Nach Kritik an Scharapowa: Wildcard-Vergabe wird geprüft

Wildcards: „Fall Sharapova“ könnte zu Regeländerung führen

Nach der wachsenden Kritik an den Wildcards für Dopingsünderin Maria Sharapova (29) steht offenbar eine Änderung der Vergabe-Richtlinien im Raum. „Jede Regel wird überprüft, und ich bin sicher, auch diese. Wenn die Spielerinnen das wollen, werden wir es auch tun. Das ist die Art und Weise, wie unser System funktioniert“, sagte WTA-Präsident Steve Simon der BBC.



Zuletzt hatte es vonseiten der Profis Kritik daran gegeben, dass Sharapova nach dem Ablauf ihrer Dopingsperre wegen Meldonium-Missbrauchs im April Wildcards für die Turniere in Stuttgart, Madrid und Rom erhalten hatte. Die Dänin Caroline Wozniacki nannte die Vorgehensweise im Fall Scharapowa „respektlos“ gegenüber den anderen Spielerinnen. Auch Angelique Kerber hatte leise Kritik an der Stuttgart-Wildcard für die Russin geübt. Die Situation sei „ein wenig seltsam“, meinte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin.

„Es wäre unfair, eine Karriere auszulöschen“

Ohne die „Freifahrtscheine“ müsste Sharapova kleinere Turniere spielen und stünde nicht direkt im Hauptfeld der großen Events. Nach ihrer 15-monatigen Sperre besitzt die ehemalige Nummer eins keine Weltranglistenplatzierung mehr.

Simon machte allerdings keinen Hehl daraus, dass er die Vergabe der Wildcards an Sharapova nicht prinzipiell für falsch hält. „Es wäre unfair, die Arbeit einer ganzen Karriere auszulöschen“, sagte der 61-jährige US-Amerikaner. Der Boss der Spielerinnen-Vereinigung WTA betonte: „Maria hat ihre Sperre abgesessen und alle Weltranglistenpunkte verloren. Und sie hatte kein Einkommen in dieser Zeit. Sie hat für ihren Fehler bezahlt.“

Besonders pikant ist allerdings die Tatsache, dass Sharapovas Sperre erst abläuft (25. April), wenn das Stuttgarter Turnier schon längst begonnen hat. Ihr Erstrundenmatch bestreitet sie dann am 26. April (Mittwoch), nachdem sie in den Tagen zuvor die Anlage wegen ihrer noch laufenden Dopingsperre gar nicht betreten darf.

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  1. Stefan Höfel

    Bei Turnieren, die 32 oder weniger Teilnehmer haben, ist es nicht ungewöhnlich, dass es Spieler gibt, die ihr erstes Match am Mittwoch bestreiten. Da Sharapowa aufgrund ihrer „Weltranglistenposition“ nicht gesetzt ist, kann sie schon in ihrem ersten Match auf eine gesetzte Spielerin treffen. Das kann für Sharapowa zum Ausscheiden führen, aber auch zum Aus der gesetzten Spielerin. Vielleicht fürchten auch deshalb einige Spielerinnen den Start der ungesetzten Russin.

  2. Gerd Bruder

    Es gibt sicherlich Leute, die würden Scharapova sogar noch über eine Wildcard hinaus am liebsten auf der Weltrangliste dort wiedereinsetzen, wo sie zum Zeitpunkt des Beginns ihrer Sperre stand. Ich bin unschlüssig, wie eine gerechte Lösung aussehen müsste.

    Einerseits widerstrebt es meinem Gerechtigkeitsgefühl, sie mit Wildcards zu privilegieren quasi als wäre nichts passiert und dadurch womöglich eine andere Spielerin zu benachteiligen. Andererseits gebietet es der Gleichheitsgrundsatz, dass sie für das gleiche Vergehen nicht härter bestraft werden darf als jemand, die in der Rangliste weiter hinten steht und deshalb weniger Punkte und weniger Preisgeld zu verlieren hätte als sie, es sei denn man betrachtet diese mittelbaren nachteiligen Folgen formaljuristisch nicht als Teil der eigentlichen Strafe, sondern lediglich als eine Art hinzunehmenden „Kollateralschaden“.

  3. Stefan Höfel

    Während es bei Monica Seles damals absolut richtig war sie als Co-Nr.1 zu berücksichtigen, würde ich es bei Sharapova als genau so falsch beurteilen, wenn sie mir ihrer damaligen Weltranglistenposition jetzt Berücksichtigung finden würde. Aber die WildCard zu vergeben, ist Turnierveranstalter-Verantwortung. Und wie schon einmal hier geschrieben, Boris Becker verzichtete 1998 auf seine WildCard in Wien und gab sie an Sampras weiter, der dort ebenfalls kein Einheimischer war. Es ist interessant, wie die Spielerinnen, die das Fehlen von Sharapowa für eigene Bestleistungen nutzten (wie Kerber mit Wimbledon-Finale, Olympia-Silber, US-Open-Sieg, Nr.1, WM-Finale) oder eben nicht (wie Wozniacki, die immer noch ohne Grand-Slam-Titel ist), jetzt abschneiden.


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