2017 Wuhan Open – Day 3

Mail aus Wuhan: Nicht kleiner, aber leiser

tennis MAGAZIN ist in dieser Woche bei den Wuhan Open vor Ort und berichtet vom Damenevent in der chinesischen Metropole, das im Rahmen des „Asia Swings“ ausgetragen wird.



Die Tennissaison geht in ihre finale Phase, der Tross ist von den Hardcourts Nordamerikas auf die in Asien weitergezogen. Tokio, Peking, Shenzhen, Seoul oder Guangzhou – um nur einige zu nennen – heißen die Stationen, die den sogenannten „Asia Swing“ der Damen- und Herrentour bilden. Auch das WTA-Event in Wuhan gehört seit 2014 in diese Aufzählung.

Wuhan? Ist ja eher selten im Gespräch. Zur Einordnung: 10 Millionen Einwohner (mit Außenbezirken), etwa 1.000 Kilometer südlich von Chinas Hauptstadt Peking und am Jangtsekiang, dem längsten Fluss Asiens gelegen. Außerdem: Geburtsstadt der größten Tennisheldin des Landes, Na Li.

Botschafterin Na Li ganz dick im Geschäft

Und damit sind wir wieder beim Thema. Es ist nicht verwunderlich, dass die zweifache Grand Slam-Siegerin auch in das Turnier als offizielle Botschafterin involviert ist. Ohnehin ist sie gut im Geschäft, um es einmal zurückhaltend auszudrücken. Laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes soll sie durch Werbeeinnahmen heute mehr verdienen, als sie es durch Preisgeld während ihrer Karriere, die sie im September 2014 beendete, getan hat.

Mit Li wurde investiert in Wuhan. Allein 150 Millionen US-Dollar kostete der Centre Court. 15.000 Zuschauer finden dort Platz, ein ausfahrbares Dach inklusive. Ohne Zweifel, das hat Grand Slam-Niveau. Allein das Faninteresse ist noch deutlich ausbaufähig – und das nicht nur in den entfernt liegenden Kontinenten Europa und Amerika, wo sich den Rest des Jahres ein Großteil des Tennisgeschehens abspielt. Auch die chinesischen Fans kommen alles andere als in Scharen. So wirkt das Ganze ziemlich steril, wenn sich im großen Rund ein paar hundert oder im besten Fall ein paar Tausend Fans verlieren. Man kennt die Bilder aus den hauptsächlich per Livestream ausgestrahlten Übertragungen der letzten Jahre. Und das nicht allein aus Wuhan, sondern auch von anderen Turnieren in Fernost.

Nein, es ist nicht das „Vogelnest“ in Peking, das man von den Olympischen Spielen 2008 kennt. Der Centre Court von Wuhan schaut äußerlich nur ähnlich aus.

23 Euro fürs Ticket – für viele zu teuer

Vor Ort ist man bemüht, dieses Bild zu ändern. Am Wochenende gab es beispielsweise freien Eintritt im Qualifikationswettbewerb. Jugendliche und Studenten zahlen während der Turnierwoche generell nur den halben Preis. Den regulären Preis ab 23 Euro aufwärts kann sich aber eben nicht jeder Bürger  mal eben so leisten. Die Monatsgehälter liegen auch in den Großstädten nicht selten bei unter 1.000 Euro.

Und so ist es egal, wer gerade auf dem Platz steht. Auch die derzeit beste Chinesin Shuai Peng (ausgesprochen „Pong“, WTA #24) schaffte es heute zur Primetime um 19:30 Uhr gegen Monica Puig unter Flutlicht die riesige Schüssel maximal zu einem Viertel zu füllen.

Und so schaut es drinnen aus: Viel Platz auf den Rängen beim Match Puig vs. Peng in den Abendstunden.

Es geht ein wenig übersichtlicher als andernorts zu. Eine klare Umstellung für die Spielerinnen, die zum großen Teil wenige Wochen zuvor noch im hyperlauten und hektischen New York aufschlugen. Auf dem Centre Court in Wuhan herrscht beim Seitenwechsel mehr Ruhe als während der Ballwechsel bei so manchem Match im Arthur Ashe Stadium. Das liegt nicht nur an der geringeren Zuschauerzahl, sondern vor allem auch daran, dass der Chinese ein Tennismatch deutlich zurückhaltender anschaut, als der gemeine Amerikaner. Salopp gesagt: es herrscht einfach weniger Brimborium.

Topstars verabschieden sich reihenweise

So schlecht war das Match nun auch nicht: Diesem Fan (vorne) haute es nicht vom sondern eher in den Sitz.

Die Spielerinnen hingegen kommen gerne: Das Starterfeld kann sich Jahr für Jahr sehen lassen. Es gibt schließlich auch 900 Ranglistenpunkte zu verdienen. Neben dem Preisgeld von fast einer halben Millionen US-Dollar für die Siegerin natürlich. Die Topstars allerdings haben sich in den ersten Turniertagen mit unschöner Regelmäßigkeit verabschiedet. Kerber, Kvitova, Halep, Wozniacki oder die Überaschungs-US Open-Siegerin Stephens – alle schon raus.

Keine Frage, aus sportlicher und infrastruktureller Sicht muss sich Wuhan hinter keinem Event der Welt verstecken. Die Menschen vor Ort geben sich jede Menge Mühe bei der Organisation. Jetzt muss nur noch der Funke auf die Fans im Lande überspringen. Angeblich soll es rund 15 Millionen Tennisspieler in den Riesenreich geben, das sind mehr als in den USA. Potential ist also vorhanden.

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