Middle Sunday: The Championships – Wimbledon 2016

Wurde Juniorin Gabriella Taylor in Wimbledon vergiftet?

Die britische Juniorenspielerin Gabriella Taylor (18) ist vor ihrem Viertelfinale beim Grand-Slam-Turnier in Wimbledon Anfang Juli möglicherweise vergiftet worden. Scotland Yard bestätigte der französischen Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag, dass Ermittlungen in dem Fall aufgenommen wurden. Die 381. der Weltrangliste musste in der Runde der letzten Acht des Junioren-Einzels gegen die US-Amerikanerin Kayla Day beim Stand von 4:6, 1:1 entkräftet aufgeben und verbrachte anschließend vier Tage auf der Intensivstation.



„Meine Tochter ist fast gestorben“, sagte Gabriellas Mutter Milena Taylor am Mittwoch dem „The Telegraph“. Ihre Tochter litt unter Leptospirose, einer seltenen bakteriellen Infektion, die in ihrer schlimmsten Ausprägung tödlich enden kann. „Das Bakterium ist sehr selten in Großbritannien. Deswegen denken wir, dass es möglicherweise kein Unfall war“, sagte Milena Taylor: „Möglicherweise hat jemand davon profitiert, dass Gabriellas Taschen oft unbeaufsichtigt im Umkleideraum waren, um so ihre Getränke zu verunreinigen.“ Wer ein Interesse daran hätte, ihre Tochter wissentlich zu vergiften, wollte die Mutter nicht beantworten. Verständlich, die Ermittlungen sind gerade erst angelaufen.

Ist das denn überhaupt vorstellbar? Eine Konkurrentin, die ihre Gegnerin vorsätzlich vergiftet, um von deren Aufgabe zu profitieren? Was sich anhört wie ein schlechter Kriminalroman, hat sich in der Realität tatsächlich schon einmal abgespielt. In Frankreich wurde 2006 der schier unglaubliche Fall eines krankhaft besessenen Tennisvaters aufgeklärt.

Mont-de-Marsan, FRANCE:  Christophe Fauviau, accused of administering anxiolytics to the tennis adversaries of his children, arrives 01 March 2006 at the court house in Mont-de-Marsan for the beginning of his trial. Fauviau is also charged with the accidental death of Alexandre Lagardere who was drugged prior to a match against his son and later died after losing control of his vehicle presumably due to the effect of the drug, Temesta. Fauviau, 45, faces up to 20 years incarceration.   AFP PHOTO MICHEL GANGNE  (Photo credit should read MICHEL GANGNE/AFP/Getty Images)

GIFTMISCHER: Tennisvater Christophe Fauviau (hier bei seiner Gerichtsverhandlung im März 2006) manipulierte Getränke der Gegner seiner Kinder.

Christophe Fauviau hatte zwischen 2000 und 2003 die Trinkflaschen der Gegner seiner Kinder Maxime und Valentine manipuliert. Der ehemalige Hubschrauberpilot hatte in 28 belegten Fällen das Beruhigungsmittel „Temesa“ in die gegnerischen Trinkflaschen gemischt, um die Siegeschancen seiner Kinder zu erhöhen. Seine Machenschaften kamen erst heraus, als ein Gegner seines Sohnes, Alexandre Lagardere, nach einem wegen Erschöpfung abgebrochenen Match bei der anschließenden Autofahrt tödlich verunglückte. Lagardere war während der Fahrt eingeschlafen. Bei der Autopsie der Leiche wurden Spuren von „Temesa“ entdeckt. Im März 2006 wurde Christophe Fauviau zu acht Jahren Haft verurteilt.

Ob der Fall der englischen Nachwuchsspielerin Gabriella Taylor aufgeklärt werden kann, ist dagegen höchst ungewiss. Ein Sprecher von Scotland Yard bestätigte dem „The Telegraph“, dass es schwierig werden könnte, jetzt noch Beweise für eine Vergiftung ausfindig zu machen. Am 6. Juli 2016 traten die merkwürdigen Symptome bei Taylor auf, Scotland Yard nahm aber erst am 5. August 2016 seine Ermittlungen auf.

Immerhin geht es der 18-Jähirgen jetzt besser. Gabriella Taylor trainiert seit Anfang der Woche wieder – unter der Sonne Marbellas.

(SID, Red/timboe)

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