TENNIS-DAVIS-DOM-GER

Petzschner im Interview: „Wenn nicht Rio, dann eben Tokio!“

Mehr als eine Stunde Bälle schlagen schafft er noch nicht. Dann meldet sich sein Körper. Philipp Petzschner beginnt gerade erst wieder damit, Kondition und Muskeln aufzubauen. Ein Virus-Infekt hatte ihn in Folge einer Knie-OP ziemlich übel erwischt, ließ seine Gelenke schmerzhaft anschwillen und verursachte Fieber. Fast vier Wochen im Krankenhaus musste er erdulden, während seine Frau im neunten Monat schwanger war. An Sport war in dieser Zeit nicht zu denken. Das verboten ihm die Ärzte. Sein Fernziel hieß dennoch Olympia in Rio. Dort wollte er gemeinsam mit Philipp Kohlschreiber um eine Medaille im Doppel kämpfen. Doch daraus wird nichts. Aktuell kämpt der 32-Jährige vielmehr um etwas anderes – um seine Rückkehr auf die Profitour. tennis MAGAZIN traf Petzschner in Offenbach, wo er an der Schüttler/Waske-Academy an seinem Comeback arbeitet.



 

Herr Petzschner, im Frühjahr waren Sie zuletzt auf der Tour aktiv. Was ist seitdem passiert?

Es begann Ende März beim Masters in Miami. Vor meinem ersten Match im Doppel schwoll mein rechtes Knie an. Nachdem wir (Petzschner spielte mit Alexander Peya, d. Red.) im Viertelfinale ausschieden, fuhr ich zum Arzt. Der stellte einen Knorpelschaden fest, was bei Tennisspielern in meinem Alter nicht ungewöhnlich ist. Aus dem Knie wurde Flüssigkeit herausgezogen, es wurde punktiert und mit Cortison behandelt. Doch statt einer Besserung schwoll mein Knie von Tag zu Tag mehr an. Die Ärzte konnten aber nicht genau sagen, warum.

Was haben Sie unternommen?

Beim Turnier Houston spielten wir sogar noch die erste Runde und gewannen, doch dann war das Knie so dick, dass ich kaum noch gehen konnte. Ich flog nach München zu Davis Cup-Arzt Dr. Kinateder, der das Knie noch einmal punktierte. Kurz darauf bekam ich Fieberschübe. Ich ging in Köln (Petzschner wohnt in Puhlheim nahe Köln, d. Red.) zum Arzt, der schickte mich direkt ins Krankenhaus, wo mein Knie durchgespült wurde, um zu sehen, ob es sich um einen Keim handelte.

Philipp Petzschner (re.), hier im Gespräch mit tm-Redakteur Florian Vonholdt, schuftet an der Schüttler-Waske-Akademie für sein Comeback. Foto: Frank Molter

Philipp Petzschner (re.) im Gespräch mit tM-Redakteur Florian Vonholdt, schuftet an der Schüttler/Waske-Academy für sein Comeback. Foto: Frank Molter

Wie fiel das Ergebnis dieser Untersuchung aus?

Das war nicht sofort klar. Zwischenzeitlich schwoll auch mein Ellbogen an. Hier musste ebenfalls Flüssigkeit entfernt und Cortison gespritzt werden. Ich wurde zunächst in die Infektiologie verlegt, später in die Rheumatologie. Außerdem bestand der Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung, weil die Herzwände verdickt waren und ich Schmerzen hatte. Also wurde ich auch noch in der Kardiologie untersucht und hatte absolutes Sportverbot. Der Verdacht bestätigte sich zum Glück nicht. Aber man konnte nicht exakt sagen, um was es sich handelte. Das ist gerade für einen Sportler relativ unglücklich. Immerhin konnten die Ärzte lebensbedrohliche Erkrankungen ausschließen.

Das klingt dennoch beunruhigend. Wie ging es weiter?

Man stellte schließlich fest, dass es sich um eine rheumatische Arthritis gepaart mit einem sogenannten Coxsackie-Virus handelt. Mir wurde erklärt, es sei wie eine Art Herpes-Virus, den viele Menschen in sich tragen, der aber nicht bei jedem ausbricht. Die Paarung dieser beiden Dinge sorgte dafür, dass meine Gelenke anschwollen.

War der Virus ansteckend?

Nein zum Glück nicht. Meine Frau war zu der Zeit im neunten Monat schwanger. Sie durfte mich besuchen, der Virus war nicht übertragbar.

Wie viel Zeit verbrachten Sie im Krankenhaus?

Dreieinhalb Wochen. Zwischendurch habe ich mich eines Morgens selbst entlassen, weil ich einfach keine Lust mehr hatte. Am gleichen Abend kehrte ich aber schon zurück, weil ich erneut Fieber bekam. Meine Frau sagte nur: ‚Du schläfst sicherlich nicht zu Hause‘ und fuhr mich zurück ins Krankenhaus (lacht).

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