ATP Masters Series

David Ferrer – im Schatten von Nadal

So ein Pech für David Ferrer, Spanier zu sein! Denn Spanier sind Erfolge gewohnt und können die großen Leistungen des nur 1,75 Meter kleinen Landsmanns nicht so recht würdigen. 14 Tennisprofis tummeln sich aktuell unter den Top 100 der Welt. Carlos Moya, Tommy Robredo, Juan Carlos Ferrero heißen die bekannten Helden, und über allen thront Sandplatzkönig Rafael Nadal. Da fällt es kaum auf, die Nummer fünf der Welt zu sein. Mit dieser Ranglistenposition würde David Ferrer in Deutschland als Superstar gefeiert werden, in seiner Heimat dagegen ist er nur einer von vielen. Dabei hätte Ferrer eigentlich mehr Beachtung verdient. Denn hinter einer unscheinbaren Fassade versteckt sich eine interessante Persönlichkeit.



Highlight Masters Cup
Ende des letzten Jahres richteten  sich erstmals die Scheinwerfer auf Ferrer. Bei den US Open hatte er sich bereits ins Halbfinale gespielt, beim Masters Cup in Shanghai erreichte er nun überraschend das Endspiel. Auf einmal stand die spanische Nummer zwei im Mittelpunkt, musste bei Interviews und Pressekonferenzen Rede und Antwort stehen. Für Ferrer eine ungewohnte Rolle. Ein Unbehagen war ihm deutlich anzumerken. Verlegen saß er vor den Journalisten und beantwortete eine Frage nach der anderen. Ein Grund für seine Schüchternheit sind seine spärlichen Sprachkenntnisse. Der 26-Jährige spricht zwar Englisch, aber möglichst nur in halben Sätzen. Gesprächiger wird er erst im Einzelgespräch, wenn ihm eine Dolmetscherin zur Seite steht. Und so richtig in Fahrt kommt er, wenn er direkt auf Spanisch angesprochen wird. Dann gerät Ferrer sogar ins Schwärmen und in lockerem Ton erzählt er, wie er mit acht Jahren erstmals von seinem Vater Jaime einen Schläger in die Hand gedrückt bekam. Dieser war selbst aktiver Tennisspieler und auf nationaler Ebene erfolgreich. Sein älterer Bruder Javier spielte ebenfalls, war sogar spanischer Juniorenmeister (U13). Beide Brüder wollten Profis werden. Doch im Gegensatz zu David bewies Javier nicht diese Ausdauer und beendete seine Karriere frühzeitig. Er ist inzwischen Tennistrainer im Heimatort der Familie Ferrer:Javea, einem 15000-Einwohner-Ort an der Ostküste Spaniens. Dort ist David Ferrer geboren und aufgewachsen ohne großen Luxus, aber mit viel familiärer Herzlichkeit. Sein Vater arbeitet heute als Buchhalter, seine Mutter ist Grundschullehrerin. Ich möchte niemals woanders leben, beteuert Ferrer und erzählt mit leuchtenden Augen von den Bergen und der Küste, und davon, wie
idyllisch es in seiner Heimat sei.

Ferru und Ferrero
Für seine Karriere hat Ferrer sein Zuhause verlassen. Als Jugendlicher wohnte er zwei Jahre in Barcelona, wurde dort vom katalanischen Tennisverband gefördert. Neun Monate besuchte er anschließend die Tennisakademie von Juan Carlos Ferrero in Alicante. Der zwei Jahre ältere Landsmann ist noch heute einer seiner engsten Freunde auf der Tour. Als er 17, war traf Ferru, wie Ferrer von seinen Freunden genannt wird, seinen heutigen Coach Javier Piles. Ein Jahr später wurde er Profi. Inzwischen hat der laufstarke Spanier sechs Titel gewonnen. Sein Trainingsstützpunkt liegt nur 100 Kilometer von der Heimat entfernt in Valencia. So oft er kann, besucht er seine Lieben zu Hause. In einem Internetblog hält er zudem Fans und Freunde auf dem Laufenden, wo er gerade ist und was er unternimmt. Bei solcher Heimatverbundenheit verwundert es, dass er angibt, an seinem Leben als Profi vor allem das viele Reisen zu genießen. Besonders New York habe es ihm angetan. Ich war überrascht, dass es wirklich so ist wie im Fernsehen, schwärmt er und wirkt wie ein kleiner Junge, der die Welt entdeckt.
Ganz anders präsentiert sich Ferrer auf dem Platz. Dort ähnelt der kompakte Spanier mit den leicht hängenden Schultern und der verbissenen Art zu kämpfen eher einem zähen Kampfhund. Die schnellen Beine sind seine Stärke nicht nur auf Sand, auch auf Hartplatz ist er damit erfolgreich. Sein Vorbild sei Marcelo Rios, erzählt er und fügt mit einem Lächeln schnell hinzu: Aber nur in Bezug auf sein Spiel, nicht wegen seiner Persönlichkeit. Roger Federer bezeichnete Ferrer einmal als besten Returnspieler. Bei solchen Komplimenten wiegelt dieser ab und verweist bescheiden auf andere starke Returnspieler. Mit seiner zurückhaltenden Art kommt Ferrer bei den Kollegen gut an. Er gilt als einer der beliebtesten Spieler auf der Tour. Star-Allüren sind ihm fremd. Für ihn ist Tennisprofi ein ganz normaler Beruf und nichts, worauf man sich etwas einbilden könnte. Auf die Frage, welchen Job er sich noch vorstellen könnte, reagiert er so überrascht, als würde er das erste Mal erfahren, dass es mehr gibt als Tennis. Darüber denke ich im Moment nicht nach, sagt er. Jetzt sind erst einmal andere Dinge wichtig. Zum Beispiel weiter an seinem großen Traum zu arbeiten: einem Sieg bei den French Open in Paris.    Nina Hoffmann
Geburtstag:   2. April 1982
Geburtsort:   Javea, Spanien
Wohnort:      Valencia, Spanien
Größe:          1,75 Meter
Gewicht:       72 Kilogramm
Schlagarm:    Rechts
Profi seit:      2000
Preisgeld:      5347124 Dollar
Trainer:         Javier Piles
Bekleidung:   Lotto
Schläger:      Prince
Weltrangliste:5
Größte Erfolge:Sechs Titel (Valencia 2008, Tokio, Bastad, Auckland 2007, Stuttgart 2006, Bukarest 2002); Finalist beim Tennis Masters Cup in Shanghai 2007, Halbfinalist bei den USOpen 2007.

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