Zauberschlag von Nishioka: „Behind the Back-Volley-Winner“

Challenger-Turniere, die Sprungbretter zum richtig großen Profitennis, stehen höchstens bei Hardcore-Fans im Fokus. In die Schlagzeilen geraten sie kaum. Ausnahme aus deutscher Sicht: Tommy Haas taucht plötzlich in einem Challanger-Draw auf und verliert (wie vergangene Woche in Aptos, Kalifornien). Oder Hoffnungsträger Alexander „Sascha“ Zverev gewinnt so ein Turnier: 2014 in Braunschweig (völlig überraschend) oder 2015 in Heilbronn (weniger überraschend). Ausnahme aus internationaler Sicht: Wenn der Kanadier Felix Auger Aliassime im heimischen Granby Historisches leistet, indem er als erster 14-Jähriger überhaupt auf diesem Level ein Match im Hauptfeld gewinnt.

Zauberschlag von Nishioka

FEINES HÄNDCHEN: Japans Yoshihito Nishioka, 19 Jahre alt.

Das schon erwähnte Challenger-Event in Aptos rückte letzte Woche aber wegen eines Video-Mittschnitts in den Blickpunkt der Tennisfans weltweit. Zu sehen ist ein Ballwechsel der Nachwuchskräfte Jared Donaldson (USA, 18 Jahre) und Yoshihito Nishioka (Japan, 19 Jahre) aus ihrer Begegnung in der zweiten Runde. Donaldson, der von Ex-Profi Taylor Dent trainiert wird, attackiert, kommt nach vorne ans Netz und wird von Nishioka schließlich mit einem hinter dem Rücken gespielten Flugball passiert – ein Zauberschlag von Nishioka! Man muss sich diesen „Behind the Back-Volley-Winner“ erstmal in der Wiederholung in Zeitlupe anschauen, um zu verstehen, was der Japaner da überhaupt gemacht hat. Von seinem Wunderschlag war der 1,70 Meter große Japaner wohl selbst überrascht. Ungläubig schmeißt er seinen Schläger weg und lässt von den wenigen Zuschauern feiern.

„Federer hätte es nicht besser gekonnt“

Das Video zum Ballwechsel machte schnell die Runde in den sozialen Netzwerken und wurde schließlich von Nachrichtenportalen in aller Welt online gestellt. Das einzige, was diesem Zauberschlag von Nishioka ein wenig virale Dynamik nahm, war die alles übertreffende und leicht aufgebauschte Debatte um Nick Kyrgios und dessen unrühmliche Äußerung zum Privatleben von Gegner Stan Wawrinka. Hätte es seinen Ausraster nicht gegeben, wäre der Schlag von Nishioka mit noch größerer Reichweite durchs Netz geschossen. So sieht es zumindest ein Großteil der Twittergemeinde:

Aber auch so reichte es, dass ein kleines Challenger-Turnier plötzlich die globale Aufmerksamkeit der Tennisszene erhielt – was selten genug geschieht. „Federer hätte es nicht besser gekonnt„, urteilte etwa der Gratiszeitung 20 Minuten aus der Schweiz. Die Zeitung Blick, ebenfalls aus der Schweiz, schreibt von einem „irren Punkt„. Für andere Portale steht bereits fest, dass der junge Japaner aussichtsreichster Kandidat für den „shot of the year“ ist. Für uns übrigens auch: Nishioka gelang der Schlag des Jahres – zumindest bis jetzt!

Der Japaner gewann das Match gegen Donaldson am Ende mit 4:6, 6:3, 6:3, scheiterte danach aber im Viertelfinale. Dennoch nimmt er aktuell mit Platz 127 im Ranking seine höchste Weltranglistenposition ein. Mit seinem feinen Händchen wird er sicherlich noch häufiger für Schlagzeilen sorgen – und zwar nicht nur auf Challenger-Ebene.

Andere Zauberschläge:
Tweener-Lob von Nishikori
Monfils mit Tweener-Spektaktel
Juan Monaco mit Gewinnschlag durch die Beine

 

 

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