Einer von neun Bundesliga-Schauplätzen: der Düsseldorfer Rochusclub.
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PRO: Die Meldung auf der Bundesliga-Homepage des DTB ist ganz am Ende zu finden: ETUF Essen hat seine Mannschaft am 1. 6. 2010 zurückgezogen. Das bedeutet, dass in dieser Saison nur neun statt zehn Vereine um den Meistertitel spielen. So weit, so schlecht.
Diese Meldung ist ein alarmierendes Signal für die gesamte Bundesliga. Denn in Zeiten der Krise machen die finanziellen Einschnitte auch vor den anderen Clubs nicht halt. Das Problem der Liga ist, dass die Vereine zum großen Teil von nur einem zahlungskräftigen Sponsor abhängig sind, der sich die Liaison mit seinem „Lieblingsverein“ viel Geld kosten lässt. So werden teure Stars gelockt, die dem interessierten Publikum hochklassigen Sport bieten und das Produkt Bundesliga aufwerten sollen. So weit, so gut.
Doch die Abhängigkeit vom Wohl und Wehe eines Geldgebers ist fatal. Die Liste der Vereine, die nach ihrem Aufstieg wie Sternschnuppen verglüht sind, ist mit Dinslaken, Oberhausen, Sundern und Essen beachtlich. ETUF trifft es schon zum zweiten Mal. 2004 stellte schon Mäzen Stephan Holthoff-Pförtner seine Euro-Spenden ein. Das zeigt, dass selbst gut betuchten Geldgebern das Halten eines Bundesligateams zu teuer wird. Wenn es ihnen dann keinen Spaß mehr macht, wird das „Spielzeug“ weggeschmissen.
Achim SchneiderKONTRA: Essen ist ein Einzelfall und darf nicht mit der Mehrheit der Bundesligaclubs gleichgesetzt werden. 2004, als vier Vereine ihre Teams wegen Geldmangels zurückzogen, erlebte die Liga eine echte Strukturkrise. Das ist heute nicht zu befürchten. Damals verabschiedete man Reformen, die den Vereinen jetzt helfen, ihre Kosten zu reduzieren. Durch Viererteams werden weniger Spieler benötigt – die Kaderstärken schrumpften. Die künstliche Verlängerung der Saison durch zwei Endspiele der beiden Bestplatzierten der Tabelle ist abgeschafft worden – auch das spart Geld.
Kritiker, die die Liga als reine Geldvernichtungsmaschine geißeln, machen es sich zu einfach. Die stärkste Tennisliga der Welt ist ein Profibetrieb – und keine Plattform für kostengünstigere, aber zu schwache Nachwuchsspieler aus Deutschland. Profis, die in der Bundesliga antreten, müssen angemessen entlohnt werden. Dafür sorgen sie in den Clubs für regionale Sport-Highlights, die bis zu 5000 Fans bei einem Spiel (etwa im Düsseldorfer Rochusclub) und 65 000 Zuschauer deutschlandweit (2008) in der ganzen Saison anlocken. Die Bundesliga bringt Profitennis in die Provinz. Sie animiert den Nachwuchs und lässt Tennisfans mitfiebern. Auch ohne ETUF Essen.
Tim Böseler