Miami Open 2018 – Day 3

#nextgenfemale: CiCi Bellis – „Nur meine Mutter nennt mich manchmal Catherine“

Die ATP hat es mit einer ausgeklügelten Marketingstrategie über einen längeren Zeitraum gepackt, die junge Spielergeneration medial dauerhaft zu pushen. Doch eine ,NextGeneration‘ gibt es ebenfalls auf der Damentour. Auf tennismagazin.de stellen wir Ihnen in den kommenden Tage die Spielerinnen vor, die in Zukunft die WTA-Tour ausschlaggebend mitprägen könnten. Heute steht mit der 18-jährigen Catherine „CiCi” Bellis die beste Teenagerin der WTA-Tour im Mittelpunkt.

„Catherine werde ich eigentlich nur genannt, wenn ich Ärger mit meiner Mutter habe“, sagte CiCi Bellis in einem Interview mit der New York Times. Der Name CiCi setzt sich zusammen aus den Initialien ihrer beiden Vornamen Catherine und Cartan. Weil niemand sie Catherine nennt, hat sie bei der WTA sogar schon einmal eine Namensänderung beantragt. Allerdings ohne Erfolg: In der Weltrangliste wird sie weiterhin als Catherine geführt.

„CiCi prügelt nicht auf den Ball ein wie so viele andere Spielerinnen. Sie hält den Ball im Spiel“

Die 18-Jährige ist neben Marketa Vondrousova die einzige Teenagerinnen, die derzeit in den Top 50 der Weltrangliste geführt wird. Mit ihren 1.68 Meter und gerade einmal 50 Kilogramm Körpergewicht wirkt sie auch von ihrer körperlichen Voraussetzungen noch eher wie ein Kind.

Bellis‘ Spiel lebt vor allem von ihrer starken Beinarbeit. Die US-Amerikanerin kann fast jeden Ball erlaufen und ist auch unter Druck in der Lage, enorme Winkel zu spielen. Dabei verfügt sie über eine enorme Spielintelligenz. „CiCi prügelt nicht auf den Ball ein wie so viele andere Spielerinnen. Sie hält den Ball im Spiel“, beschreibt ihre Jugendtrainerin Monique Javer Bellis‘ Spielstil gegenüber der New York Times. Javer war es auch, die Bellis mit sieben Jahren erstmals mit zum Tennis nahm und anfing, sie zu trainieren. Die Britin spielte einst selbst auf der WTA-Tour und vertrat Großbritannien bei den Olympischen Spielen 1992.

Überraschungscoup bei den US Open

Erstmals auf sich aufmerksam machte Bellis mit 15 Jahren, als sie die amerikanischen Juniorenmeisterschaften gewann. Als Siegerin bekam sie zudem eine Wildcard für das Hauptfeld der US Open. Dort schockte sie mit einem Sieg über die an Nummer zwölf gesetzte Dominika Cibulkova die Tenniswelt und erreichte als jüngste Spielerin seit Anna Kournikova 1996 die zweite Runde des Turniers.

Die über 60.000 US-Dollar Preisgeld, die sie für den Einzug in die zweite Runde bekommen hätte, lehnte sie ab, um weiter ihren Amateurstatus behalten zu können. Dadurch hielt sie sich die Möglichkeit offen, später ans College zu gehen. Sie verzichtete auf Wildcards für weitere WTA-Turniere und schlug stattdessen den Weg über die ITF-Tour ein.

Beginn der Profikarriere und Aufstieg

Nachdem sie bei den US Open 2016 die dritte Runde erreichte, startete sie als 17-Jährige offiziell ihre Profikarriere. Auch die großen Marketingfirmen waren natürlich längst auf das Talent aufmerksam geworden. Sie bekam einen Vertrag bei IMG. Dennoch spielte sie die Saison auf der ITF-Tour zu Ende. Zwei Siege bei ITF-Turnieren und ein Challenger-Turniersieg halfen ihr, bis in die Top 100 vorzurücken.

Mit Beginn des vergangenen Jahres wagte sie den endgültigen Sprung auf die WTA-Tour. Wegen einer Oberschenkelverletzung, die sie sich im Training zugezogen hatte, verpasste sie allerdings den Saisonstart. Erst im Februar stieg sie in die Saison ein. Durch konstante Leistungen arbeitete sie sich im Ranking weiter vor. Vier Mal kam sie bei einem Turnier bis ins Viertelfinale oder weiter, bei den French Open erreichte sie die dritte Runde. Nachdem sie beim WTA-Premier-Turnier in Stanford bis ins Halbfinale kam, kletterte sie in der Weltrangliste auf den 35. Rang.

Völlig unbeschadet ging aber auch an Bellis ihre erste kompletten Profisaison nicht vorbei. Am Ende des Jahres war sie körperlich platt und scheiterte bei den letzten vier Turnieren in der ersten Runde.

Ungewöhnlich konstant

Auch in diesem Jahr zeigte CiCi Bellis bisher für einen Teenager eine ungewöhnlich hohe Konstanz. Die Niederlage gegen Victoria Azarenka beim Turnier in Miami war im siebten Turnier erst ihre zweite Erstrundenniederlage. Zudem war es das erste Mal, dass sie gegen eine Spielerin verlor, die in der Weltrangliste hinter ihr platziert war. Bis auf einen starken Auftritt in Doha, wo sie im Achtelfinale Karolina Pliskova bezwang, sind die Ausreißer nach oben aber bisher ebenfalls ausgeblieben.

Um langfristig den besten Spielerinnen der Welt Paroli bieten zu können, muss Bellis in ihrer Spielanlage noch reifen. Sie ist durch ihre gute Beinarbeit in der Lage, so gut wie jeden Ball auf dem Tenniscourt zu erlaufen, doch ihre Grundschläge sind nicht gefährlich genug, um die Topspielerinnen selbst in Bedrängnis bringen zu können. Mit 18 Jahren hat sie aber noch jede Menge Zeit, um sich zu entwickeln.

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