Davis Cup-Sieger 2009: Spanien. Braucht dieser Wettbewerb ein neues Gesicht?
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PRO: „Unser Argument ist, dass wir den Sport verbessern wollen“, sagte Novak Djokovic neulich beim Turnier in Kooyong. Der Serbe ist die treibende Kraft einer faszinierenden Idee. 14 Monate hat man im Verborgenen getüftelt. Jetzt ist der Plan auf dem Tisch – ein „World Cup“ für Tennisspieler. Das wäre wie eine Fußball-Weltmeisterschaft für Federer und Co., inklusive weltweiter Aufmerksamkeit. Apropos Federer. Der Schweizer trat bislang nur in Erscheinung, wenn es darum ging, die Schweiz vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit zu bewahren. Sonst sah man ihn nie. Und genau da liegt das augenblickliche Problem des Davis Cups. Er passt nicht in den Terminkalender der Topspieler. Anfang März findet dieses Jahr die erste von möglichen vier Runden statt. Zu dem Zeitpunkt aber sind die Stars in Gedanken schon bei den Superturnieren von Indian Wells und Miami. Dort wird auf Hartplatz gespielt, der Davis Cup findet auf allen möglichen Belägen und unterschiedlichsten Kontinenten statt. Keine gute Voraussetzung für eine vernünftige Turnierplanung. Aktuell haben Federer, Andy Roddick und Andy Murray die erste Runde abgesagt. Würden sie auch einem Nationen-Grand Slam fernbleiben? Ich glaube nicht. Ein Ort, ein Termin, alle Spieler – das wäre das optimale Event.
Felix GreweCONTRA: Was macht die Grand Slam-Turniere so unsterblich? So dass jeder – auch weniger Interessierte – weiß: Ach, jetzt sind wieder Australian Open. Das Geheimnis ist: An den Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York wird nicht ständig herumgedoktort. Sie sind quasi in Stein gemeißelt und bilden das Gravitationszentrum des Tennissports. Warum ist dagegen die Masters 1000er-Serie so gesichtslos? Genau aus dem umgekehrten Grund: Unablässig krempelt die ATP deren Namen und Charakter um. Allein das alte New Yorker Masters hieß bereits World Championships, Masters Cup oder World Tour Final – am Ende kennt sich keiner mehr aus. Und nun also auch der Davis Cup! Seit über 100 Jahren wird er als Nationenzweikampf ausgetragen. Jeder weiß Bescheid, jeder freut sich darauf, denn Davis Cup heißt Identifikation, Stimmung und Emotion. Djokovic und Co. wollen ihn nicht besser, sie wollen ihn bequemer machen. Und zwar für sich, damit der Traditionswettbewerb besser in ihre Saisonplanung passt und noch mehr Geld herausgepresst werden kann. Doch auch für Djokovic gilt: Der Davis Cup ist nicht für die Spieler da, sondern umgekehrt, die Spieler für den Davis Cup.
Thomas Kosinski