BNP Paribas Open – Day 14

#nextgenfemale: Naomi Osaka – schon bald ohne Schwäche?

Die ATP hat es mit einer ausgeklügelten Marketingstrategie über einen längeren Zeitraum geschafft, die junge Spielergeneration medial dauerhaft zu pushen. Doch eine ,NextGeneration‘ gibt es ebenfalls auf der Damentour. Auf tennismagazin.de stellen wir Ihnen in den kommenden Tage die Spielerinnen vor, die in Zukunft die WTA-Tour mitprägen könnten. Den Anfang macht Naomi Osaka, die frischgebackene Siegerin von Indian Wells.

Was bleibt letztlich von einem ersten großen Triumph in Erinnerung? Naomi Osaka wird, dafür ist es kein Hellseher nötig, viele kleine und große Momente in den anderthalb Wochen von Kalifornien aufgesaugt haben, die ihr kurz- aber auch langfristig Selbstvertrauen für weitere große Erfolge geben müssten.

Oberflächlich bleibt zunächst nur die Dankesrede nach ihrem Finalerfolg in Indian Wells gegen Daria Kasatkina in Erinnerung, die weltweit Zuschauer an den TV- und Streamingbildschirmen köstlich amüsiert hat  – die Rede ist im Internet schon jetzt der Hit.

Einem One-Hit-Wonder würde das sehr gut zu Gesicht stehen. Die positiv naive Art, der Herzlichkeit und die Freude, mit der die 20-jährige Japanerin dem Publikum vor dem Mikrofon begegnete, war erfrischend und reicht aus Marketingsicht bestimmt nicht nur in ihrer eigentlichen asiatischen Heimat für den ein oder anderen lukrativen Deal.

Osaka wohl kaum ein One-Hit-Wonder

Doch die Tochter einer Japanerin und eines Haitianers vereint derart konträre Eigenschaften auf den Tennisplätzen dieser Welt – eine kühle Art, harte Grundschläge und physische Weltklassevoraussetzungen –, dass alles andere als eine dauerhafte Etablierung in der Weltspitze eine Überraschung wäre.

Im Finale von Indian Wells aber war sie vor allem eins: nervös. „Mein Plan war, mir selbst vorzuspielen, ich sei ganz ruhig“, erklärte sie nach dem Finale lächelnd.  Bereits nach ihrem Erstrundensieg gegen Maria Sharapova hatte sie über sich selbst bemerkt: „Ich war kurz davor, mich sehr aufzuregen, aber dann habe ich gedacht. ,Ich spiele gegen Sharapova, wer bin ich, mich gegen jemanden wie sie aufzuregen.'“

Hardhitterin mit Gefühl und Erfolg: Naomi Osaka.

So hat Japan nun ein Gegenstück zu Kei Nishikori auf der WTA-Tour. Doch für Osaka ging es nicht wie bei Nishikori nur für das Tennis früh in die USA. Nach ihrer Geburt in Japan zogen ihre Eltern bereits in die USA, da war sie gerade drei Jahre alt. Ihren Lebensmittelpunkt hat die Rechtshänderin seitdem nicht verändert. Die vergangenen Jahre trainierte und lebte der Teenager in Boca Raton in Florida an der Evert Tennisakademie in der Nähe von Delray Beach.

Osakas neuer Coach fehlendes Puzzleteil

Seit Ende 2017 wird die nun 20-Jährige von Sascha Bajin trainiert. Der Serbe war lange Jahre der offizielle Hittingpartner von Serena Williams, später bis zu ihrer Schwangerschaft Asisstenzcoach im Team von Victoria Azarenka. Zuletzt betreute er erstmals mit Caroline Wozniacki eine Spielerin in Hauptverantwortung, mit der er zum Abschluss die WTA-Finals 2017 gewann.

Bajin genießt überwiegend einen hervoragenden Ruf in der Szene. Nach Osakas Erfolg in der Wüste Kaliforniens gab es Lob von allen Seiten, nicht nur für die Spielerin. „Sascha hat einen großen Anteil am momentanen Erfolg seiner Spielerin“, sagte etwa Chris Evert in der TV-Analyse. Die Erkenntnis zieht die ehemalige Nummer eins aber nicht aus den Matches in Indian Wells.  Sie beobachtete das Duo ein ums andere mal im Training in Boca Raton. „Er wusste vom Start weg, an was es ihr fehlte, was sie dringend benötigte.“

Augenkontakt: Sascha Bajin hat mit Naomi Osaka durchschlagenden Erfolg.

Damit meinte sie in erster Linie die Beinarbeit, die sich bei der Wahlamerikanerin signifikant verbessert hat. Die Grundlage dafür hat das neue Duo in der Vorbereitung gelegt. So vereinbart die 20-Jährige eine eher kräftige Statur mit flinken Beinen. Sie schlägt hart, kann aber auch variabel spielen. Eine brandgefährliche Mischung, wie sich zuletzt zeigte.

Osaka: Variation ist Trumpf

Vor ihrem Finalerfolg gegen ihre gute Freundin Kasatkina, mit der sie regelmäßig trainiert und auch mal einen Tweener einstudiert, besiegte Osaka zunächst unter anderem Maria Sharapova, Karolina Pliskova und Simona Halep – drei frühere, beziehungsweise die aktuelle Nummer eins.  Die Erfolge zeigen, dass sie die Waffen besitzt, richtige Lösungen gegen verschiedenste Spielertypen zu finden. Sie fand Antworten gegen Hardhitter wie Sharapova und Pliskova, die flach und mit wenig Spin über das Netz spielen genauso wie gegen Konterspielerinnen à la Halep. Vor allem für diese Art von Spielerinnen ist eine ausgezeichnete Beinarbeit zwingend erforderlich.

Nicht zuletzt mit den Siegen gegen Agnieszka Radwanska und eben Kasatkina, die für Variationen, Winkel und Spielfreude stehen, zeigte Osaka selbst, wie viel Vielfalt in ihr steckt. „Sie hat keine Schwächen“, urteilte derweil Kasatkina, angesprochen auf den Aufschlag und die Power ihrer Gegnerin. Für Osaka, die Indian Wells ungesetzt gewann, war es der erste Turniersieg bei einem Profiturnier überhaupt.

Osaka steigt auf

Osaka ist in der aktuellen Weltrangliste (HIER) von jenseits der 50 auf Rang 22 hochgeschossen, ihre Finalgegnerin Kasatkina, die tennismagazin.de am Mittwoch vorstellt, rangiert nun gar auf Platz 11. Mit den neuen Gegebenheiten, denen Siegerinnen so zu Teil werden, müssen sich beide noch arrangieren. Osaka, die selbst bekannte, die schlechteste Rede aller Zeiten gehalten zu haben, hat noch reichlich Zeit, an ihren Artikulationskills für kommende Erfolge zu arbeiten.

Doch auch darüber hinaus ändern sich die Zeiten für die neuen Topspieler. Die Finalgegnerinnen von Indian Wells teilten sich einen Privatjet in Richtung Miami. „Zum ersten Mal überhaupt, dass wir einen Privatjet geordert haben“, erklärte Osaka baff. Viel Zeit zum Nachdenken hat sie über all dies nicht. In ihrer Auftaktpartie von Miami wartet eine gewisse Serena Williams und damit die vierte ehemalige oder aktuelle Nummer eins auf der WTA-Tour. Die #Nextgenfemale steht bereit.

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