The Championships – Wimbledon 2008 Day Thirteen

Wimbledon-Blog: Eigentlich müsste man nun schweigen

Eigentlich müsste man nun schweigen. Die Bilder noch mal vor dem geistigen Auge vorbeiziehen lassen. Wie Rafael Nadal sich auf den Rücken wirft, ans Netz läuft und Federer umarmt. Wie er dann in die Box zu seinem Anhang klettert. Die Menschen herzt, die ihm nahe stehen. Wie ihm irgendjemand eine spanische Fahne in die Hand drückt. Wie er über die Dächer der Kommentatorenkabine balanciert, über die Anzeigetafel, bis zur Royal Box, wo er die Glückwünsche des spanischen Prinzenpaars entgegennimmt. Um dann wieder unten auf dem Rasen zu erscheinen, wo sie den Teppich ausgelegt haben und Nadal im tosenden Applaus und im Blitzlichtgewitter die Trophäe überreichen.



Beim Matchball kam die Dunkelheit

6:4, 6:4, 6:7, 6:7, 9:7 lauten die finalen Zahlen von Wimbledon. Ortszeit: 21:15 Uhr. Spielzeit: 4 Stunden, 47 Minuten. Kein PR-Künstler hätte ein faszinierenderes Ende dieses Turniers inszenieren können. Kein Regisseur hätte ein besseres Drehbuch schreiben können. Inklusive zweier Regenpausen zog sich das Drama über sieben Stunden hin. Fast gleichzeitig mit dem Matchball brach die Dunkelheit über den All England Club hinein. Bei meinem letzten Aufschlagspiel habe ich nichts mehr gesehen, sagte Nadal. Er hat sich seinen Traum erfüllt und Roger Federer, den fünfmaligen Champ, entthront, genau wie John McEnroe 27 Jahre zuvor Björn Borg entthronte. Die Geschichte hat sich wiederholt, auch wenn Federer, anders als Borg, nach dem Match sagte: Ich komme nächstes Jahr wieder.

Kaum jemand hätte nach den ersten zwei Sätzen auf den Schweizer gewettet, doch er kam zurück, wehrte im Tiebreak des vierten Satzes zwei Matchbälle ab. Im fünften Satz hatte er beim Stand von 4:4 die Möglichkeit, Nadal zu breaken. Aber er vergab sie, verlor selbst seinen Aufschlag zum 7:8 und wenig später das Match. Es sei die härteste Niederlage seines Lebens gewesen, sagte er später. Es wird eine Weile dauern, bis er sie verkraftet hat. Für Nadal war es der Sprung in eine neue Dimension. Und für mich das beste Match, das ich je gesehen habe.

Blog-Archiv:
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