2013 Australian Open – Day 5

Wie Doppelprofi Butorac in Federers Box landete

Der Name Eric Butorac ist nur den eingefleischten Tennisfans auf der Welt ein Begriff. Selten tritt der 34-jährige Doppelspezialist auf der Profitour ins Rampenlicht. Höchstens wenn er wieder einmal die Doppelkonkurrenz bei einem Turnier gewinnt. 17-mal gelang das dem Amerikaner bisher. Doch davon bekommen nur die wenigsten etwas mit.

Butorac, aktuell die Nummer 48 der Doppelrangliste, bloggt seit einiger Zeit auf dem amerikanischen Tennis-Portal „Universal Tennis“. In dieser Woche schrieb er wieder ein Stück. Sein Thema: „Woher Roger Federers Gutmütigkeit kommt“

Der Mann aus dem US-Bundesstaat Minnesota ist seit 2014 Präsident des ATP-Spielerrates. Er ist Nachfolger von Roger Federer, deren Stellvertreter er zuvor war. Er kennt den Schweizer lange und gut.

MONTE-CARLO, MONACO - APRIL 10:  Roger Federer of Switzerland takes a break in a practice session during day One of the ATP Monte Carlo Masters, at the Monte-Carlo Country Club on April 10, 2016 in Monte-Carlo, Monaco.  (Photo by Valerio Pennicino/Getty Images)In seinem Blog schreibt Butorac über eine besondere Begebenheit rund um ein Match des Schweizers vor gut zehn Jahren. Butorac, gleicher Jahrgang wie Federer, stand da noch am Anfang seiner Karriere.

„Eines meiner ersten ATP-Events war 2006 das Turnier in Basel“, beginnt der Amerikaner seine Zeilen. Er sei dort mit Coach angereist, weil es einerseits ein wichtiges Turnier für ihn war, aber vor allem, weil er Roger Federer einmal live spielen sehen wollte.

Nachdem er sein Zweitrundenmatch mit Partner Travis Parrott gegen das Spitzendoppel Daniel Nestor / Mark Knowles verlor, beschloss er mit seinem Trainer das Viertelfinalmatch Federers gegen den Spanier David Ferrer zu schauen und sich seinen Traum zu erfüllen.

Sponsorenbox? Das ist die Box von Federer!

Die Basler St. Jakobhalle war natürlich bis auf den letzten Platz ausverkauft. „Ein Ordner gab uns den Tipp, es im Bereich der Sponsoren-Boxen zu versuchen.“ Und tatsächlich, Butorac und sein Trainer landeten in einer Sechs-Mann-Box. Er setzte sich neben eine „extrem nette, ältere Dame, die begann, mich mit Fragen zu meiner Karriere zu löchern – woher ich komme, welchen Schläger ich spiele, wie mein Ranking ist.“ Er hingegen wollte sich eigentlich auf das Match des großen Roger Federers, der in jenem Jahr drei von vier Majors gewann, konzentrieren.

Da Butorac aber nicht unfreundlich sein wollte und dankbar war, dass er in der Box Platz nehmen durfte, stellte er selbst Fragen, um seinerseits Interesse zu signalisieren. „Und Sie sind also Sponsoren des Turniers?“ Seine Sitznachbarin:“Sponsoren? Nein, das ist eine Spielerbox.“ Butorac: „Spielerbox?!“ Die Dame: „Aber ja, ich bin Rogers Mutter, (mit dem Finger deutend) das ist sein Vater, seine Schwester und sein Manager.“ Butorac war völlig baff – und peinlich berührt. „Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere fühlte ich mich unwohl, allein beim diesem Spiel zu sein; und dann noch in Federers Box mit seiner Familie – es war demütigend für mich.“

Butorac schildert anschaulich, wie er nach dem Match versuchte, so schnell wie möglich aus der Halle zu gelangen, um bloß nicht seinem großen Idol über den Weg zu laufen.

Butorac über Federer: „Er macht keine Show, er ist einfach so“

Dafür ließ er sich knapp zwei Jahre später die Gelegenheit nicht entgehen, den Trainingspartner für Federer zu spielen. Jose Higueras, Federers damaliger Coach, fragte Butorac, ob er am morgigen Tag nicht Zeit hätte, mit dem „Maestro“ eine Trainingseinheit zu absolvieren, man suche noch Linkshänder. Butorac, der nach seinem Ausscheiden, eigentlich noch am selben Abend die Stadt verlassen wollte, reagierte blitzschnell: „Habe ich heute gesagt? Ich meine natürlich morgen.“ Im Laufe der Jahre wurden er und Federer Freunde.

„Ich habe miterlebt wie er mehr Zeit für Fans und Sponsoren aufbrachte, als er es hätte tun müssen, wie er selbst mit den unfreundlichsten Anfragen mit unerschütterlichem Anmut umging. Manche mögen denken, das sei eine Show für die Öffentlichkeit, aber er ist einfach so“.

Immer wenn er gefragt wird, ob Federer tatsächlich derart nett sei, antwortet er: „Nein, er ist noch netter.“ Und Butorac weiß seit seinem speziellen Erlebnis von Basel, woher Federer seine Gutmütigkeit hat: von seinen Eltern.

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