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Rafael Nadal: „Bis zum Wimbledon-Start muss ich noch viel arbeiten“

Nach einer Trainingswoche auf Rasen in seiner Heimat Mallorca will Rafael Nadal auch die nächsten Tage intensiv für seine Wimbledon-Vorbereitung nutzen. tennisMAGAZIN traf den zehnfachen French Open-Champion am Rande der Mallorca Open zum Presse-Talk.



Seit Montag biegt er jeden Morgen mit seinem schnittigen weißen Ferrari auf die Anlage der Mallorca Open, parkt und spult routiniert seine bis zu zweieinhalbstündigen Trainingseinheiten ab: Rafael Nadal ist der heimliche Star dieses WTA-Events und stiehlt den Damen – zumindest vormittags – die Show.

Am Freitag nun stellte er sich nach dem Training den Fragen der spanischen Journalisten – und tennisMAGAZIN war dabei. Es war Nadals erster öffentlicher Auftritt nach seiner Heldentat in Paris: „La Decima“, zehn Paris-Titel – er hat sie nun tatsächlich.

Voll auf Wimbledon fokussiert

Auf Mallorca wurde im Gespräch schnell deutlich: Nadal ist voll und ganz auf Wimbledon fokussiert. Seine größte Sorge ist es, sich auf dem heiligen Rasen nicht in Bestform präsentieren zu können. „Das Niveau, das ich jetzt habe, reicht noch nicht, um in Wimbledon so spielen zu können, wie ich es will“, sagte Nadal. „Ich habe noch viel Arbeit vor mir.“

Er will nun noch den Samstagvormittag zum Training auf Mallorca nutzen. Danach fliegt er nach England, wo er ebenfalls eine Trainingswoche einlegt. Allerdings wird er zusätzlich noch bei einem Show-Turnier antreten, um sich den letzten Feinschliff kurz vor Wimbledon zu holen. Auch wenn Nadal nicht verriet, wo er auflaufen wird, handelt es sich wohl um die „Aspall Tennis Classics“ im edlen Hurlingham-Club. „Ich will dort Matches spielen, weil ich hier auf Mallorca an spezifischen Dingen gearbeitet habe“, erklärte Nadal. Danach, so hofft er, „bin ich mit dem Aufbau fertig.“

Lieber Mallorca statt Queens

Aber warum zog es Nadal vor, lieber auf Mallorca zu trainieren statt das ATP-Turnier in Queens zu spielen? Dort war er schließlich ursprünglich auf der Entry List. „Ich habe Queens abgesagt, weil ich einige harte Monate hinter mir habe, selbstverständlich hätte ich dort sehr gern gespielt.“ Aber, so räumt er ein, für ihn sei die intensive Rasen-Vorbereitung auf Mallorca „besser gewesen als wenn ich Queens gespielt hätte.“

2015 bestritt Nadal sein letztes Match auf Rasen. Damals verlor er ziemlich sensationell gegen Dustin Brown in Wimbledon. 2016 verpasste er die gesamte Rasensaison wegen einer Verletzung am Handgelenk. „Ich habe nun fast zwei Jahre kein Turnier mehr auf Rasen gespielt. Mal sehen, ob ich mit dieser Art der Vorbereitung auf ein optimales Niveau komme.“

Gras und Nadal – das passte in den letzten Jahren nicht mehr besonders gut zusammen. Zwar gewann der Spanier 2008 und 2010 den Wimbledon-Titel, aber danach bekam er zunehmend Probleme auf Rasen – mit seinen Knien. „Mir ist bewusst, dass meine Knie mich in den letzten Jahren auf Rasen gehandicapt haben. Sie haben es verhindert, auf einem optimalen Niveau spielen zu können.“ Werden seine Knie denn in diesem Sommer halten? „Wir werden sehen. Ich bin zuversichtlich, dass sie es tun.“ Und wie blickt er auf seine letzten Auftritte in Wimbledon zurück? „Ich habe eine Serie von Jahren, in denen ich nicht richtig spielen konnte. Das ist ein Handicap gegenüber denen, die dort Jahr für Jahr erfolgreich sind.“ Wie will er diesen Nachteil aufholen? „Durch meine Vorbereitung, ich will optimal in meine erste Partie gehen. Es wird lebensnotwendig sein, dass ich die ersten Partien überstehe, damit sich die Dinge normalisieren.“

Nadal kann die Nummer 1 werden in Wimbledon

Kann Nadal ins dritte Grand Slam-Finale hintereinander einziehen? In Melbourne verlor er gegen Federer, in Paris schlug er Wawrinka. Er ist der bisher konstanteste Profi 2017, während seine Konkurrenz schwächelt. Murray und Djokovic sind beide weit von ihrer Bestform entfernt. Bei Federer weiß man noch nicht genau, wie stark er derzeit wirklich auf Rasen ist, aber als siebenfacher Wimbledon-Sieger gehört er natürlich zu den Favoriten. In dieser Gemengelage könnte es einen großen Sieger geben: Nadal. Sollte er seinen dritten Titel an der Church Road gewinnen, wäre er die neue Nummer 1 der Weltrangliste.

Wer ihn auf Mallorca auf dieses spannende Szenario ansprach, bekam eine äußerst entspannte Antwort. „Es ist kein Ziel von mir, die Nummer 1 zu werden. Ich will das Jahr einfach nur gut zu Ende spielen.“ Dann verabschiedete er sich höflich und brauste mit seinem Ferrari davon.

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  1. Stefan Höfel

    Nadal kann aber auch schon mit Erreichen des Wimbledon-Achtelfinales die Nr.1 werden, wenn seine Konkurrenten dort entsprechend „schwächeln“.


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