis & Squash Complex und setzte sich in einen der orientalischen Sessel mit Goldlehnen. 

Frau Siegemund, Sie konnten einem heute leidtun auf dem Platz …

So ein Match wie heute zieht einen natürlich total runter. Man weiß, man ist nicht fit, man hat eh Jetlag. Das sieht natürlich von außen schlimm aus, wenn man abgeschossen wird. Sie ist eh eine Art Hassgegnerin von mir, weil sie nur draufhackt und ich da gar keine Stops und so weiter spielen kann. Ich stand heute wie ein Schluck Wasser in der Kurve auf dem Platz. Das war nicht nur der Arm. Ich habe auch an keinem Ball drangestanden. Aber das wundert mich nicht, ich habe dieses Turnier jetzt mitgenommen, das war gemeldet und dann spielt man es halt.

Wieso haben Sie hier in Doha überhaupt gespielt?

Ich kam aus der Nummer nicht mehr raus. Ich habe das Turnier zu einem Zeitpunkt gemeldet, als ich gar nicht wusste, ob ich Fed Cup spiele, als die Planung völlig unklar war. Die WTA hat zu mir gesagt: Mädel, du musst spielen. Ich habe das jetzt über die Bühne gebracht, sodass ich keine Strafe zahlen musste. Außerdem habe ich das Gefühl, vom Nichtstun wird mein Arm auch nicht besser. Deswegen war es als Übungszweck für mich nicht völlig verkehrt.

Wie geht es Ihrem verletzten rechten Arm?

Eigentlich sagen alle Ärzte, dass er besser ist, dass das Gelenk fast wieder völlig beweglich ist, wie es sein sollte. Er fühlt sich auch schon viel besser an als noch am Sonntag, als ich versucht habe das Fed Cup-Doppel zu spielen. Aber ich merke es. Aufschlag geht mehr oder weniger noch gar nicht – es sei denn ich werfe den Ball auf Ohrhöhe.

Was genau ist das für eine Verletzung?

Das ist eine gute Frage. Ich habe auch noch keine Zeit gehabt, ein MRT machen zu lassen. Aber auf jeden Fall irgendwie eine Überdehnung der Bänder oder auch des Gelenks, es sind sicher die Gelenkkapsel, die Bänder und Muskulatur, alles was da zusammenhängt, überdehnt worden. Und jetzt sind noch so Schutzmechanismen da und dazu auch eine Blockade im Kopf.

Und dann hatten sie auch noch eine Weltreise von Hawaii nach Doha in den Beinen, sind erst am Dienstagnachmittag angekommen, um dann am verregneten Dienstag auch noch einen halben Tag vergeblich im Players’ Center auf ihr Match zu warten…

Ja, ich war 30 Stunden unterwegs, 25 Stunden im Flieger plus Lay-Overs. Ich stand heute völlig neben mir. Und habe keine Höchstleistung von mir erwartet.

Sie haben auf Hawaii beim 0:4 gegen die USA im Fed Cup debütiert. Vor dieser Traumkulisse wurde das ein Alptraum, oder?

Also, keiner hat vorher gesagt: Wow, das ist genial. Hawaii ist ein schönes Örtchen zum Urlaub machen, das ist es dann aber auch schon. Vorausgesetzt, man mag die USA, sagen wir es mal so. Für Tennis-Wettkämpfe ist es nicht optimal: Es ist schwül, windig und extrem weit weg. Von der Teamstimmung her hatten wir eine Superwoche. Und die Mädels hatten auch eine Supertrainingswoche. Für mich war es halt unglücklich mit meinem Arm, dass es kurz vorher passiert ist, als wir die Reise angetreten haben. Ich habe nur mein eigenes Training mit Sparring machen können.

Laura Siegemund

Nach dem tM-Interview posierte die Weltranglisten-41. noch galgenhumorig mit dem Eisbeutel auf ihrem verletzten Arm.

In den Matches lief dann alles gegen Ihr Team ….

Man muss halt auch sagen: Da waren organisatorisch ein paar Hammer dabei. Über die Hymne wurde genug geschwätzt. Aber auch so: Im Februar auf Hawaii ist es Winter und da regnet es ja schon des öfteren. Das ist nicht gut ausgedacht gewesen das Ganze. Auch bevor Jule Görges sich verletzt hat, gab es Situationen, in denen auf einem nassen Platz gespielt wurde, der nicht bespielbar, sondern einfach flutschig war. Von vorne bis hinten war das eine sehr interessante Wahl und erstaunlich, dass die ITF das genehmigt hat.

Was sagen Sie zum Relegationsgegner Ukraine, gegen den das deutsche Team am 22./23. April antritt?

Ich habe mich damit ehrlich gesagt noch überhaupt nicht beschäftigt, gestern und heute musste sich erst mal dieser Fed Cup bei mir setzen und ich hatte mit meinen Reisestrapazen genug zu tun. Ich habe mir noch nicht genau angeguckt, wer da aufgestellt ist. Aber es gibt gute Leute in der Ukraine, das weiß ich.

Welche Turniere spielen Sie nun als nächstes? Oder kurieren Sie jetzt erst einmal zu Hause Ihre Armverletzung aus?

Das ist eine schwierige Frage. Ich wollte eigentlich unbedingt Dubai spielen. Und wenn Sie mich vor vier Tagen gefragt hätten, hätte ich gesagt: Bis dahin reicht das locker mit dem Arm. Ich kann es selber gerade schwer einschätzen, ob das mehr eine Kopfsache ist, ich habe jetzt auch eine Schmerztablette genommen, ich weiß nicht, wie viel die unterdrückt. Ich muss jetzt mal überlegen, ob es sinnvoll ist, nach Hause zu fliegen, ein MRT machen zu lassen und mich dann auf die USA vorzubereiten. Oder ob ich hier in Katar ein MRT machen kann. Ich muss mich jetzt mal grundsätzlich hinsetzen und überlegen.

 

 

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