Starke Schwachstelle: Das Handgelenk

Schwachstelle Handgelenk

Entzündungen, Einrisse, Überlastungen:  Immer mehr Profis klagen über Schmerzen im ­Handgelenk. Das Erstaunliche: Die Probleme treten selten an der Schlaghand auf. Oft ist die nicht-dominante Hand betroffen – eine Folge der populären beidhändigen Rückhandtechnik.



Professor Hermann Krimmer klingt wie ein Erfinder, der über sein neuestes Wunderwerk berichtet. Dabei spricht Krimmer „nur“ über das Handgelenk. Der Leiter des Zentrums für Hand- und Fußchirugie in Ravensburg, selbst ­begeisterter Hobby-Tennisspieler, sagt: „Kein anderes Gelenk des menschlichen Körpers ist so mobil und so flexibel wie das Handgelenk, es kann so unglaublich viel.“ Und genau das, diese fast unbegrenzte Beweglichkeit, macht es so extrem verletzungsanfällig – gerade bei Tennisspielern.

2014 waren von Handgelenksverletzungen so viele Profis betroffen wie noch nie. Nadal, Djokovic, Del Potro, Wozniacki, Robson, Kirilenko, Stephens – die Liste ist lang. Die New York Times schrieb, dass diese Verletzungsart „zunehmend heimisch“ wird auf der Tour, das Magazin Der Spiegel konstatierte, dass sich immer mehr Spieler die „Handgelenke ruinieren.“ Eine wissenschaftliche Studie aus den USA, veröffentlicht im British Journal of Sports Medicine, sammelte von 1994 bis 2009 Daten zu den Verletzungen bei den US Open. Resultat: Nach Blessuren am Fußknöchel liegen Beschwerden an den Handgelenken mittlerweile auf Platz zwei in der Rangliste der häufigsten Verletzungsarten bei Tennisprofis. In den 80er und 90er Jahren klagten die Akteure wesentlich seltener über Handgelenksschmerzen. Was sind die Gründe für diesen besorgniserregenden Trend?

JUAN MARTIN DEL POTRO: Schlaghand: Rechts Technik: Beidhändig Betroffenes Handgelenk: Links Verlauf: Seit Februar 2014 verletzt, OP im März, will jetzt auf die Tour zurück.

JUAN MARTIN DEL POTRO
Schlaghand: Rechts
Rückhandtechnik: Beidhändig
Betroffenes Handgelenk: Links
Verlauf: Seit Februar 2014 verletzt, OP im März, will jetzt auf die Tour zurück.

Belastungen in neuen Dimensionen

„Die Belastungen im Profitennis sind in neue Dimension vorgestoßen, die für das Handgelenk unter Umständen zu hoch sind“, sagt Professor Krimmer. Das Problem: Weil es so beweglich ist, hat das Handgelenk nicht die Stabilität eines Knies oder eines Ellbogen­gelenks, die der größeren Athletik der Profis besser Stand halten können.

Jürgen Dess, der zehn Jahre als Physio­therapeut die Spieler auf der ATP-Tour betreute, spricht von einer „Sollbruchstelle“ im Athletenkörper: „Das Handgelenk ist der höchsten Maximalbelastung in der Zuschlagbewegung  ausgesetzt. Es fängt als erstes Gelenk den Aufprallschock des Balles im Treffpunkt auf. Bei immer schnelleren Schlaggeschwindigkeiten wird das Handgelenk also immer stärker beansprucht – und zwar mehr als andere Gelenke.“ Das Handgelenk stellt sich an vorderster Front den Geschossen des Gegners, wofür es mit acht Knochen und zwei Band­systemen zu schwach ausgestattet ist. Allerdings: „Mit der Zeit passen sich die Strukturen der dominanten Hand besser an die Belastung an“, betont Dess.  

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