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Borkum: Auf alten Spuren

Holzschläger, lange Kleider und Hüte auf dem Court waren gestern? Von wegen! Auf Borkum findet einmal jährlich ein „Retro-Match“ statt – als Startschuss für die Borkum Open, die erstmals 1899 ausgetragen wurden. tennis MAGAZIN hat eines der ältesten und traditionsreichsten Turniere Deutschlands besucht.



Wir reisen mal eben ins Jahr 1899 zurück. In Barcelona wird ein Fußballverein gegründet, dessen Team heute als eines der besten der Welt gilt. Zwischen Südafrika und Großbritannien bricht der Burenkrieg aus. Im nordfranzösischen Compiègne kommt Suzanne Lenglen auf die Welt, die erfolgreichste französische Tennisspielerin aller Zeiten. Und auf Borkum, der größten ostfriesischen Insel, finden zum ersten Mal die Borkum Open statt. Auf Rasen? Quatsch, wir sind ja nicht in Wimbledon! Auf Hartplatz? Auch nicht, der ist zu dieser Zeit noch nicht so populär. Auf Sand? Richtig. Aber nicht auf roter Asche, sondern auf echtem Sand. Gespielt wird nämlich bei Ebbe am Strand. Im Watt werden Plätze markiert – 23,77 Meter lang, 8,23 Meter breit, die gleichen Ausmaße der heutigen Courts. Die Spieler sind reiche, meist adlige Bürger, die mit langen, weißen Hosen, Oberhemden und Hüten bekleidet ihr Holzracket manövrieren. Tennis ist nur etwas für die Obersten der Oberschicht.

Zurück in die Gegenwart. Auch 114 Jahre später wird noch immer auf Borkum am Strand gespielt. Nach wie vor mit langer Bekleidung und Schlägern von früher – inzwischen allerdings nur noch im Rahmen sogenannter Retro-Matches in Erinnerung an die alten Zeiten – als Startschuss der Borkum Open. Denn das Turnier, eines der traditionsreichsten in Deutschland, das sogar drei Jahre älter ist als der Deutsche Tennis Bund, existiert auf der inseleigenen Tennisanlage nach wie vor. Oder besser gesagt: Es existiert wieder. Denn zwischen 1998 und 2010 pausierte die Veranstaltung 13 Jahre lang.

Vor drei Jahren entschied sich Christoph Damaske, das Turnier wieder aufleben zu lassen. Der 37-Jährige fühlt sich auf Borkum fast so heimisch wie die unzähligen Seerobben vor der Küste. Als Kind verbrachte er jahrelang seine Sommerferien auf der Insel und spielte in den Jugendkonkurrenzen der Borkum Open mit. „Das waren die schönsten Zeiten des Jahres“, sagt Damaske, der unter anderem als Schiedsrichter auf der ATP-Tour unterwegs ist. Beim dritten Weizenbier auf der Tennisanlage von Borkum begann der Kölner im Sommer 2010 mit der Planung seiner Borkum Open. „Ich saß im Urlaub von drei Uhr nachts bis neun Uhr morgens an Excel-Tabellen und habe Kalkulationen aufgestellt“, erzählt er. Preisgelder würde er refinanzieren müssen, das war klar. Es würden Kosten für Unterkünfte der Helfer entstehen, für Sachpreise, Pressearbeit, Marketingaktionen. Nicht einmal Schiedsrichterstühle gab es mehr auf der kleinen Tennisanlage, direkt an der Promenade, mitten im Zentrum von Borkum. Damaske verhandelte mit potenziellen Sponsoren, vor allem mit kleinen Unternehmen, denen der Tourismus auf der Insel am Herzen liegt. Er entwickelte ein professionelles Sponsoringkonzept und ging „Türklinken putzen“, wie er es nennt. „Teilweise wurde ich sogar als Bettler beschimpft“, erzählt er.

 

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TALK IM STRANDKORB: Turnierveranstalter Christoph Damaske (re.) und tennis MAGAZIN-Redakteur Felix Grewe.

Inzwischen hat der Veranstalter rund 30 zahlende Sponsoren gefunden. Gewinne erzielt er mit seinem Event trotzdem noch nicht. „Die ersten zwei Jahre haben wir Verluste gemacht“, gesteht Damaske. „2013 war das erste Jahr mit einer schwarzen Null.“ Etwa 45.000 Euro Kosten entstehen für die elf Turniertage. In diesem Jahr musste Damaske erstmals sogar 3.000 Euro Miete für die Anlage bezahlen. „Die ersten zwei Jahre hat uns die Insel Borkum die Plätze kostenfrei zur Verfügung gestellt.“

Ums große Geld geht es dem 37-Jährigen mit der Ausrichtung der Borkum Open allerdings nicht. „Das Turnier ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt er. „Ich mache das mit einer Perspektive von mindestens 20 Jahren.“ Sein Ziel: Die Teilnehmerzahl aller Konkurrenzen auf 120 bis 150 Spieler zu steigern. 2013 waren insgesamt rund 85 Hobbyspieler sämtlicher Leistungsklassen am Start – auch wenn in manchen Feldern nur mit drei bis fünf Personen im Gruppenmodus gespielt wurde. „Früher hatte das Turnier mehr als 300 Teilnehmer“, erinnert sich Damaske, „aber das ist heutzutage utopisch.“

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft des Turniers sind gut. Die Seniorenkonkurrenzen gehören zur Dunlop Senior Tour. Das Herrenturnier ist sogar Teil der Head German Masters Series vom Deutschen Tennis Bund. Die Teilnehmer: ambitionierte Amateure, die in ihrem Urlaub um Punkte für die deutsche Rangliste und natürlich für die Leistungsklassen kämpfen. Früher hat sogar Boris Becker auf Borkum aufgeschlagen. „1984 war er dabei und ein Jahr später hat er das erste Mal Wimbledon gewonnen“, erzählt Damaske grinsend.

Er wünscht sich in den nächsten Jahren einen ganz speziellen Teilnehmer: Gerhard Schröder. Der Ex-Bundeskanzler verbringt seit Jahren regelmäßig mit der Familie seinen Urlaub auf der ostfriesischen Insel und spielt dann häufig auf der Anlage Tennis. Er liebt es, mit dem Auto auf die Insel zu fahren, seinen Wagen abzustellen und den Rest der Ferien mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Schröder ist seit 2011 Schirmherr der Borkum Open und leitete im ersten Jahr – bei der Premiere von Damaske – die Siegerehrung. Damals wollte der Veranstalter den Politiker zu einem Showmatch der besonderen Art überreden. Im Teilnehmerfeld einer Seniorinnenkonkurrenz spielte eine Dame namens Merkel mit. Schröder fand die Idee  eines Duells gegen die Namensvetterin seiner einstigen politischen Gegenspielerin zwar charmant, aber er lehnte ab. „Das Büro der Kanzlerin hätte das sicher nicht so witzig gefunden“, sagt Damaske.  Auf eine normale Turnierteilnahme Schröders spekuliert er jedoch nach wie vor. „Er hat versprochen, bei den Herren 70 mitzuspielen.“ Und wer weiß: Vielleicht ist Schröder eines Tages auch beim Retro-Match am Start. Denn auch das ist eine Erfindung des neuen Machers der Borkum Open.

 

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BESTE BEDINGUNGEN: Für Badeurlauber und Wassersport-Freaks ist der Strand von Borkum ein Traum.

 

STECKBRIEF: BORKUM

Allgemeines:

Borkum ist die größte und westlichste ostfriesische Insel. Sie ist knapp 31 Quadratkilometer groß und bietet insgesamt Kapazitäten für rund 31.000 Urlauber und Einheimische.

Tennisanlage:

4 Sandplätze, kein Flutlicht. Die Plätze befinden sich direkt an der Promenade. Zum Strand sind es nur wenige Meter. Auf der Anlage gibt es ein italienisches Restaurant. Urlauber können gegen Gebühr (15 €/Stunde) Plätze mieten.

Einzeltraining: 30 €/Stunde, Gruppentraining 36 €/Stunde inklusive Platzmiete.

Der Ort:

Im Stadtzentrum von Borkum befinden sich zahlreiche Cafés, Bars, Restaurants und Shoppingmöglichkeiten. Autos fahren hier kaum. Um die Insel zu erkunden, empfiehlt es sich, ein Fahrrad zu mieten.

Sportmöglichkeiten:

Tennis, Fußball, Segeln, Surfen, Kite-Surfen, Angeln, Beachvolleyball, Drachenfliegen, Fallschirmspringen, Kitebuggy, Mountainbike, Nordic Walking, Reiten, Wandern.

Unterkünfte:

Auf Borkum gibt es zahlreiche Hotels und Appartements. Ein Tipp ist das Hotel Kachelot, direkt im Zentrum. Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet zwischen 65 und 80 € pro Person. Wenn Sie in der Hauptsaison anreisen und bei den Borkum Open spielen wollen, sollten Sie Ihr Zimmer frühzeitig buchen.

Klima:

Borkum gehört zu den Orten mit den meisten Sonnenstunden in Deutschland. Im Hochsommer ist es in der Regel milder als auf dem Festland. Borkum ist komplett von Seewasser umgeben, daher ist die Luft verhältnismäßig arm an Pollen.

Anreise:

Mit dem Auto bis Emden oder Eemshaven (NL). Von dort mit der Fähre oder dem Katamaran nach Borkum. Für die Anreise mit dem Katamaran oder einen PKW-Transport auf der Fähre empfiehlt sich eine Reservierung. Sie erreichen Borkum auch mit der Bahn oder dem Flugzeug.

Mehr Infos: www.borkum.de

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