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Federer privat: Tennisträume seiner Kids, Schulfragen und Karriereende

Öffentliche Gespräche mit Roger Federer gehen zumeist nur über das Sportliche. In seiner schweizer Heimat ist nun ein Interview erschienen, in dem der 20fache Grand Slam-Champion offen wie selten über sein Privatleben und seine Kinder gesprochen hat.

Aufhänger war ein TV-Auftritt des Maestros beim Tennis-Channel am Rande der BNP Paribas Open in Indian Wells, in dem der schweizer Superstar berichtete, dass seine beiden älteren Zwillinge, Mädels, am Straßenrand von Indian Wells Limonade verkauft hatten. „Sie haben sogar 70 Dollar eingenommen“, sagte der stolze Papa am Rande des Interviews.

Ein Reporter des Schweizer Tagesanzeigers nahm diese schöne Randgeschichte zum Anlass, um in seinem Interview genauer nachzuhaken. „Was sie machen, dort bin ich dabei. Jetzt haben sie die ganze Zeit Grapefruits und Zitronen gepresst und gemischt. Das ist für mich nichts Neues. Es war ja nicht das erste Mal. Und am Ende waren viele Freunde mit ihnen am Straßenrand“, sagte Federer.

Diese und ähnliche Dinge würde er mit seinen Kids, Federer hat zwei Zwillingspärchen, öfter machen, wenn sie mal nicht in Großstädten verweilen: „Die Ruhe hier erinnert mich ein wenig an die Schweiz. Die Kinder kommen gerne hierher.“

Federer wünscht sich, dass seine Kids Tennis spielen

Federer bekannte zudem, wie wichtig es ihm sei, dass seine vier Kinder Tennis spielen. „Es ist etwas vom Wenigen, das ich gerne hätte, dass sie es machen. Es ist kein Zwang da, aber ich sagte ihnen: Alle unsere Freunde spielen Tennis, alle Kinder unserer Freunde spielen Tennis. Und dass ich gerne hätte, dass sie ein Instrument und Tennis spielen.“ Es müsse nicht professionell sein. „Aber es wäre schön, wenn wir später ein ­wenig doppeln könnten oder dass sie mit Freunden spielen und Spass haben“, führte Federer weiter aus.

Familienbetrieb: Wie hier bei den Australian Open sind Frau Mirka und ihre vier gemeinsamen Kinder bei großen Turnieren dabei.

Seine Mädels würden derweil auch Ski fahren und die Jungs, die gerade vier sind, spielten ebenfalls schon Tennis. Druck übe er aber nicht aus: „Ich habe das Gefühl, dass sie wissen, was sie tun. Es fällt ihnen leicht. Aber eben: Was ist schon normal mit drei oder vier Jahren? Ich weiss es nicht. Ich überfordere sie auch nicht. Sie sollen spielen, wenn sie Lust haben. Und wenn wir sie in eine Stunde schicken und sie keine Lust haben, sage ich: Dann war halt heute nichts, kein Problem.“

Töchter musikalisch auf den Spuren Federers

Federer sei es überdies wichtig, dass alle ein Instrument lernen. Seine Töchter spielten demnach bereits Piano – so wie Federer selbst einst. „Aber ich hatte den Kopf immer beim Sport. Ich ging eine Zeit lang einmal pro Woche in die Pianostunde. Dann musste ich ein Lied vorbereiten, und als ich kam, fragte die Lehrerin: „Gell, du hast nicht geübt, Roger?“ Und ich sagte: „Nein, ich war auf dem Fußball- und dem Tennisplatz.“ Da sagte sie: „Komm, wir versuchen es nochmals.“ Die Mädchen üben viel lieber auch einmal von sich aus. Da bin ich sehr stolz auf sie.“

Auch das Thema „Home-Schooling“ wurde erörtert. Federer gab an, transparent mit seinen Töchtern über Vor- und Nachteile zu diskutieren. „Alles hat Pluspunkte und negative Seiten. Ich wünschte ja eigentlich auch, dass es nicht so wäre. Mirka und ich hatten immer erwartet, dass sie normal zur Schule gehen würden wie wir. Aber leider – oder zum Glück – ist durch mein Tennis jetzt alles anders gekommen.“

Federers Diskussionen über Schule

Mit seiner Stiftung könne er auch seine Töchter sensibilisieren, wie es mit der Bildung andernorts so laufe. „Sie stellen sich schon auch Fragen und wünschten sich manchmal, dass sie in der normalen Schule wären. Aber zugleich verstehen sie, dass sie Glück haben, dass sie extrem vieles erleben, durch die Welt reisen und Sachen entdecken können. Und dass wir als ­Familie immer zusammen sein können“, erklärte der Schweizer.

Das Thema Schule sei zudem Bestandteil des Gesprächs mit seiner Frau Mirka 2016 gewesen, in dem es um den Fortbestand seiner Karriere ging. „Es war wohl bei einem Nachtessen, als wir einmal ­allein am Tisch sassen. Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, ob ich sie fragte, ob ich aufhören soll oder ob sie denke, dass ich noch gewinnen könne.“

Federer über das Karriereende

Federer wurde präziser: „Es war wohl etwas in diese Richtung. Und sie sagte: Wenn du es noch gern und richtig machst und dich gut fühlst, sehe ich keinen Grund, weshalb du nicht nochmals ein großes Turnier gewinnen oder alle schlagen solltest. Dieses Gefühl hatte ich ja auch. Und darauf sagte ich wohl: Okay, und was ist nun der Plan mit den Kindern morgen? Es war jedenfalls kein langes Gespräch.“

Abschließend war auch das Thema Karriereende Thema. „Ich hoffe wirklich, dass ich noch lange spielen kann. Und ich möchte mich auch nicht mit jemandem vergleichen. Ich versuche jetzt einmal, dieses Jahr zu spielen. Für das nächste habe ich schon Ideen, wie ich es beginnen könnte. Aber – hey, es wird sich immer wieder zeigen. Man muss flexibel bleiben im Alter, das ist auch klar.“

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