Aggressives Spiel inklusive Netzangriffe: Sabine Lisicki.
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Vor vielen Jahren in Reichshof-Eckenhagen, etwa 60 Kilometer von Köln entfernt: Dr. Richard Lisicki übt mit einigen Schülern seiner Tennisakademie auf einem Hallenplatz. Nebenan, auf einem Squashcourt, tobt sich seine Tochter Sabine aus und donnert mit einem Tennisschläger den Ball an die Wände. Ein enormes Tempo haben die Schläge schon damals, obwohl Sabine erst acht Jahre alt ist. Vater Lisicki, promovierter Sportwissenschaftler, schaut mit einem Auge immer auf den Squashcourt, wo Sabine voller Leidenschaft auf den Ball hämmert. Ihm gefällt, was er dort sieht.
Dr. Richard Lisickis Dissertation trägt den Titel „Powertennis mit Präzision“. Und seine Tochter ist, auch wenn das ein wenig böse klingen mag, sein lebendes Versuchsobjekt. Jahrelang hatte Lisicki bei vielen renommierten Tennislehrern in aller Welt recherchiert und Erkenntnisse zur optimalen Ausbildung einer jungen, talentierten Spielerin zusammengetragen. Sabine, so der Plan, soll diese neuesten trainingswissenschaftlichen Befunde eines Tages umsetzen.
"Von ihr wird man definitiv noch etwas hören"
Der 19. April 2009 könnte so ein Tag gewesen sein. In Charleston, beim Family Circle Cup auf grüner Asche, bestreitet Sabine Lisicki das zweite Finale ihrer Karriere – gegen Caroline Wozniacki, zu diesem Zeitpunkt seit neun Matches ungeschlagen. Lisicki spielt ungeheuer druckvoll, serviert neun Asse, spielt die Dänin immer wieder aus, indem sie ihren aggressiven Grundschlägen ans Netz folgt, um dort mit tödlichen Volleys die Ballwechsel zu beenden. Wozniacki hat kaum Chancen. Ständig in der Defensive hat sie wenige Gelegenheiten, um ihr Spiel aufziehen. Lisicki überpowert sie regelrecht. Nur am Ende unterlaufen ihr ein paar einfache Fehler. Für einen kurzen Moment wackelt Lisicki und versiebt reihenweise Matchbälle. Dann, endlich, verwandelt sie den sechsten Matchpoint zum 6:2, 6:4-Sieg. Als 63. der Weltrangliste ist Lisicki die am niedrigsten platzierte Spielerin, die jemals in Charleston gewann. „Von ihr“, versichert Ex-Spielerin Mary-Joe Fernandez, die das Finale im US-Fernsehen kommentierte, „wird man definitiv noch etwas hören.“