US OPEN FEATURE, TATJANA MARIA (GER)Tennis – US Open 2017 – New York – Grand Slam ITF / ATP / WTA –  Billie Jean King Tennis Center  – USA – 2017

Tatjana Maria: Mit Kind und Kegel

Tatjana Maria erlebt als Mama die beste Phase ihrer Karriere. Die stand 2008 auf dem Spiel – genau wie ihr Leben! Dann lernte sie ihren Ehemann kennen. Er wurde auch ihr Trainer, stellte Marias Rückhand um und das „Familienunternehmen“ nahm Fahrt auf.



Die Terrasse des Medien-Restaurants ist hoffnungslos überfüllt. Kein Tisch und kein Stuhl ist mehr frei. Eigentlich sind wir zum Gespräch mit Tatjana Maria verabredet. Sie hat gerade ihr Erstrundenmatch bei den US Open gewonnen. So leicht wie ihr das 6:1, 6:1 gegen die amerikanische Wildcard-Starterin Ashley Kratzer von der Hand ging, so schwer ist die Suche nach einem ruhigeren Platz auf dieser hektischen Anlage. Nächster Versuch im „Players Garden“. Aber auch dort das gleiche Bild – alle Gartenstühle und Loungesofas besetzt. „Von mir aus setzen wir uns auch auf den Boden“, sagt Maria. Gesagt, getan. Es folgt eine halbe Stunde Unterhaltung in „Picknick im Park“-Atmosphäre auf kratzigem Kunstrasen-Grün.

Das Wetter an diesem Septembertag ist herrlich, die Sonne scheint. Das passt hervorragend zum Gemütszustand der vor kurzem 30 Jahre alt gewordenen Maria. Mit diesem Alter zählt man heutzutage längst nicht mehr zu den „Omas“ auf der Tour. Maria zählt aber zu den Mamas. Seit sie nach der Geburt ihrer Tochter Charlotte im Dezember 2013 zurück ist im Circuit, reist die Mutter nicht mehr ohne die Tochter. Und auch nicht ohne Ehemann. Denn der ist passenderweise auch ihr Trainer.

Tatjana Maria mit ihrem Ehemann nach dem Erfolg beim ITF-Turnier im britischen Southsea Anfang Juli 2017

Siegerselfie: Ehepaar Maria nach dem Erfolg beim ITF-Turnier im britischen Southsea Anfang Juli 2017

Charles Edouard Maria, ein Franzose und früherer Profi „irgendwo zwischen Platz 300 und 400“ (Maria) heiratete Tatjana Malek im Frühling 2013. Tatjana lernte den heute 43-jährigen Charles 2012 über ihren damaligen Coach kennen. Charles sollte sie auf die US Open vorbereiten. Dabei blieb es nicht. Sie wurden sportlich und privat ein Paar. Seitdem hat sich viel mehr als nur der Nachname der gebürtigen Schwäbin geändert.

Änderung der Rückhand

In der Vorbereitung auf ihr Comeback nach der Geburt Anfang 2014 wagten sie eine der wohl technisch schwierigsten Änderungen, die man sich im Tennis vorstellen kann. Maria, damals 26, spielte die Rückhand fortan nur noch einhändig. Sie gingen den gleichen Weg, den Günter Bresnik mit Dominic Thiem beschritt, nur zu einem viel späteren Zeitpunkt der Karriere. „Anfangs hatte ich schon Angst davor, aber Charles war absolut überzeugt und ich habe gesagt: ‚Okay, wir versuchen es! Wenn es schief geht, habe ich immer noch meinen Slice“‘, erzählt Maria und kann dabei lachen. Es ging alles andere als schief. „Im Nachhinein war es das Beste, was wir machen konnten“, resümiert sie.

Die Veränderung der Rückhand von Tatjana Maria

Vorher-Nacher: Bis 2013 spielte Marie die Rückhand beihändig. Mit der einhändigen Rückhand schaffte sie es erstmals in die Top 50

Mitte Oktober 2017 erreichte sie zum ersten Mal in ihrer Karriere die Top 50 und stieg nebenbei zur deutschen Nummer drei im Ranking auf – hinter Angelique Kerber und Julia Görges. Der Fed Cup, für den sie zwischen 2006 und 2011 neunmal nominiert wurde, scheint plötzlich wieder in Reichweite. Bereits im Mai 2015 sagte Maria in einem Interview mit tennisMAGAZIN: „Ich wäre stolz, noch einmal für Deutschland auflaufen zu dürfen.“ Und der Traum wird wahr: Für die erste Runde des Fed Cup 2018 wird Maria nominiert und gewinnt ein Einzel und das Doppel. Im Halbfinale ist die nächste Nominierung möglich. Die Rückkehr mit neuer Rückhand – sie hätte nicht besser laufen können.

Man merkt Maria an, dass sie den sportlichen Erfolg und das Zusammensein mit ihrer Familie vollends genießt. Alles kann, nichts muss. „Für mich ist die Familie das Wichtigste und dass wir zusammen Zeit verbringen. Wenn das nicht möglich wäre, wäre ich jetzt nicht mehr hier.“ Maria weiß ihr Glück zu schätzen, weil sie bereits einen anderen Einschitt in ihrem Leben hinter sich hat. Der hatte mit Genuss nichts zu tun. Es ging nur um das Verkraften. Das Jahr 2008 nahm ihr ihren Vater, der sie zu fast allen Turnieren begleitete. Und es hätte beinahe auch Marias eigenes Leben beendet.

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