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Tim Pütz: „Nichts gegen Becker, aber Kohlmann war wichtiger für uns“

Das deutsche Davis Cup-Team bleibt erstklassig. Wem das in erster Linie zu verdanken ist, erklärte Debütant Tim Pütz in einem bemerkenswerten Plädoyer für Teamchef Michael Kohlmann.



Die Pressekonferenz vor den Toren Lissabons war gelaufen, alle Fragen waren gestellt und das deutsche Davis Cup-Team hätte sich auf den Weg zu den verdienten Feierlichkeiten machen können, als Tim Pütz das Mikrofon ergriff. Der Frankfurter, erstmals für das Team nominiert und mit Jan-Lennard Struff siegreich im wichtigen Doppel zum 2:1-Zwischenstand, wollte nach dem 3:2-Erfolg der Deutschen im Abstiegsspiel gegen Portugal ein Statement loswerden. Dabei sprach er nicht für sich; er sprach im Namen der gesamten Mannschaft – „als Teamältester“, wie er scherzhaft einleitete. Was Pütz zu sagen hatte, war bemerkenswert.

Die Kollegen vom Tennisblog „Chip and Charge“, die die ganze Woche vor Ort waren, haben die Worte von Pütz im O-Ton festgehalten. Ihr könnt ihn euch oben (direkt unterm dem Beitragsbild!) in voller Länge anhören.

„Michael gebührt der Respekt“

„Wir haben hier in den letzten Tagen sehr viele Fragen zu Boris Becker bekommen. Und es ist auch sehr gut, dass Boris da ist – das kann nur gut sein für das deutsche Tennis. Was ich aber schade finde: In dem ganzen Trubel um Boris ging es ein bisschen unter, was Michael Kohlmann in der ganzen Woche und auch im Vorfeld für uns geleistet hat. Er hatte die schwerste Aufgabe von uns allen. Nochmal: Es ist toll, dass Boris hier ist, aber für uns war Michael der wesentlich wichtigere Mann. Dass wir hier 3:2 gewonnen haben, dafür gebührt Michael der größte Respekt. Wir wurden die ganze Woche nicht einmal nach Michaels Leistung gefragt. Es ist uns Anliegen, es nun öffentlich zu machen, wie dankbar wir ihm sind“, stellte Pütz klar.

Er wies im Anschluss auch auf seine eigene Nominierung hin, die schon ungewöhnlich, am Ende aber erfolgreich war. Der 29-Jährige ist „nur“ die Nummer 372 in der ATP-Einzelweltrangliste, aktuell sind 25 andere deutsche Profis vor ihm platziert. „Es ist nicht leicht zu vertreten, jemanden wie mich zu nominieren, der in der Rangliste so weit hinten steht. So etwas braucht Mut. Damit hat aber Boris nicht viel zu tun, das geht auf Michaels Kappe.“

Pütz verkündete sein Statement, nachdem Kohlmann in einer eigenen Erklärung sich bei allen Team-Mitgliedern „für die letzten drei Jahre“ bedankt hatte. Ohne konkret zu werden, klangen seine Worte wie eine Abschiedsrede. Fakt ist, dass sein Vertrag als Teamchef Ende 2017 nach drei Jahren ausläuft. DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff kündigte nun am Montag an, dass es eine „zeitnahe“ Entscheidung zur Zukunft von Michael Kohlmann geben wird.

(Beitragsbild: Frank Molter @frankmolter)

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