Springen verboten

Rutschen bis in die hinterste Ecke des Courts, kurze Sprints, plötzliches Abstoppen und schnelle Richtungswechsel Tennis ist eine Höchstbelastung für die Gelenke. Verletzungen bleiben da nicht aus. Ob bei den Vereinsmeisterschaften im eigenen Club oder auf der Profitour: Für viele Spieler gehören Bandagen zu jedem Match, Gymnastik und physiotherapeutische Behandlungen zum Trainingsalltag. Besonders Knieverletzungen sind typisch für Tennisspieler. Wenn es unterhalb der Kniescheibe zwickt und schmerzt (siehe Abbildung Seite 61), kann eine Überlastung der Patellasehne (Kniescheibensehne) die Ursache sein. Sprungbewegungen und abrupte Richtungswechsel sind die Hauptursachen für das so genannte Jumpers Knee (Springerknie).
Die Schmerzen entstehen vor allem beim Strecken des Beins. Bei der Streckung sind neben dem Kniegelenk auch Unter- und Oberschenkel beteiligt. Die Kniescheibe (Patella) liegt als Teil des Gelenks auf der Vorderseite des Kniegelenks. Die Oberschenkelmuskulatur, die für die Streckung des Beins zuständig ist, endet als Sehne an der Basis der Kniescheibe. Von dort verläuft die Sehne bis zur Unterschenkelvorderseite und überträgt die Kraft vom Ober- auf den Unterschenkel. Bei Sprungbewegungen und schnellen Sprints ist die Belastung besonders hoch. Neben Tennisspielern sind Hoch- und Weitspringer, Basketball- und Volleyballspieler häufig betroffen. Tennisspielern kann der Wechsel der Bodenbeläge Schwierigkeiten bereiten. Die Umstellung von rutschigem Sand auf stumpfe Hartplätze ist im Profi- wie im Breitensport für vielen Spieler problematisch und kann die Symptome des Jumpers Knee verstärken.



Leichte bis chronische Schmerzen
Die Verletzung bereitet je nach Ausprägung mehr oder weniger Probleme. Im Anfangsstadium ist der stechende Schmerz nur nach der sportlichen Belastung und in erträglichem Maße zu spüren. Später tritt der Schmerz zusätzlich beim Aufwärmen, nicht aber während des Spiels auf. Die Sehne ist dann zusätzlich druckempfindlich und der Schmerz ist stärker zu spüren. Permanenter Schmerz beim Sport und im Alltag deutet auf ein weit fortgeschrittenes Stadium hin, in dem die Schmerzen sogar chronisch werden können.
Mediziner erhalten durch einen einfachen Test einen ersten Hinweis auf das Jumpers Knee: Der Sportler winkelt im Sitzen das Bein an und versucht anschließend, das Bein zu strecken, indem er mit dem Unterschenkel gegen einen Widerstand, zum Beispiel die Hand des Arztes, drückt. Beim Jumpers Knee ist bei dieser Bewegung der typische stechende Schmerz unterhalb der Kniescheibe spürbar. Mit Hilfe des Ultraschalls kann der Arzt eindeutig erkennen, ob die Patellasehne unterhalb der Kniescheibe verdickt ist. Eine Verdickung ist immer ein Anzeichen für die Verletzung. Es ist wichtig, dass der Arzt das Ultraschallbild mit dem des gesunden Knies vergleicht, um die Veränderung und das Ausmaß der Schwellung einschätzen zu können. Im schlimms-ten Fall ist die Patellasehne bereits angerissen oder gerissen. Entzündungen in anderen Bereichen des Kniegewebes sind ebenfalls möglich. Weitere Verletzungen am Knie zum Beispiel an den Bändern oder am Meniskus können mit Hilfe von Röntgen- und Computertomografie-Aufnahmen erkannt oder ausgeschlossen werden.

Wichtigste Maßnahme: Sportpause
Das Jumpers Knee lässt sich vor allem im Anfangsstadium gut behandeln. Erste und wichtigste Maßnahme: Sportpause. Diese sollte mindestens so lange dauern, bis die Schmerzen abgeklungen sind. Ist die Verletzung noch nicht so stark ausgeprägt, reichen einige Tage. Mehrwöchige Pausen sind aber nicht ungewöhnlich. Hier ist Geduld die oberste Devise, um einen Rückfall zu vermeiden.
Weitere Therapiemaßnahmen sind ebenfalls konservativ (im Gegensatz zu einer Operation). Diese Möglichkeiten sollten gründlich, das heißt, über einen Zeitraum von mindestens

sechs Monaten, ausgeschöpft werden, bevor ein Sportler unters Messer kommt:
Behandlungen mit Eiswürfeln oder Eiswasser bringen besonders bei akuten Schmerzen Linderung. Das      Knie sollte auch dann zumindest einmal täglich gekühlt werden, wenn gerade keine Schmerzen spürbar sind.
Die gründliche Dehnung der Oberschenkelstreckmuskulatur (Oberschenkelvorderseite) durch einen Physiotherapeuten oder den Sportler selbst ist wichtig, weil der Oberschenkelmuskel als Sehne am Knie endet und damit Einfluss auf die Verletzung hat.
Bei starken Schmerzen können Bandagen oder Tapes (zum Beispiel Kinesio-Tapes) Entlastung bringen.
Massage und Elektrotherapie helfen gegen Schmerzen.
Das Jumpers Knee ist in erster Linie eine verschleißbedingte und keine entzündliche Verletzung. Entzündungshemmende Kortisonspritzen können trotzdem helfen, da sie auf eventuell entzündetes Sehnengleitgewebe im Knie wirken. Das Kortison darf aber auf keinen Fall direkt in die Sehne gespritzt werden, da dies zu Beschädigungen an der Sehne oder zum Sehnenriss führen kann.
Weiche Schuheinlagen oder gut gedämpfte Sohlen absorbieren Energien, die ansonsten auf das Knie wirken. Dies kann beim Sport und im Alltag Entlastung bringen.

Operation als letzter Ausweg
Manchmal reichen konservative Maßnahmen nicht aus, und eine Operation, bei der Gewebe entfernt oder Sehnenteile ersetzt werden, ist der letzte Ausweg. 80 bis 90 Prozent der Patienten sind anschließend beschwerdefrei. Rund drei Monate können vergehen, ehe man nach der Operation mit leichtem Training beginnen kann.
Unabhängig davon, wie die Verletzung behandelt wurde, ist es wichtig, dass das Training anschließend nicht zu früh wieder aufgenommen wird. Die Dehnung der Oberschenkelvorderseite sowie Eisbehandlungen sollten auch anschließend fortgesetzt werden, besonders nach ungewöhnlich hohen Belastungen.
Tennisspieler und Sportler, die verletzungsgefährdet sind, können durch eine gut und gleichmäßig trainierte Ober- und Unterschenkelmuskulatur vorbeugen. Kräftigungsübungen wie einbeinige Kniebeugen oder Übungen mit dem Theraband beugen Muskeldysbalancen vor. Das Krafttraining ist besonders vor dem Wechsel auf einen anderen Bodenbelag wichtig. Wer zum Beispiel im Winter nicht so viel spielt und anschließend mit Beginn der Sommersaison zu schnell ein zu hohes Pensum auf dem Court absolviert, überlastet die Muskulatur und das Gelenk. Umgekehrt kann der Wechsel von Sand auf stumpfe Hallenböden vorbelasteten Spielern Probleme bereiten. Als Ausgleichssportarten, die zu jeder Jahreszeit ausgeübt werden können, eignen sich Kraulschwimmen und Inlineskaten. Eine der wichtigsten Maßnahmen wird von Trainern oft erwähnt, von Spielern aber gerne vernachlässigt: sorgfältiges Aufwärmen. Genauso wichtig wie die Übungen vorher ist das gründliche Dehnen der Beinmuskulatur (vor allem der Oberschenkelvorderseite) nach dem Tennis.    
Dr. Roland Höppner/Nikola Jurk

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