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Zypern: Der Star ist die Insel

Wo die Götter Urlaub machen! Mit diesem Slogan werben Marketingstrategen schon seit Jahren für Zypern. tennis MAGAZIN reiste zum ersten Mal auf die Mittelmeerinsel und war begeistert: von Infrastruktur, Hotel, Essen – und Training



Fast zu kitschig. Tom Tolic sitzt in Badehose am Strand des Coral Beach Hotel & Resort, nippt an einem „Sex on the Beach“ und blickt in einen perfekten Sonnenuntergang. Palmen wiegen sich sanft im Wind, ein paar Meter weiter hört man das Meer gurgeln. Ein Fischerboot tuckert Richtung Hafen. Die Temperatur liegt jetzt, Anfang November, immer noch bei fantastischen 25 Grad. Tolic sagt: „So eine Reise veranstaltet kein anderer Tennisclub.“

Da mag er recht haben, der 49-jährige Kroate. Tolic ist Cheftrainer im Sporthotel Racket Inn. Seit sieben Jahren organisieren die Hamburger Tennisreisen nach Zypern, genauer-gesagt ins Coral Beach, einem Fünf-Sterne-Hotel im Westen der Mittelmeerinsel rund eine halbe Autostunde nördlich von Paphos gelegen. Der Sage nach ist die 30.000-Einwohner-Hafenstadt der Geburtsort der Aphrodite, der Göttin der Liebe. Zur Zeit der Römer war Paphos die Hauptstadt der Insel, die ungefähr halb so groß wie Hessen ist. Hier wimmelt es von Ausgrabungsstätten. Seit 1980 sind die Ruinen von Paphos Weltkulturerbe.

Über drei Millionen Touristen 2016

Coral Beach Hotel & Resort Zypern

DIE MACHER: Ronny Rothenberger, Chef des Racket Inn und sein Tennischef Tom Tolic (v.l.). Der Deutsche und der Kroate sind seit Jahren Zypern-Fans.

Rund 35 Jahre später boomt der Tourismus in dem EU-Staat. 2016 sollen nach Schätzungen des Fremdenverkehrsministeriums mehr als drei Millionen Touristen Urlaub auf Zypern gemacht haben – so viele wie noch nie. Klar, dass das Land von den Krisen in der Türkei, in Tunesien und Ägypten profitiert. Klar ist aber auch, dass Zypern mit seinem genialen Slogan „Wo die Götter Urlaub machen“ längst mehr ist als ein Geheimtipp. Das Autobahnnetz ist perfekt ausgebaut (Achtung: Linksverkehr!), das Klima, gerade jetzt im Spätherbst, ist mild, der Standard von Hotels und Gastronomie hoch. Wer einmal durch die neue Marina von Limassol, der Heimatstadt von Marcos Baghdatis im Süden der Insel, flaniert ist, wird sich vorkommen wie in Marbella, Nizza oder St. Tropez – gediegene Yachten, schmucke Bars, Cafés und Restaurants, aus denen Livemusik schallt, vollgestopft mit schönen Menschen in Abendkleidern und feinen Anzügen.

Ronny Rothenberger hat das Potenzial Zyperns früh erkannt. Rothenberger ist der Chef des Racket Inns. Um diese Reise, Rothenbergers Sporthotel und die Philosophie dahinter zu verstehen, ist es hilfreich, die Vita des Hamburgers zu kennen. „Ronny ist ein Sportverrückter“, sagt Tolic und fügt gleich hinzu: „Im positiven Sinne.“ Wir sitzen inzwischen auf cremefarbenen XXL-Sofas auf der Hotelterrasse mit traumhaftem Blick aufs Levantische Meer. „Ich bin ein Sportliebhaber!“, verbessert Rothenberger süffisant, „ich übertreibe es nicht und kenne meine Grenzen.“

Die Biographie des drahtigen 72-Jährigen im Zeitraffer: Als Jugendlicher spielt er Turniere in den USA, ist dort die Nummer 22 im Junioren-Ranking. Bei der Orange Bowl, dem berühmtesten Junior-Turnier der Welt, startet er auch. Zehn Jahre lebt er in Puerto Rico. Anschließend verschlägt es ihn, wieder für zehn Jahre, nach Kanada. „Ich war fasziniert, wie Tennis dort kommerziell vermarket wurde, vom Ambiente in den Tennishallen“, sagt Rothenberger, der in Toronto auch mit Squash anfängt. Später wird der Globetrotter in der Sportart dreimal deutscher Meister.

Noch in Kanada ist eine Idee in seinem Kopf bereits gereift: Racketsport in Deutschland professionell aufziehen. Der Selfmademann verkauft seine Firma („Import diverser Waren nach Kanada“) und beginnt im Norden von Hamburg zu bauen – acht Außenplätze, ein Clubhaus und Squashcourts. „Alles fing 1976 an“, sagt Rothenberger und sieht aus wie einer, der nichts bereut hat.

Erfolgsstory Racket Inn

Coral Beach Hotel & Resort Zypern

TIEF IM WESTEN: Sonnenuntergänge gucken, am besten mit einem Getränk in der Hand, sind im Coral Beach Hotel ein Muss.

1982 kommt ein Hotel mit zehn Zimmern dazu, heute sind es 50. Das wird nix, habe man damals geraunt, wer will schon im Tennisclub übernachten? Doch von Kritikern ließ sich Rothenberger noch nie beeindrucken. Das Racket Inn wurde zur Erfolgsstory. Inzwischen erfreuen sich 1.600 Mitglieder an Tennis, Squash, Fitness und Wellness. Dazu kommen Hotelgäste von überall. 500 Mitglieder hat der Tennisclub Racket Inn, ein klassischer Verein.  Prominentestes Mitglied: Dieter Bohlen. Rothenbergs Credo: nie stehenbleiben, immer neue Reize für seine Kunden schaffen.

Zum Beispiel die Gruppenreise nach Zypern mit jährlich rund 25 Teilnehmern. Warum Zypern? „Weil ich etwas suchte, wo es auch im November noch warm ist“, sagt Rothenberger, der inzwischen rund 15 Autominuten vom Hotel ein Haus gebaut hat. Es habe sogar Überlegungen gegeben, eine kleine Tennisanlage zu errichten – „aber die Bürokratie hier ist zäh.“

Zurück ins Coral Beach Hotel und auf die vier Kunstrasenplätze. Die Campteilnehmer schlagen fleißig Bälle. Auf Court drei steht Nikolai Soloviev. Der 30-jährige Russe war früher einer der Topjunioren, trat gegen Nadal und Baghdatis an. Heute spielt er nur noch selten Turniere, gibt meist Training in Hamburg. Neben ihm füttert Tolic seine Trainingsgruppe mit Bällen. Zwei Stunden später ist der Arbeitstag für die Coaches beendet. Es gibt schlimmere Schicksale – nicht nur wegen der magischen Sonnenuntergänge.

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