Tunesien ? 25.09.2011
Aldianas Tennisgarten
Urlaub nach dem Umsturz: Tunesiens Touristenzentren sind ­wieder sicher zu bereisen. Der ­Ferienclub von Aldiana auf der Halbinsel Cap Bon ist für Tennisspieler eine der besten Adressen des Landes und lockt mit zwei großen Turnieren

Vom Restaurant führt der Weg direkt zum hoteleigenen Wassersportzentrum.
Slavo steht an der Tennisbar im Aldiana Tunesien. Ärmelloses Shirt, Schläger von Babolat – Nadal lässt grüßen. Er ist bereit für ein Trainingsmatch. Der Stuttgarter ist Tennis-Autodidakt. Vor fünf Jahren, mit 27, griff er zum ersten Mal zum Schläger – und seitdem legt er ihn kaum noch aus der Hand. Beim Damenturnier in Stuttgart 2008 gewann er eine Gratiswoche im Aldiana Tunesien. Jetzt will Slavo nicht mehr woanders Urlaub machen. Fünfmal ist er schon hier gewesen. „Wenn es irgendwie geht, fliege ich zweimal im Jahr hierhin“, sagt er. Er schwärmt von der Anlage, von den Plätzen, den Trainern, den ­Mitarbeitern – ja von allem, was dieser Ferienclub zu bieten hat. Der ist doch gekauft, könnte man annehmen. Das ist alles eine geschickt inszenierte PR-Aktion von Aldiana. Die müssen nach den politischen Unruhen Anfang 2011 und den zunächst ausbleibenden Touristen ihr Image aufpolieren.

Alles falsch. Slavo gibt es tatsächlich. Und er ist wirklich so tennis- und Aldiana-besessen. Falsch sind auch die Bilder von brennenden Autos und demonstrierenden Menschen­massen auf tunesischen Straßen, die wochenlang die Berichterstattung über ein Land beherrschten, das auf dem Weg in die politische Freiheit ist. Hier, in den großen Touristen­zentren der tunesischen Halbinsel Cap Bon, ist es ruhig. „Eigentlich gab es bei uns rund um Hammamet und Nabeul kaum Unruhen“, sagt Clubchef René Schönemann. Zwei Geldautomaten wurden in Brand gesetzt, der Laden eines Schuhhändlers, der eng mit dem abgesetzten Diktator Ben Ali in Kontakt gestanden haben soll, ging in Flammen auf. Sonst passierte in der näheren Umgebung nicht viel.
Rund um die Tennisanlage gedeihen Apfelsinen in voller Pracht.
Der Aldiana Tunesien öffnete nach der Winterpause dennoch einen Monat später als geplant, nämlich erst im April 2011. Zu viele Reisende waren verunsichert. Jetzt, im Sommer 2011, ist davon nichts mehr zu spüren, die Ferienanlage ist gut besucht. Anfangs wurden die Touristen noch mit stark reduzierten Angeboten in den Club gelockt, so dass man eine Woche mit Flug und All-Inclusive-Service für unter 700 Euro bekam. Mittlerweile gelten wieder die regulären Preise, aber das schreckt die Gäste nicht ab. „Wir sind im August 2011 komplett ausgebucht“, beteuert Schönemann, der mit seinem Team die verlängerte Winterpause für Renovierungsarbeiten nutzte.

Der neue Glanz ist dem Ferienclub anzusehen. Die weißen Fassaden der im landes­typischen Stil gehaltenen Hotelgebäude blitzen hell in der Sonne auf, eine Halle für das populäre „Indoor-Cycling“ (Strampeln und Schwitzen auf speziellen Ergometern) wurde neu gebaut, ein Weg vom Pool zum Strand frisch angelegt. Highlight für Tennis­spieler bleiben aber die zehn herrlich gelegenen Sandplätze, die sich um ein kleines Clubhaus, die Tennisbar, gruppieren und von hohen Koniferen sowie zahlreichen Orangenbäumen flankiert sind. Erstaunlich ist die Platzqualität. Trotz des trockenen Klimas erreichen die Courts fast mitteleuropäischen Standard – im nördlichen Afrika eine Rarität. Einziger Nachteil: Wenn es im Aldiana Tunesien einmal regnen sollte, fällt der Niederschlag häufig wolkenbruchartig vom Himmel, so dass die Plätze für einige Stunden nicht zu bespielen sind.
Die Bungalows bieten einen herrlichen Blick auf Palmen, Strand und Meer.
„Man kann hier in Afrika eben nicht alles haben“, sagt Harald von Manstein, von allen nur „Hardy“ genannt. Der kantige Zwei-Meter-Mann ist Geschäftsführer der Tennisschule Sunball, die in allen Aldiana-Clubs für das Training und das Tennisprogramm zuständig ist. Der Hamburger hält den tunesischen Tennisgarten für eine der besten der insgesamt zehn Aldiana-Anlagen: „Wenn man als Gast vor allem die Tenniskeule schwingen will“, wie er in seinem hanseatischen Singsang ­süffisant anmerkt. Die zwei größten
Tennisevents von Aldiana werden hier ausgerichtet: Ein internationales Senioren­turnier und der ­„Aldiana Tennis Supercup“, bei dem jeder mitspielen kann, sorgen seit Jahren im März für einen Ansturm tennisbegeisteter Urlauber. Zwar mussten 2011 die Turniere wegen der Unruhen in einen anderen Aldiana-Club verlegt werden, „aber sonst haben wir im März und April bis zu 80 Prozent Tennisspieler hier“, erläutert Clubchef Schönemann. Landesverbände schicken ihre Nachwuchs­kader zur Saisonvorbereitung hierhin, ­Seniorenteams und spielstarke Herrenmannschaften frischen im Aldiana Tunesien seit Jahren ihr Sandplatztennis am Ende des deutschen Winters auf. „Tennismäßig steppt hier im Frühjahr der Bär“, versichert Hardy.

 Im Club ist Coach Thomas für das Training auf den Courts verantwortlich. Egal, wie viel er zu tun hat: Sein Grinsen im Gesicht verschwindet selbst am Abend nicht, wenn er für die Gäste noch Schläger besaitet. „Das gehört bei uns zum Service“, sagt er lächelnd.
Zu Engpässen auf den zehn Plätzen kommt es selbst in der „Tennis-Hochsaison“ selten. Jeder Gast soll seinen Anspruch auf mindestens eine Stunde Tennis am Tag erfüllt bekommen.
Außerdem gibt es im Aldiana Tunesien noch genügend andere Sportmöglichkeiten. Sehr Beliebt: Golf, Wasser­sport und Beachvolleyball. Drei 18-Löcher-Plätze für Golfer befinden sich im Umkreis von 20 Minuten Fahrzeit. Für 75 Euro kann man auf allen drei Plätzen einlochen – ein faires Angebot. Wer Windsurfen oder Segeln lernen will, ist am hoteleigenen Strand gut aufgehoben. Dort gibt es die Ausrüstung und der Strand fällt sehr flach ab, so dass Anfänger noch lange im Wasser stehen können.
Jetzt will Slavo endlich mit dem Tennis­match starten. Für einen Späteinsteiger spielt er richtig stark. Wie konnte er in so kurzer Zeit ohne systematisches Training so gut werden? „Na, wegen Aldiana! Ich bin so oft hier und finde immer gute Gegner.“ 
Aldianas Tennisgarten
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Infos
Zehn gut gepflegte Sandplätze stehen zur ­Verfügung, vier von ihnen haben Flutlicht.
Die Nutzung der Courts für freies Spielen ist kostenlos (Flutlicht gegen Gebühr).
Für Kinder (4 – 12 Jahre): 3x60 Minuten 59 €, 5x60 Minuten 89 €. Für Jugendliche (13 – 17): 3x90 88 €, 5x90 139 €. Für Erwachsene: 6x60 135 €, 10x60 189 €. Alle Kurse in Gruppen.
Einzeltraining: ab 114 €. Zweierkurs: ab 135 €.

TennisTURNIERE 2012:
„Tunisia Senior Open“: 22. – 26. März 2012, ITF-Ranglistenturnier, Meldegebühr: 80 €.
„Aldiana Tennis Supercup“: 26. – 30. März 2012, Jedermannturnier, Meldegebühr: 115 €.
Golf (5 18-Löcher-Plätze befinden sich in der Nähe), Segeln, Surfen, Beachvolleyball, ­Aerobic,
Indoor-Cycling, Bogenschießen, Nordic ­Walking,
Hallenbad, Fitnesscenter. ­
3 Saunen, Dampfbad, Massagen, kosmetische und physiotherapeutische Behandlungen.
Die Anlage direkt am Strand besteht aus einem Haupthaus und mehreren 2- bis 3-stöckigen Nebengebäuden. Es gibt 321 Zimmer, die sich auf Haupthaus, Familientrakt und Bungalows verteilen. Unterhaltung: ­Atelier, Theater, Nightclub, Boutiquen, Wireless LAN (gegen Gebühr).
Im Oktober 2011 kosten 7 Tage im Doppel-
zimmer (ohne Meerblick) All Inclusive mit
Flug ca. 1.000 € pro Person. Preise variieren
je nach Saison und Zimmerkategorie.
Auf der Website www.aldiana.com gibt es alle Infos zum Aldiana Tunesien. Dort können auch online Buchungen durchgeführt werden. Sonst bucht Ihnen auch jedes Reisebüro Ihre Reise.