2016 Australian Open – Day 3

Mail aus Melbourne: Neue deutsche Welle

Vier deutsche Damen sind in Down Under noch im Rennen – Anna-Lena Friedsam steht sogar bereits im Achtelfinale. Aus der ersten Reihe ist nur Angelique Kerber noch dabei. 

Ist die Wachablösung im vollen Gange? Müssen die Etablierten Görges, Petkovic und Lisicki um Ihre Pfründe bangen? Wird man in ein paar Jahren sagen: Ja, Melbourne 2016, das war das Turnier, bei dem die zweite Reihe explodierte und wo alles seinen Anfang nahm? Realistisch gesehen ist das, was in diesen Tagen einen Steinwurf vom Yarra-River entfernt passiert – Achtung: Floskel, aber es ist wirklich ein Steinwurf, wenn auch ein weiter… Also: Realistisch gesehen ist all das eine Momentaufnahme.

Eine aus dem Team Schwarz-Rot-Gold steht im Achtelfinale (Anna-Lena Friedsam), drei stehen in der dritten Runde (Annika Beck, die auf Laura Siegemund trifft, und Angelique Kerber, die gegen Madison Brengle spielt). Interessanterweise wird aus diesem Trio eine im Viertelfinale landen, falls Kerber siegt – die Wege, die sich am Montag kreuzen, machen es möglich.

Stand jetzt ist das deutsche Abschneiden das beste seit Jahren – in der Breite. „Sieh zu, dass du keinen Knoten in den Beinen bekommst“, rief Davis Cup-Chef Michael Kohlmann seiner Kollegin Barbara Rittner zu, die in der ersten Woche angesichts von zehn Damen im Hauptfeld viel laufen musste zwischen den Courts.

Erfreulich ist vor allem, dass es frische deutsche Gesichter mit interessanten Storys gibt: die von Siegemund (siehe auch Laura Siegemund – die zweite Chance). Die von Annika Beck, die die an Nummer 11 gesetzte Timea Bacsinszky schlug und einen sehr starken Eindruck hinterließ.

Riesensprung für Friedsam

Und die von Anna-Lena Friedsam. Spektakulär war ihr Sieg gegen die US Open-Finalistin Roberta Vinci. Nach 0:6 im ersten Satz drehte sie die Partie (6:4, 6:4) vor der 10.000-Zuschauer-Kulisse der Hisense Arena. Und jetzt: Sprung auf mindestens Platz 60 der Welt und rund 200.000 Dollar Preisgeld sicher. Im Achtelfinale trifft sie auf Agnieszka Radwanska, gegen die sie zum Jahresauftakt erst im Halbfinale von Shenzhen verlor.

„Da habe ich schlecht gespielt“, hatte die 21-Jährige Rheinländerin hinterher gemault. „Es war gar nicht so schlecht“, meinte ihr Coach Sascha Müller und sah sich gemeinsam mit ihr das Video des Matches an. Später sah das Friedsam ähnlich.

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