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Punktspielbälle: Ganz heiße Ware

Nirgends sind Punktspielebälle so teuer wie in Deutschland. Landesverbände und Ballhersteller profitieren gleichermaßen davon, doch nun gerät das etablierte System ins Wanken. Ein Aufklärungsreport

Man regt sich ja gerne über zu hohe Preise auf. Benzin zum Beispiel ist verdammt teuer – man ahnt aber zumindest ansatzweise,  weshalb. Es hängt irgendwie mit dem Ölpreis zusammen. Immobilien in Großstädten sind inzwischen für Normal­sterbliche auch nicht mehr zu finanzieren. Die Nachfrage nach Wohnraum in Ballungs­räumen ist einfach so hoch. Bei Tennisbällen sieht es anders aus. Wer regelmäßig Medenspiele bestreitet, echauffiert sich zwar über die horrenden Preise für Punktspielbälle. Wie diese zustande kommen, wissen jedoch die wenigsten.

Vier offizielle Spielbälle gibt es derzeit in den 18 Landesverbänden des Deutschen Tennis Bundes: den Fort Tournament von Dunlop, den Tour Germany von Wilson, den No.1 von Head und den Serie+ Germany von Tretorn. Die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller liegen jenseits der 15 Euro für eine Vierer-Dose, beim Wilson-Ball sind es zurzeit sogar 18,95 Euro – das ist teurer als vielerorts eine Stunde Tennis auf kommerziellen Anlagen. Klar, kaum ein Spieler zahlt  diesen Preis. Man weicht auf günstigere Angebote (ca. 12 bis 14 Euro) von Online-Shops und Fach­händlern aus. Dennoch: Wer regelmäßig mit den Bällen trainieren möchte, die bei den Punktspielen zum Einsatz kommen, gibt pro Saison schnell einen dreistelligen Betrag aus.

Punktspielbälle

DAS DEUTSCHE BALLSYSTEM: So läuft das Geschäft mit den Punktspielbällen in Deutschland.

Viel höher sind die Ausgaben der Vereine, weil sie ihren Spielern in der Regel die Bälle für die Mannschaftswettbewerbe finanzieren. Ein Beispiel: Der SC Union Altona in Hamburg, ein kleiner Club mit gerade einmal 190 Mitgliedern und lediglich acht gemeldeten Teams, zahlt pro Jahr rund 1.600 Euro für Punktspielbälle. Bei großen Clubs liegen die Ausgaben sogar im fünfstelligen Bereich. Feststeht: Die Bälle sind qualitativ hoch­wertig, bieten meist eine längere Haltbarkeit als sogenannte Billigbälle. Die Produktionskosten sind allerdings nur geringfügig höher. Und im Ausland, zum Beispiel in Österreich, aber auch in Großbritannien oder Frankreich (s. Grafik S. 72) kosten die gleichen Bälle nur  die Hälfte. Nirgends sind Bälle im Durchschnitt so teuer wie in Deutschland.

25.000 Euro für das DTB-logo

Alles eine Abzocke der Ballfirmen? Nein, so einfach ist die Erklärung nicht. Warum die Preise, gerade für offizielle Punktspielbälle, so hoch sind, liegt an einem weitverzweigten und seit mehr als 30 Jahren etablierten System, das von Abhängigkeiten zwischen den Ballfirmen und den Landesverbänden geprägt ist. Die Ausrüster pumpen Geld in die Verbände, damit ihr Ball in den Punktspielen zum Einsatz kommt. Die Landes­verbände garantieren wiederum einen Absatz der hochpreisigen (und auch der günstigeren) Bälle und sie sind auf die als „Ballgelder“ deklarierten Sponsoreneinnahmen existenziell angewiesen.

Aber der Reihe nach: Zunächst muss jeder Hersteller, der mit seinem Ball die Punktspiele in einem Verband ausstatten will, ein Gütesiegel vom Weltverband ITF für sein Produkt einholen (in der Regel Formsache). Danach tritt die Firma dem Partnerpool des DTB bei. Das ist zwar keine Verpflichtung, um später in den Landesverbänden als Spielball eingesetzt zu werden, wird aber als „Gentlemen Agreement“ gehandhabt. Rund 25.000 Euro zahlt jeder Hersteller von Punktspielbällen pro Jahr an den DTB – und erhält dafür das Logo „Offizieller Partner“.

Im nächsten Schritt beginnen Verhandlungen zwischen Ballfirmen und Verbänden. Jeder Verband schreibt seinen Clubs vor, in welchen Spiel- und Altersklassen welcher Ball zum Einsatz kommt, damit  gleiche Wettbewerbsbedingungen gewährleistet sind. Die Firmen zahlen hohe Summen, damit ihre Bälle in den jeweiligen Verbänden gespielt werden. Manche Verbände verkaufen Ligen, andere Altersklassen oder Bezirke. Meistens werden Spielklassen in Paketen angeboten, beispielsweise Herren, Herren 30, Damen und Damen 30. Hintergrund: Je attraktiver eine Liga ist, also je mehr Teams und Spieler sie beinhaltet, desto größer ist das Interesse der Firmen, ihren Ball dort zu platzieren – und umso höher fallen die Angebote an die Verbände aus.

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