TENNIS-AUS-OPEN-PODIUM

Serena Williams – ganz groß im Moment der großen Pleite

Ein Foto der Siegerehrung (s. unten) hat dieses überraschend-freundschaftliche Verhältnis zwischen frischem Champion und Dauer-Champion so gut eingefangen wie kein zweites. Im Vordergrund: Kerber wie sie den riesigen Pokal gen Himmel reckt und ihn unten am Sockel küsst. Im Hintergrund: Williams wie sie in die Hände klatscht, über ihr ganzes Gesicht strahlt und einfach nur pure Freude zum Ausdruck bringt. So etwas kann man nicht spielen. So etwas muss von Herzen kommen. Es ist, als ob man zwei Siegerinnen auf einem Foto sehen würde. Man wüsste nicht, wer gewonnen hätte, wenn Kerber nicht die Trophäe in den Händen halten würde.



Egal, wo dieses Foto nun auftaucht (und es wird in allen Winkeln der Welt auftauchen, weil es einfach fantastisch ist): Williams bekommt dadurch so viel Zuspruch, wie sie ihn selbst als Abo-Grand Slam-Siegerin nur selten erhielt. Williams zeigte all ihre Größe im Moment einer großen Niederlage und wird damit von etlichen Tennisfans auf dem Globus erstmals als eine liebenswerte, sympathische Sportlerin wahrgenommen. Vielleicht hat sie damit mehr gewonnen als mit all ihren Titeln.

Auf der Jagd nach Steffi Grafs Rekorden

Andererseits: Wenn man so viele Siege wie Williams schon eingefahren hat, dann fällt es einem auch leichter, anderen etwas zu gönnen. Denn natürlich bleibt Williams, die im September 35 Jahre alt wird, das Souverän im Frauentennis. Daran wird die Niederlage in Melbourne nichts ändern. Wir wurden nicht Zeitzeugen einer Wachablösung, auch wenn Kerber nun die Nummer zwei der Welt in der neuen Rangliste sein wird und so dicht wie möglich an Williams heranrückt. Die Amerikanerin ist seit dem 13. Februar 2013 ohne Unterbrechung die Nummer 1 der Welt. Am kommenden Montag sind das in der Summe 155 Wochen. Und es ist in absehbarer Zeit niemand in Sichtweite, der sie vom Thron stoßen könnte. Im Gegenteil: Williams könnte noch in diesem Jahr einen Rekord von Steffi Graf brechen, die 186 Wochen ununterbrochen ganz oben stand (August 1987 bis März 1991).

Wenn sie das schafft und in der Zwischenzeit auch noch den fehlenden Major-Titel einsammelt, um Graf endgültig zu überflügeln, dann muss man ihr seit dem Melbourne-Finale für gar nichts mehr böse sein – selbst als deutscher Tennisfan nicht.

 

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  1. Tinka

    Ein grossartiger Artikel, der den Nagel auf den Kopf trifft. Ich habe Serena nie so gesehen und während des Lesens stellte ich fest, dass sie mich durch den Umgang mit ihrer Niederlage zum ersten mal berührt hat.
    Danke dafür und weiter so!


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