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Sepps Oase in Waging am See

Man muss nicht in die Ferne reisen. Im südöstlichsten Winkel der Republik lässt sich fantastisch Tennis spielen – bei Sepp Baumgartner in Waging am See.



Freitagmorgen um 10 Uhr in Waging am See. Am Vortag hat es geregnet. Also treffen wir uns in der Tennishalle. Wobei: Heute soll das Wetter gut werden, 25 Grad, Sonne. „Wir können nachher draußen spielen“, sagt Sepp Baumgartner. Aber für das, was der Coach mit uns vorhat, ist die Vierfelder-Halle mit dem spinatgrünen Granulatboden im Moment besser geeignet – Videoanalyse.

Baumgartner schiebt die Kamera in die richtige Position, stellt die Ballmaschine an und los geht‘s: rechts, links, Vorhand, Rückhand. Als die Bilder später auf dem Fernseher laufen, sagt er: „Bei deinem Griff brauchst du die Bälle nicht so weit vorne zu treffen.“ Kein schlechter Tipp. Das Credo im Tenniscamp in Waging am See: Man soll sich mit seinem Spiel wohlfühlen. Für den Trainer bedeutet das: genau aufpassen, wo man möglicherweise etwas verändert. Anders ausgedrückt: Tennis, so Baumgartners Formel, soll einfach und unkompliziert sein. „Keep it simple!“

Sepp Baumgartner in Waging am See

KLEINES PARADIES:
Die Suiten im Tennishotel Sepp Baumgartner befinden sich direkt am Zen-Garten.

Seit mehr als 30 Jahren leitet Josef Florian Baumgartner, den alle nur Sepp nennen, die eigene Tennisschule. Jeden Tag steht er selbst auf dem Platz, gibt Kurse für Junge, Alte, Könner und weniger Begabte. Ernst nimmt er sie alle. Klar, es sind Kunden. Aber bei Baumgartner hat man schnell das Gefühl, die Beziehung zu seinen Schülern ist noch etwas enger als üblich. Der Beruf eher Berufung als Mittel zum Geldverdienen. „Spätestens nach der Begrüßung kenne ich alle Namen“, sagt Baumgartner. Profi war er nie, aber die Meriten, die er auf dem Platz gesammelt hat, können sich sehen lassen: vierfacher Deutscher Meister der Tennislehrer, zweifacher Europameister, Internationaler Deutscher Meister, Internationaler Österreichischer Meister, sechsfacher Ski- und Tennis-Weltmeister. Und das alles in mehreren Altersklassen.

Baumgartners sportliche Meriten

Aktuell spielt Baumgartner bei den Herren 60+, ist die Nummer 20 der Welt im Einzel. Im Doppel rangiert er auf Platz sechs. Er bestreitet Turniere in der Türkei, Italien und Spanien. Mit 45 war er die Nummer drei der Welt, in Europa die Nummer eins. Seine bekanntesten Gegner: der Amerikaner Roscoe Tanner, der Tscheche Tomas Smid oder der Ungar Balazs Taroczy.

Sieht man sich den 63-Jährigen an, kann man sich vorstellen, dass die Gleichaltrigen nicht gerne gegen ihn spielen. Drahtig ist der großgewachsene Mann, topfit. „Ich esse bewusst“, sagt Baumgartner, „Fisch, Steak, viel Obst.“ Und: „Ich bewege mich ganz gut.“ Der Satz passt zu ihm. Er neigt zum Understatement. Wahrscheinlich läuft er seine Gegner in Grund und Boden, aber Baumgartner bleibt stets bescheiden.

Das aktive Spiel ist das eine. Nebenbei ist der Bayer auch passionierter Tüftler. Das Training an der Ballmaschine inklusive Videoanalyse ist vorbei – Bällesammeln. Und damit das ganz einfach funktioniert, gibt es die sogenannte „Ballsammelanlage“. Dabei landen die Bälle, die an die Hallenwand prallen über Schrägen in Eimern, die sich in Löchern befinden. Sind die Eimer voll mit Filzkugeln, schüttet man sie einfach in den Trainerwagen – fertig.

Spieler, Trainer, Erfinder – es gibt auch noch den Unternehmer Sepp Baumgartner. Vor drei Jahren haben seine Frau Hildegard, die Söhne Stefan und Florian und er das Tenniscamp endgültig zu einer Wohlfühloase umgebaut. Seitdem gibt es das Wellnesshotel mit insgesamt 15 Zimmern. Neun davon sind 40 Quadratmeter große Juniorsuiten. Der Clou: Die unteren Suiten haben eigene Terrassen, die sich direkt an einem Teich befinden.

Family Business in Oberbayern

Sepp Baumgartner in Waging am See

Kleine, Große, Anfänger, Fortgeschrittene – bei Sepp Baumgartner wird auf jedes Alter und jede Spielstärke eingegangen.

tennis MAGAZIN hat es ausprobiert: morgens aufwachen und direkt in den mit Erdwärme beheizten Schwimmteich springen – herrlich. Ist es kühl, kann man sich auf das Wärmebett legen und das Ambiente genießen. Der Teich ist Teil des Zen-Gartens. Exotische Bäume und Sträucher, Seerosen, plätschernde Bächlein, Buddha-Statuen, ein Teepavillion, Teakholz-Stege, beigefarbene Sonnenschirme  – der Garten trägt seinen Namen zu Recht und er entspricht der Familienphilosophie der Baumgartners: Ruhe finden nach schweißtreibendem Tennis, Körper, Geist und Seele baumeln lassen, relaxen. „Es gibt genug Stress im Alltag. Bei uns soll man sich wohlfühlen“, sagt Baumgartner.

Er sitzt inzwischen an einem Holztisch in der „Tennis-Hüttn“, trinkt ein alkoholfreies Weissbier und beobachtet das Gruppentraining auf vier zusätzlichen Außenplätzen, die sich rund zweihundert Meter entfernt vom Hotel befinden. Von Zen hier keine Spur. Bajuwarisch rustikal würde es eher treffen. Noch einmal hundert Meter weiter liegt der Waginger See, der wärmste Badesee Oberbayerns. Aber nach Schwimmen ist uns nicht zumute. Und als ob Baumgartner unsere Gedanken erraten hat, fragt er: „Ihr wolltet doch noch Tennis spielen?“

Keine zehn Minuten später stehen wir mit dem Hausherrn auf dem Platz und ja, er spielt wirklich verdammt gut – der „Sepp“.

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