Gant schön abgehoben

Die einhändige Rückhand erfährt im modernen Tennis eine Renaissance. Es freut mich, bei Turnieren sowohl bei den Profis als auch bei jugendlichen Club- und Medenspielern wieder Spieler zu sehen, die ihre Rückhand mit einer Hand spielen. Die Vorzüge gegenüber der beidhändigen Rückhand sind: Der Spieler hat mehr Reichweite und ist variabler in seinem Spiel, denn der Wechsel zwischen Topspin- und Slicegriff ist für einen Einhänder ein Kinderspiel.
Wir haben diesmal ein ungewöhnliches Beispiel einer einhändigen Topspin-Rückhand herausgesucht, das ich Ihnen zeigen und erklären möchte. Das Besondere daran ist, dass der Spieler, Richard Gasquet, vom Boden abhebt, bevor er den Ball trifft. Das ist normalerweise eher bei Beidhändern üblich. Sie benutzen ihre linke Hand wie eine Vorhand und bei der Vorhand springen viele Spieler vom Boden ab.
Der junge Franzose bereitet sich vorbildlich auf den Schlag vor (Bild 1). Er hat den Ball fest im Blick. Er erwartet den Ball seitlich stehend, der Oberkörper ist soweit nach hinten gedreht, dass der Rücken fast schon in Richtung des Netzes gerichtet ist. Das Gewicht liegt auf dem hinteren linken Bein. In diesem Moment hat es den Anschein, als wenn Gasquet genügend Zeit für seinen Schlag hat.



Der Ball greift ihn an
Doch schon einen kurzen Moment später ist die Ruhe vor dem Schlag vorbei. Anstatt mit dem rechten Bein nach vorn zu gehen und das Körpergewicht darauf zu verlagern, beginnt Gasquet, vor dem Treffen des Balles vom Boden abzuspringen (Bild 3). Das könnte zwei Gründe haben. Entweder er hat sich in der Einschätzung des Ballfluges geirrt, oder der Ball ist so vom Rasen abgesprungen, dass er sich nicht rechtzeitig auf die veränderte Flugbahn einstellen konnte. Ich würde sagen: Der Ball greift jetzt ihn an. Deshalb muss der 22-Jährige ein wenig improvisieren, um den Ball noch frühzeitig und vor allem sauber zu treffen. Die Bedingungen dafür hat er geschaffen. Der Schlägerkopf ist vor dem Körper, der Schlagarm ist gestreckt und die Schlägerfläche zeigt in Richtung des Netzes (Bild 3).
In der Schlagbewegung explodiert Richard Gasquet förmlich. Schauen Sie sich bitte den entscheidenden Moment dieser einhändigen Rückhand genau an (Bild 4). Das Bild zeigt Dynamik pur! Normalerweise sorgt beim In-den-Ball-Gehen die Gewichtsverlagerung aufs vordere Bein für die Stabilität des Körpers. Deshalb könnte man denken, dass der Franzose, der im Treffmoment in der Luft schwebt, seinen Körper gar nicht unter Kontrolle halten kann.
Doch er schafft es, seinen Oberkörper beim Ausdrehen nach vorn zu bewegen und somit in den Schlag zu gehen. Er hat keine Rücklage, der rechte Fuß bewegt sich zum Ball und landet auch als erstes wieder auf dem Boden. Um den fliegenden Körper bei der Schlagaktion in Balance zu halten, benutzt er den linken Arm als ausgleichenden Flügel. Dass dies gut funktioniert, beweist der aufrechte Körper, der stabil wie ein Betonpfeiler wirkt. Beim Ausschwung ist außerdem deutlich zu beobachten, wie extrem der Schlägerkopf durch die Rotationsbewegung des Unterarms gedreht wurde. Diese Drehung sorgt für den starken Drall des Balles.

Stabil wie Beton
Drei Faktoren machen diese eingesprungene einhändige Rückhand erfolgreich:

sehr gute Kontrolle
extremer Spin
viel Power

In der Regel schaffen es nur Tennisspieler, die auf einem sehr hohen technischen Niveau spielen, solch einen grandiosen Schlag erfolgreich zu spielen. Dieses Hineinspringen bringt allerdings nur etwas, wenn der Ball hoch abspringt. Das geschieht natürlich eher auf Sand oder auf Hardcourts. Auf richtig schnellen Böden wie auf Rasen oder Teppich in der Halle bringt es nichts. Insofern ist die Aktion von Richard Gasquet auf Gras schon etwas außergewöhnlich, weil die Bälle auf diesem Boden eher flach abspringen. Aber ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.
Den Hobbyspielern möchte ich folgenden Tipp geben: Heben Sie bei der einhändigen Topspin-Rückhand nicht vom Boden ab. Bewahren Sie Ruhe, wenn der Gegner Sie hoch auf der Rückhandseite anspielt. Versuchen Sie nicht, mit einer waghalsigen Aktion den Ball zurückzuspielen. Bewegen Sie sich in Richtung des Balles, nehmen Sie eine seitliche Stellung ein und spielen Sie eine normale Rückhand, bei der Sie fest auf dem Boden stehen. Sie müssen den Ball gar nicht offensiv zurückspielen. Vermeiden Sie jegliches Risiko, sonst schenken Sie dem Gegner zu viele einfache Punkte. Wenn Sie merken, dass Sie einen Topspin nicht hinbekommen, spielen Sie ruhig einen sicheren Slice.

Tipps fürs Training

Technisch versierte Spieler sollten im Training üben, den Ball bei der Topspin-Rückhand sehr früh zu nehmen. Stellen Sie sich an der Grundlinie in die Mitte und lassen Sie sich vom Partner hohe Bälle auf die Rückhand spielen. Laufen Sie so, dass Sie seitlich zum Ball stehen. Achten Sie vor allem darauf, dass Sie nicht nach hinten zurückweichen.
Hier kommt eine Steigerung der Übung: Sie spielen keine Vorhand, sondern müssen jeden Ball des Trainingspartners mit der Rückhand zurückspielen. Egal, wie der Ball kommt. So ergeben sich automatisch immer wieder schwierige Situationen, wie sie auch im Match häufig vorkommen.
Spieler, die die einhändige Topspin-Rückhand nicht sicher beherrschen, können die Übungen trotzdem durchführen. Allerdings sollten sie früh ausholen und sich etwas schräg nach hinten bewegen. So können sie den Ball später treffen und ihn in Ruhe hoch und weit auf die Rückhandseite des Partners spielen.

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