Braucht der Davis Cup ein neues Gesicht?
Spieler und Sponsoren haben ein Zukunftsmodell für den Davis Cup entworfen: Alle zwei Jahre spielen Teams aus 32 Ländern zehn Tage lang eine Art Nationen-Grand Slam. Noch ist keine Entscheidung gefallen, ob das Format umgesetzt wird. Sollte man es tun?
Davis Cup-Sieger 2009: Spanien. Braucht dieser Wettbewerb ein neues Gesicht?
©getty
PRO: „Unser Argument ist, dass wir den Sport verbessern wollen“, sagte Novak Djokovic neulich beim Turnier in Kooyong. Der Serbe ist die treibende Kraft einer faszinierenden Idee. 14 Monate hat man im Verborgenen getüftelt. Jetzt ist der Plan auf dem Tisch – ein „World Cup“ für Tennisspieler. Das wäre wie eine Fußball-Weltmeisterschaft für Federer und Co., inklusive weltweiter Aufmerksamkeit. Apropos Federer. Der Schweizer trat bislang nur in Erscheinung, wenn es darum ging, die Schweiz vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit zu bewahren. Sonst sah man ihn nie. Und genau da liegt das augenblickliche Problem des Davis Cups. Er passt nicht in den Terminkalender der Topspieler. Anfang März findet dieses Jahr die erste von möglichen vier Runden statt. Zu dem Zeitpunkt aber sind die Stars in Gedanken schon bei den Superturnieren von Indian Wells und Miami. Dort wird auf Hartplatz gespielt, der Davis Cup findet auf allen möglichen Belägen und unterschiedlichsten Kontinenten statt. Keine gute Voraussetzung für eine vernünftige Turnierplanung. Aktuell haben Federer, Andy Roddick und Andy Murray die erste Runde abgesagt. Würden sie auch einem Nationen-Grand Slam fernbleiben? Ich glaube nicht. Ein Ort, ein Termin, alle Spieler – das wäre das optimale Event. Felix Grewe

CONTRA: Was macht die Grand Slam-Turniere so unsterblich? So dass jeder – auch weniger Interessierte – weiß: Ach, jetzt sind wieder Australian Open. Das Geheimnis ist: An den Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York wird nicht ständig herumgedoktort. Sie sind quasi in Stein gemeißelt und bilden das Gravitationszentrum des Tennissports. Warum ist dagegen die Masters 1000er-Serie so gesichtslos? Genau aus dem umgekehrten Grund: Unablässig krempelt die ATP deren Namen und Charakter um. Allein das alte New Yorker Masters hieß bereits World Championships, Masters Cup oder World Tour Final – am Ende kennt sich keiner mehr aus. Und nun also auch der Davis Cup! Seit über 100 Jahren wird er als Nationenzweikampf ausgetragen. Jeder weiß Bescheid, jeder freut sich darauf, denn Davis Cup heißt Identifikation, Stimmung und Emotion. Djokovic und Co. wollen ihn nicht besser, sie wollen ihn bequemer machen. Und zwar für sich, damit der Traditionswettbewerb besser in ihre Saisonplanung passt und noch mehr Geld herausgepresst werden kann. Doch auch für Djokovic gilt: Der Davis Cup ist nicht für die Spieler da, sondern umgekehrt, die Spieler für den Davis Cup. Thomas Kosinski
 
Kommentar von Heinz Bachmann
Der Deutsche Tennisbund braucht ein neues Gesicht.Sonst wird es Tennis bald nicht mehr geben.

Gruß Heinz Bachmann
12.02.2010
 
Kommentar von Joey
Ich würde es für einen großen Fehler halten, wenn am Spielmodus des Daviscup wesentliches verändert würde.
Die Tatsache, daß beispielsweise die Heimmannschaft den Bodenbelag der Daviscupbegegnung wählt, ist eine Eigentümlichkeit, die gleichzeitig den besonderen Reiz des Daviscup ausmacht, weil es taktische Erwägungen möglich macht.
Klar, daß es einem TopTen-Spieler eventuell nicht optimal "in's Konzept" paßt, wenn er gerade von einem Turnier auf Rasen kommt, und muß am nächsten Tag ein Match auf Sand spielen.
So aber (nur) können legendäre Matches zwischen "David und Goliath" entstehen ...
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