Maria Sharapova Plays For Russia In Federation Cup

Das große Schreien: Stöhnen auf dem Court

Es ist laut geworden auf den Courts. Wer heutzutage zu einem Tennismatch fährt, hört die Akteure meist, bevor er sie sieht. Immer mehr Spieler begleiten ihre Schläge mit einem kräftigen Uhh oder Ahh. Bestes Beispiel: Rafael Nadal. Der Spanier stöhnt  mit solcher Inbrunst, dass man denken könnte, er kämpfe um sein Leben. Bei den Damen ist Maria Sharapova die ungekrönte Queen of Scream. Die Russin macht mit ihrem Geschrei sogar Presslufthammern und Propellerflugzeugen Konkurrenz. Über 100 Dezibel wurden bei ihr gemessen ein Wert, der auf Dauer Hörschäden verursachen kann.



Vorreiterin Monica Seles

Wie kommt es zu dem großen Geschrei auf den Plätzen? Und was bringt Stöhnen im Tennis wirklich? Als Vorreiterin des unüberhörbaren Trends gilt Monica Seles. Die Amerikanerin war eine der ersten, die ihr Spiel geräuschvoll untermalte. Den Anstoß dazu gab ihr der Sportpsychologe Jim Loehr. Dieser ermutigte sie, bei jedem Schlag kraftvoll auszuatmen, was mit der Zeit zu einem lautstarken Stöhnen ausartete. Sie fühlte sich so gut damit, dass es immer geräuschvoller wurde, sagt Loehr. Seles nutzte das Stöhnen bewusst als Wettkampstrategie und wurde prompt die Nummer 1 der Welt.

Stöhnen

Monica Seles nutzte das Stöhnen bewusst, um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Richtiges Atmen

Einen Schrei während eines Schlages auszustoßen, kann unterschiedliche Funktionen haben. Aus psychologischer Sicht ist es ein Mittel, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken, sich Mut zu machen und den Gegner einzuschüchtern ähnlich wie bei einem Kampfschrei. Nicht umsonst sind früher die Indianer mit lautem Gebrüll in den Krieg gezogen. Innerhalb der Kampfsportarten erfüllt der Schrei einen weiteren wichtigen Zweck: Er soll die Kraft und die Konzentration bündeln, so dass der Schlag härter und präziser ausfällt, erklärt Sportwissenschaftler und Karatelehrer Andreas Brannasch aus Hamburg. Dabei kommt es vor allem auf die Atemtechnik an. Sie muss aus dem Bauch kommen. Das Schreien hilft dabei, über das Zwerchfell zu atmen. Werden nur die Stimmbänder belastet, ist es allerdings eher schädlich.

Show oder Gewohnheit?

Macht man es richtig, kann Stöhnen also tatsächlich zusätzliche Energie freisetzen. Ist es aber notwendig, bei jedem Schlag exzessiv zu kreischen, wie es Maria Sharapova praktiziert? Kraftvolles Ausatmen ist im Tennis durchaus sinnvoll, erklärt Brannasch. Das geht aber auch leise. Bei jedem Schlag lauthals zu schreien, halte ich für unnötig. Es bleibt demnach unklar, ob das schrille Gekreische von Sharapova eher Gewohnheit oder auch ein wenig Show ist.

Hin und wieder entweicht allerdings auch Nicht-Stöhnern ein spontaner Laut: bei finalen Gewinnschlägen nach einer intensiven Rallye oder wenn ein Ball gerade noch erreicht und übers Netz geächzt wird. Hier unterstreicht das Stöhnen die Mobilisierung letzter Kräfte und ist durchaus üblich. Auch Tennisanfängern können verbale Hilfen wie Rufen, Stöhnen oder Zählen während des Schlagens nützen. Damit wird der Rhythmus geschult, erklärt tennis MAGAZIN-Experte Alexander Schepp.

Nur Show? Maria Sharapova steht sinnbildlich für die stöhnende Tennisspielerin.

Nur Show? Maria Sharapova steht sinnbildlich für die stöhnende Tennisspielerin.

Stöhn-Verbot als Lösung

Ob Gewohnheit, Show oder Wettkampftaktik Stöhnen auf dem Platz wird nicht gerne gehört. Kritik kommt von allen Seiten. Der ehemalige Turnierchef von Wimbledon, Alan Mills, forderte sogar ein Stöhn-Verbot. Boris Becker sieht das Problem vor allem im Damentennis. Er meint, dass die spitzen Schreie als etwas Sexuelles gesehen werden könnten und plädiert für eine Reduzierung des Stöhnens. Mittlerweile hat das Thema auch die Clubs erreicht. In Australien wurde eine Neunjährige vom Training ausgeschlossen, weil ihr Stöhnen angeblich die anderen Kinder störte. Was sollen wir machen, ihr ein Pflaster über den Mund kleben?, empörte sich die Mutter. Diese Lösung wird sich bei den Stöhn-Profis auf der Tour wohl nicht umsetzen lassen.

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