TENNIS-FEDCUP-CZE-GER

Mail aus Prag: Das Wunder von Prag – verschoben

Angelique Kerber verliert in einem begeisternden Fed Cup-Match gegen Petra Kvitova und die Tschechinnen gewinnen zum dritten Mal in den letzten vier Jahren den Fed Cup.



Die Mail aus Prag:

Der zweite Tag in Prag und es ist all das drin, was man sich schon am Samstag gewünscht hätte: Tolle Ballwechsel im Fast-Drei-Stunden-Thriller zwischen Angelique Kerber und Petra Kvitova (für die, die es noch nicht wissen: Am Ende siegt die Tschechin 7:6, 4:6, 6:4 und es steht uneinholbar 3:0 für die Gastgeber). Ständige Wendungen, sodass der Zuschauer wie bei einem guten Krimi bis zum Ende nicht weiß, wie es ausgeht. Sechs abgewehrte Satzbälle im ersten Durchgang (Kvitova), drei abgewehrte Matchbälle in Satz drei (Kerber). Eine aufgeladene Atmosphäre bei 13.000 Zuschauern in der Arena. Kurz: Beste Werbung für Tennis. Nur: Es gab kein Happy End.

Weiter mit Goellner? Sabine Lisicki.

Sabine Lisicki durfte nur noch im Doppel ran.

Sabine Lisicki, die für die komplett platte Andrea Petkovic das vierte Einzel bestritten hätte, durfte nicht mehr zeigen, ob sie eventuell zum 2:2 hätte ausgleichen können. Und wer weiß, was dann passiert wäre? So kann man nur attestieren: Das Wunder von Prag – muss verschoben werden.

Als Kvitova ihren Matchball verwandelt hatte, sie über den graugrünen Court hüpfte, Ihr Team sie herzte und es von den Tribünen rasselte und trommelte, bildeten die deutschen Spielerinnen einen Kreis, fassten sich an den Schultern und steckten die Köpfe zusammen. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, um zu wissen, was sie sich zubrüllten: Dann gewinnen wir das Ding eben im nächsten Jahr!

Kurzes Wunschkonzert: 1. Runde gegen Australien zu Hause (die hat man 2014 auswärts geschlagen). Halbfinale gegen Russinnen oder Polinnen – machbar. Und dann die große Revanche gegen Tschechinnen im Finale 2015 zu Hause.

Das Kvitova-Match in Prag war für Kerber „eines der besten Matches, die ich im Fed Cup gespielt habe“. Dem kann man nur zustimmen. Aber viel wichtiger noch: Die Niederlage war für Kerber ein gefühlter Sieg. Weil sie ihre Dämonen, zumindest in diesem Match, besiegte. Weil sie beim Zwischenstand von 6:7 und 0:3 weiterkämpfte, obwohl sie auf der Bank am liebsten losgeheult hätte.

Am Tag zuvor hatte sie, die Leaderin, „gechoked“. Die Leistung, einen Tag später so ein Match abzurufen, kann man gar nicht hoch genug bewerten. Der Abend davor nach dem 0:2 im Zeitraffer: Die Mannschaft fährt zurück ins Hotel. Um 19.30 kommen alle in dem Mannschaftsraum im Erdgeschoss des Spielerhotels zusammen und die Stimmung ist anfangs genauso schwarz wie die Ledersessel, auf denen die Spielerinnen Platz nehmen. Barbara Rittner hält eine Rede. Die Fehler des Nachmittags werden schonungslos angesprochen. Und als die „Mädels“ zwei Stunden später den Raum verlassen, heißt die Devise: Jetzt erst recht!

Am nächsten Morgen wärmt sich Kerber in den Katakomben der O2-Arena auf – und schreit sich den ganzen Frust von der Seele. Ein sekundenlanger Schrei gefühlt wie eine Ewigkeit.

Der Treibstoff für den folgenden Thriller? Wer weiß? Am Ende geht das deutsche Team, wie man so schön sagt, mit erhobenem Haupt. Fast vergessen das schwache Auftreten an Tag 1. Und während der Autor diese Zeilen hackt, haben Sabine Lisicki und Julia Görges im Doppel den Ehrenpunkt geholt…

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