Germany v France – Davis Cup

Michael Kohlmann: „Wir dürfen Belgien nicht unterschätzen“

In rund fünf Wochen spielt die deutsche Mannschaft in Frankfurt am Main gegen Belgien um den Einzug in das Davis Cup-Viertelfinale. Im Interview spricht Kapitän Michael Kohlmann über die abgelaufene Saison und wirft einen Blick voraus auf die vom 3. bis zum 5. Februar 2017 in der Fraport Arena ausgetragene Erstrundenpartie der Davis Cup-Weltgruppe.



Herr Kohlmann, es liegt ein spannendes Tennisjahr hinter uns. Können Sie rückblickend die Saison der deutschen Topspieler Philipp Kohlschreiber und Alexander Zverev bewerten?

Philipp Kohlschreiber ist stark in das Jahr gestartet, hat insbesondere bei der Davis Cup Partie in Hannover in seinen Matches unglaubliche Leistungen gebracht und uns damit bis zum Schluss im Spiel gehalten. In der zweiten Jahreshälfte hatte er leider mit Verletzungen zu kämpfen, die ihn lange außer Gefecht gesetzt haben. Ich bin gespannt, wie er in die kommende Saison startet und glaube, dass er noch mal einen großen Sprung machen kann.

Die Entwicklung von Alexander Zverev ist nach wie vor außergewöhnlich. Er hat es in diesem Jahr wieder geschafft, einen Riesensprung nach vorne zu machen und ist nun dicht an den Top 20 dran. Der nächste Schritt wird für ihn sein, die Top 10 anzugreifen. Dafür muss er bei den ganz großen Turnieren noch besser spielen. Es ist mit Sicherheit sein großes Ziel, sich bei den Grand Slam-Turnieren gut zu präsentieren und große Erfolge zu feiern.

Wie sehen Sie die Entwicklung der weiteren deutschen Davis Cup-Kandidaten?

Mischa Zverev hat am Ende des Jahres stark gespielt, sich für alle großen Turniere qualifiziert und immer wieder gute Leute geschlagen. Er hat nicht zuletzt durch seinen Bruder immer eine unglaublich hohe Trainingsqualität, seine Entwicklung ist toll anzusehen.

Wenn Jan-Lennard Struff im Davis Cup spielt, dann geht mir immer das Herz auf. Sein Ziel muss es aber jetzt sein, diese Leistung über das ganze Jahr hinweg zu zeigen, denn für mich ist er ein Top 50 Spieler. Ich hoffe, dass das für ihn der nächste Schritt ist.

Daniel Masur war für Berlin als Trainingspartner eingeplant und ist dann unverhofft zu seinem ersten Davis Cup-Einsatz gekommen, den er bravourös gemeistert hat. Diesen Schwung konnte er in das letzte Jahresdrittel mitnehmen, was zeigt, wie viel Positives ein junger Spieler aus diesem Teamwettbewerb ziehen kann. Sein Trainingspartner Maximilian Marterer war nicht in Berlin mit dabei, hat diese Zeit aber mit zwei Challenger-Siegen gut genutzt und sich unter die Top 200 gespielt. Ich sehe ihn auf einem guten Weg. Er entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Wie steht es um die beiden gesundheitlich gebeutelten Daniel Brands und Philipp Petzschner?

Daniel Brands hatte einen sehr guten Jahresstart, dann aber aufgrund von Verletzungen und Krankheiten einen kleinen Durchhänger hinnehmen müssen. Bei den US Open konnte er sich dann wieder stabilisieren und in der Davis Cup-Woche hat er wirklich gute Trainingsleistungen gezeigt. Ihm wünsche ich, dass er verletzungsfrei und gesundheitlich stabil bleibt, damit er seine Ziele verwirklichen kann. Auch Philipp Petzschner hatte große gesundheitliche Probleme. Er musste wegen eines Virus, der nicht diagnostiziert werden konnte, lange aussetzen. Am Ende des Jahres hat er noch mal ein paar Turniere gespielt, aber er ist noch nicht bei 100 Prozent – das dauert einfach seine Zeit. Ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, dass er uns mit seiner Qualität im Doppel wieder unterstützen kann.

Wie ist die Form bei unserem Tennisnachwuchs, den Sie als Bundestrainer natürlich auch immer im Auge haben?

Louis Weßels, Marvin Möller und Rudolf Molleker sind aktuell unter den Top 35 der Welt im Nachwuchsbereich. Alle drei haben sich extrem gut, wenn auch ganz unterschiedlich entwickelt. Das Highlight von Louis war sicherlich sein erster Matchgewinn am Hamburger Rothenbaum. Das hat ihm jede Menge Selbstvertrauen gegeben und war ein großer Schritt in Richtung Herrentennis. Marvin hat zurzeit noch die Doppelbelastung aus Training und Schule zu bewältigen, was sicher nicht einfach ist. Dennoch hat er im Sommer stark gespielt, viele Matches gewonnen und war bei den French Open der Junioren im Viertelfinale. Rudi ist mit seinen jetzt 16 Jahren ein Riesentalent, er hat unglaubliche Qualitäten. Aber es ist noch ein langer Weg bis ganz nach oben und er muss hart an sich arbeiten. Ich denke, dass er ein gutes Team um sich herum hat und das auch schaffen wird.

„Ein außergewöhnlicher Spieler kann eine Partie entscheiden“

Wie es aussieht, können Sie 2017 im Davis Cup mit der stärksten Mannschaft gegen Belgien starten. Haben Sie hier mehr als nur eine Außenseiterchance? Wie schätzen Sie die Belgier, die 2015 immerhin im Davis Cup-Finale standen, ein?

Ich glaube, dass man nicht den Fehler machen sollte, Belgien zu unterschätzen. Mit David Goffin haben sie einen Topspieler in ihren Reihen, der am ATP-Masters in London teilgenommen hat. Gegen Tschechien haben wir gesehen, dass ein einziger außergewöhnlicher Spieler eine Partie entscheiden kann. Insofern bin ich da zurückhaltend und sehe uns nicht als Favorit in dieser Partie. Trotzdem glaube ich, dass wir eine Chance haben, weiterzukommen. Am Ende werden Kleinigkeiten den Ausschlag geben. Ich hoffe, dass auch die Zuschauer uns wieder lautstark unterstützen werden.

Sie werden in Kürze zum zweiten Mal Vater. Inwiefern beeinflusst dieser Umstand Ihren Alltag als Tennistrainer? Sollen Ihre Kinder mal Tennisspieler werden?

Zum Job Tennistrainer gehören Reisen einfach dazu. Das weiß auch meine Familie. Natürlich reise ich jetzt nicht mehr so viel wie früher als Spieler und versuche, meine freie Zeit mit dem Nachwuchs und mit meiner Frau zu verbringen. Wir werden die beiden Kleinen sicherlich demnächst auch mal an die Sportart Tennis heranführen, kleine Tennisschläger und druckreduzierte Bälle haben wir schon. Die Ballschule kann also losgehen (lacht).

 

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