Ostsee – Usedom – Zinnowitz

Insel Usedom: „US OPEN“ an der Ostsee

Die Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern ist mehr als nur die Badewanne Berlins. Zu DDR-Zeiten war sie eine der Top-Adressen für Tennisspieler, heute laden vier hübsche Anlagen zum Match ein. Höhepunkt des Sommers sind die Usedom Seniors Open – kurz: „US Open“ .



Als Ion Tiriac, später Manager von Boris Becker, 1964 zum damals größten Tennisturnier der DDR in Zinnowitz auf der Insel Usedom wollte, lief er die letzten zehn Kilometer zu Fuß durch die Nacht. Tiriac, zu der Zeit als Tennis-spieler unterwegs, hatte früh in Wimbledon verloren, kam mit dem Zug bis Wolgast auf dem Festland – und ging los. Vor 40 Jahren nahmen die Spieler noch viele Entbehrungen auf sich, um in Zinnowitz am Start zu sein.

Heute ist die Anreise ein­facher und das Turnier nicht mehr ganz so bedeutend. Aber: Die große Tennisvergangenheit lebt in Zinno-witz seit 2007 wieder auf. Nach der Wende geriet das DDR-Turnier, bei dem vor allem die Elite des Ostblocks mitspielte, in Vergessenheit. Vor acht Jahren richtete dann der Tennis-fan und Usedom-Liebhaber Peter Schmidt zusammen mit dem ehemaligen Profi Hendrik Dreekmann zum ersten Mal die „Usedom Seniors Open“ aus. „Ich hatte bei unserer Premiere keine Ahnung, welche Historie im Tennisverein von Zinnowitz schlummerte“, gibt der Reisekaufmann zu. Über sein Bielefelder Reisebüro organisiert er das Seniorenturnier, an dem mittlerweile über 220 Spieler aus allen Ecken Deutschlands teilnehmen.

Die „US Open“, wie der Höhepunkt im Usedomer Tennissommer von den Insulanern halb im Spaß, halb im Ernst genannt wird, haben sich etabliert. „Ich hätte nie gedacht, dass aus dem kleinen Turnier mal ein richtiges Event werden kann“, gesteht Silvia-Beate Jasmand, Kurdirektorin aus Karlshagen. Dort, im Nachbarort von Zinnowitz, werden die „US Open“ ebenfalls ausgetragen. Während der Turnierwoche sind beide Vereine im Ausnahmezustand. „Bei uns nimmt sich ein harter Kern von zwölf Leuten extra Urlaub“, sagt Markus Hardt, erster Vorsitzender beim TV Zinnowitz. Der Club regelt die Bewirtung der Turnierspieler in Eigenregie. Allein 34 Kuchen wurden 2013 für die Gäste gebacken. „Das Turnier pusht Tennis auf der Insel, aber der Sport ist deswegen hier kein Selbstläufer“, stellt Hardt klar. Weil zwei Tennishallen auf Usedom dicht machten – in einer von ihr befindet sich jetzt Europas größte Schmetterlingsfarm – müssen die Zinnowitzer bis zu 50 Kilometer weit fahren, um einen Hallenplatz zu bekommen. „Viele von uns spielen im Winter nicht, das ist tragisch“, sagt Hardt. Im Sommer allerdings bieten die vier Anlagen der Insel auch für Urlauber herrliche Matchbedingungen.

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PROMINENZ IN DER PROVINZ: Karsten Braasch (li.) und Hendrik Dreekmann (4. v. re.) beim Kindertraining in Zinnowitz.

Neben Zinnowitz und Karlshagen gibt es auch Plätze in Bansin und Ahlbeck. Die Clubs bieten eine Stunden­pauschale für Touristen an (zwischen 10 und 15 €). Auch das ist Teil der Tennistradition auf Usedom. Schon früher, wenn die Berliner im Sommer auf die Insel strömten, bevölkerten sie die Plätze. Nach der Wende kamen viele Dauer­spieler aus den alten Bundesländern, die die anfangs niedrigen Preise ausgiebig nutzten. Nach wie vor sind die Clubs auf die Einnahmen durch Urlauberstunden angewiesen. Die „Court-Dichte“ auf Usedom ist mit 16 Sandplätzen auf 373 Quadrat­kilometern ungewöhnlich hoch für die Verhältnisse im Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern – mit 41 Vereinen, 175 Plätzen und 4.000 Spielern kleinster Landesverband im Deutschen Tennis Bund.

Sven Teetzen, der drei wunderbar gelegene Plätze in Bansin gepachtet hat, könnte die Anlage ohne die Gäste nicht bewirtschaften. „Alle Einnahmen werden in den Bestand des Clubs investiert“, sagt er. Sein Glück: „In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der gebuchten Stunden verzehnfacht“, versichert er. Ein Geheimtipp sind die Plätze also nicht mehr, aber seine Ruhe findet man dort nach wie vor.

Mehr Betrieb herrscht meistens beim TC Ahlbeck, der sportlichen Nummer eins der Insel. Das Herrenteam spielte 2013 in der Regionalliga, musste aber aus finanziellen Gründen 2014 zurückgezogen werden. Was jeder Tennisspieler auf Usedom weiß: Der letzte DDR-Meister heißt Jörg Krohn und kommt aus Ahlbeck. Noch so ein Kapitel Usedomer Tennisgeschichte.

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