Barclays ATP World Tour Finals – Day Seven

Novak Djokovic: Auf dem Weg zum 100-Millionen-Dollar-Mann

2015 hat Novak Djokovic einen neuen Preisgeld-Rekord aufgestellt, schon im Frühjahr 2016 könnte der nächste folgen – als erster Profi, der in seiner Karriere über 100 Millionen US-Dollar einnimmt.



21.600.000 US-Dollar sind eine verrückte Menge Geld für jeden Normalverdiener. Novak Djokovic hat 2015 soviel Preisgeld auf der ATP-Tour und bei den vier Grand Slam-Turnieren verdient. Es ist die höchste Summe, die jemals ein Tennisprofi innerhalb einer Saison eingenommen hat. Warum, dürfte jedem klar sein: Djokovic spielt in seiner eigenen Liga und die Preisgelder insbesondere bei den Grand Slam-Turnieren haben längst astronomische Höhen erreicht.

Besonders deutlich wird diese Entwicklung, wenn man die beiden „Superjahre“ von Djokovic – 2011 und 2015 – direkt miteinander vergleicht. Sportlich gesehen ähneln sich beide Jahre, aber der Serbe strich in der letzten Saison wesentlich mehr Preisgeld ein als 2011 – nämlich fast neun Millionen US-Dollar.

Novak Djokovic

Alles im Griff: Novak Djokovic hat gute Chance, der erste 100-Millionen-Dollar-Mann im Profitennis zu werden.

Ein Blick in die Statistik

Aber der Reihe nach. Schauen wir uns zunächst die Bilanzen des „Djokers“ an:

2011:70:6 Siege10 Titel3 Grand Slam-Siege
2015:82:6 Siege11 Titel3 Grand Slam-Siege

Beeindruckende Werte! Aber in den beiden Saisonverläufen gibt es einen großen Unterschied. 2011, nach seiner wahnsinnigen Siegesserie im Frühjahr mit 41 Einzelerfolgen hintereinander, gewann der Serbe im Saisonherbst nicht mehr viel. Nach dem US Open-Titel kam kein weiterer Turniersieg dazu, seine Bilanz nach New York fiel mit 6:4 Siegen geradezu mager aus. 2015 war Djokovic konstanter, wenn man das komplette Jahr in Betracht zieht. Besonders stark war sein Saisonendspurt: Nach den US Open kam er auf eine Bilanz von 19:1 Siege, er verlor nur das unwichtige Gruppenspiel beim Masters in London gegen Roger Federer.

Wie sich diese Leitungen im Preisgeld widerspiegeln, zeigen folgende Zahlen:

Preisgeld nach den US Open 2011:404.706 US-Dollar
Preisgeld nach den US Open 2015:4.341.858 US Dollar
Unterschied 2011/2015:3.937.152 US Dollar

Noch gravierender aber sind die Unterschiede, wenn man sich die vier Grand Slam-Turniere der beiden Jahre anschaut. Djokovic bot 2011 und 2015 fast identische Leistungen: Er gewann jeweils in Melbourne, Wimbledon und New York, verlor aber in Paris – 2011 im Halbfinale gegen Federer, 2015 im Finale gegen Wawrinka. Das heißt: In der Grand Slam-Endabrechnung kommt Djokovic 2011 auf einen Sieg weniger als 2015.

Dennoch sind die Preisgelder, die er insgesamt bei den vier Majors verdiente, extrem unterschiedlich:

Grand Slam-Preisgeld 2011:5.677.455 US-Dollar
Grand Slam-Preisgeld 2015:9.295.727 US-Dollar
Unterschied 2011/2015:3.588.272 US Dollar

Natürlich lässt sich dieser Kontrast nicht mit der früheren Niederlage in Paris 2011 erklären. Es sind vielmehr die enormen Preisgeldsprünge der Majors, die den Verdienst von Djokovic so stark ansteigen lassen. Sicher, die vier Grand Slam-Turniere haben auch an die frühen Verlierer gedacht und gerade die Gage in der ersten Runde prozentual am stärksten erhöht. Doch am Beispiel der US Open lässt es sich mit absoluten Zahlen viel besser verdeutlichen, was die Prozentpunkte wirklich bewirken. Ein Profi, der in der zweiten Runde ausschied, bekam zwar 14 Prozent mehr Geld, aber am Ende waren es „nur“ 8.000 US-Dollar mehr als im Vorjahr (2014: 60.600; 2015: 68.600). Sieger Djokovic wurde mit zehn Prozent mehr Preisgeld bedacht, aber seine Gage erhöhte sich gleich um 300.000 US-Dollar (2014: 3 Mio, 2015: 3,3 Mio).

In der Gesamtbilanz liest sich der Preisgeld-Vergleich schließlich so:

Gesamt-Preisgeld 2011:12.595.903 US-Dollar
Gesamt-Preisgeld 2015:21.592.125 US-Dollar
Unterschied 2011/2015:8.996.222 US-Dollar

Novak Djokovic

Werbefigur: Seit 2014 ist Novak Djokovic Marken-Botschafter des Autoherstellers Peugeot. Der französische Konzern ist 2016 auch als Sponsor auf der ATP-Tour aktiv.

Das Erstaunliche an der Gesamtsumme 2015 vom Weltranglistenersten: Er verdiente mehr als seine Verfolger Andy Murray (ATP# 2), Roger Federer (ATP# 3) und Stan Wawrinka (ATP# 4) zusammen. Auch das ist natürlich eine Folge seiner Dominanz auf der Tour.

Wer nun noch einen Blick zurück auf die vergangenen fünf Jahre wirft, wird feststellen, dass Djokovic zwischen 2011 und 2015 fast genauso viel Preisgeld eingenommen hat wie seine Widersacher Nadal und Federer zusammen. Djokovic kommt in diesem Zeitraum auf 73,7 Millionen US-Dollar, Nadal und Federer liegen gemeinsam bei 74,1 Millionen US-Dollar.

Wer knackt zuerst den 100 Millionen Dollar Preisgeld-Rekord?

Trotz seiner Herrschaft über das Herrentennis: Der Werbewert von Djokovic ist noch nicht so hoch wie der von Federer, aber auch in dieser Kategorie holt der Serbe deutlich auf. Nach der aktuellen Forbes-Liste der bestbezahlten Sportler weltweit verdient Federer durch Sponsoren 58 Millionen US-Dollar pro Jahr. Djokovic liegt derzeit bei 31 Millionen und hat damit Rafael Nadal (28 Mio) hinter sich gelassen.

Sollte Djokovic 2016 erneut so auftrumpfen wie in den letzten Jahren, wogegen eigentlich nichts spricht, wird er endgültig die Diskussion um den größten Spieler aller Zeiten neu entfachen. Im Frühjahr 2016 könnte er dann erneut eine Schallmauer durchbrechen: als erster Tennisprofi, der in seiner Karriere mehr als 100 Millionen US-Dollar eingenommen hat. Dem Großverdiener der Tour fehlen noch knapp sechs Millionen US-Dollar. Allerdings: Roger Federer könnte ihm dazwischenfunken! Der Schweizer ist nur knapp 2,7 Millionen Dollar Preisgeld von der magischen 100-Millionen-Marke entfernt.

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