BlackRock Masters Tennis

Das Popcorn-Match

Kennen Sie Popcorn-Matches? Nein? Michael Kohlmann hat den Begriff einmal erfunden. Ein Popcorn-Match ist ein Match, bei dem man sich zurücklehnen kann, genießen, schwelgen, auch in Erinnerungen. Gestern abend gab es so ein Match beim BlackRock Masters der Champions in London. Allerdings passt Popcorn nicht in die ehrwürdige Royal Albert Hall. Sagen wir, es war ein Champagner- und Lachsbrötchen-Match John McEnroe gegen Pete Sampras.



Bevor die Show beginnt und sich die Arena mit den plüschigen Logen langsam füllt, wird dem geneigten Zuschauer eine Videobotschaft präsentiert. Der Kopf von John McEnroe erscheint auf den fünf riesigen Screens am Hallendach und seine Stimme ertönt: Das ist eine Message für Sampras, Edberg und all die anderen. Ich bin zwar alt, aber ich bin nicht hierher gekommen, um zu verlieren, prahlt Big Mac.

Wenig später geht es los. Der taubenblaue Court wird in Dunkelheit getaucht. Spot auf John McEnroe. Aus den Lautsprechern dröhnt Go, Johnny, go. Dann betritt Sampras, die rappelvolle Arena, und vom Band röhrt es Born in the USA von Bruce Springsteen.


 

21 Grand Slam-Titel

Es ist eine besondere Paarung. Der Hallensprecher verkauft sie sogar als Weltpremiere: 21 Grand Slam-Titel auf einem Platz das hatte es noch nie gegeben. Sampras gewann 14, McEnroe 7. Um es vorwegzunehmen: Das Match war großartig, nicht nur, weil es immer wieder eine Augenweide ist, zu sehen wie McEnroe den Ball streichelt, die Volleys am Netz abtropfen lässt und sich beim Aufschlag fast mit dem Rücken zum Netz stellt.

In zwei Monaten wird McEnroe 50. Sampras sagt später: Ich bin beeindruckt, wie er noch spielt. Beeindruckt war man auch vom zwölf Jahre jüngeren Sampras. Im ersten Spiel lag er bei eigenem Aufschlag mit 0:40 zurück, aber dann kam er langsam in Fahrt: ließ Aufschläge krachen und stürmte bei fast jeder Gelegenheit ans Netz. Bis zum 3:3 im ersten Satz blieb die Partie ausgeglichen, und McEnroe hadert später: Hätte ich bloß die ersten Breakbälle genutzt. Danach kam Sampras ins Rollen, schlug zig Asse und Vorhand-Winner. Einige Fehler unterliefen ihm auch, aber der Klassenunterschied war zu groß. Nach der Schnapszahl-Spielzeit von 1:11 Stunden stand es 6:3, 6:4 für Sampras.

Ich habe großartig gespielt, er mittelmäßig, und ich habe klar verloren, sagt McEnroe, es war ein gutes Match, aber er hat es ein bisschen zu sehr genossen.

 

Sampras stiehlt Mac die Show

Vielleicht spielte McEnroe auf eine Szene an, als Sampras ihm die Show stahl. Schon im ersten Spiel begann Big Mac zu motzen, einmal schmiss er sogar den Schläger. Als Sampras ihm ein Ass um die Ohren schlug, und der Schiedsrichter den Punkt für Sampras zählte, konnte sich McEnroe kaum beruhigen. Der war drin, rief Sampras von der anderen Seite rüber. Und dann schritt er mit ausgestrecktem Arm und Ball in der Hand ans Netz, kletterte langsam darüber, schlenderte weiter zu McEnroes Aufschlagfeld und legte den Ball dorthin, wo sein Ass gelandet war. Es war das Hawkeye-Replay a la Sampras, und die Zuschauer bogen sich vor Lachen. Mac war fassungslos.

Nein, während seiner aktiven Zeit hätte er so etwas nicht gemacht, sagt Sampras später. Das Match hier ist ernsthafter Wettbewerb, aber auch Spaß.

Dieser Junge zerstört einen mit seinem Aufschlag, sagte McEnroe. Vor einem Jahr sagte er, dass Sampras immer noch in den Top 5 der Welt spielen könne. Von dieser Meinung weiche ich nicht ab. Andererseits würde er ihm nicht raten, zurück auf die Tour zu gehen, was Sampras auch nicht vorhat: Ein paar Matches alle drei Monate, etwas, auf das ich mich vorbereiten kann und meine Frau mich nicht immer im Haus hat, das reicht mir, scherzte Sampras. Bei ihm darf man sich noch auf einige Popcorn-Matches freuen.

Andrej Antic

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