PAT CASH AUSTRALIA WIMBLEDON

Pat Cash: „Wimbledon war wie gemacht für mein Spiel“

1987 schockte Pat Cash die Royals in Wimbledon. Erst schlug er Ivan Lendl, dann kletterte er in die Box zu seinem Anhang. Im Interview mit tennis MAGAZIN spricht er über alte Zeiten, Depressionen und sein berühmtes Stirnband.

Manchmal dauert es eben etwas länger – das Interview mit Pat Cash. Schon in Melbourne sollte es stattfinden, aber die Begegnung war nur kurz. „Sorry, Mate, aber ich schaffe es zeitlich nicht. Verabrede einen Termin mit meinem Manager. Ich rufe dich dann an“, versprach Cash und eilte wieder ins TV-Studio. Kein Problem, die Themen sind ja zeitlos – sein spektakulärer Coup in Wimbledon 1987, die Gegner von einst, seine Einschätzung über das Spiel von heute. Pat Cash in den 80ern spielen zu sehen, war ein Muss. Er war der „Crocodile Dundee“ des Tennis. Seine Spielweise: alles oder nichts. Ein paar Monate später, pünktlich vor Beginn von Wimbledon, klingelt das Telefon: „Hi, hier ist Pat. Wir können reden“ – sehr gerne!

Pat, ist Wimbledon Ihr Lieblingsturnier?

Wahrscheinlich schon, ich habe das Turnier gewonnen. Meine Australian Open-Bilanz war aber auch nicht übel. Dort stand ich zweimal im Finale. In Wimbledon kam noch ein Halbfinale dazu und ich erreichte zweimal das Doppel-Finale. Wimbledon war wie gemacht für mein Spiel. Damals sprangen die Bälle nicht so hoch ab. Das half beim Serve-and-Volley. Man konnte die Flugbälle flach halten. Es war schwierig, mich zu passieren.

Ist die Beschaffenheit des Rasens der Grund, warum Serve-and-Volley ausgestorben ist oder gibt es die Spieler nicht mehr?

Beides. Die Spieler aus den 80er- und 90er- Jahren – Sampras, Becker, Stich und ich – würden immer noch Serve-and-Volley spielen.Vielleicht würden wir nicht bei jedem Ball ans Netz stürmen, aber sehr oft. Ich habe allerdings immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass unser Stil Vergangenheit ist. Bei seinem Sieg gegen Federer 2013 spielte Sergiy Stakhovsky Serve-and-Volley bei jedem Punkt. Es war eine Freude, das zu sehen. Nach dem Match ging ich zu ihm und gratulierte ihm zu seiner Gala. Es war etwas, worauf Federer überhaupt nicht eingestellt war. Früher spielte Roger 30 Passierbälle im ganzen Turnier. Gegen Stakhovsky musste er 30 Passierbälle unter Druck spielen – in einem Match! Das war auch für ihn extrem ungewohnt.

Aber es war eine Ausnahme.

Ja. Die Spieler sind smart. Sie wissen, was sie tun müssen, um zu gewinnen. Das Spiel ist langsamer geworden: die Bodenbeläge, die Bälle. Die Saiten bringen so viel Power und Tempo mit sich. Die Reflexe am Netz müssen so schnell sein. Es ist völlig unmöglich, konstant Matches am Netz zu gewinnen.

Stimmt es, dass Sie bestimmte Saiten verbieten würden?

Es wäre eine gute Idee. Powersaiten machen durchschnittliche Spieler gut, fast schon zu gut. Und das killt den Volley. Es ist ein bisschen wie beim Golf. Durchschnittsspieler können mit den riesigen Drivern den Ball 200 Meter weit in die Mitte des Fairways schlagen. Das Equipment tut alles für sie. Beim Tennis ist es genauso. Je mehr die Schläger und Saiten das Spiel unterstützen, desto weniger Talent braucht man. Ich glaube auch, dass die Bälle schneller sein sollten. Kinder trainieren mit weichen Bällen. Wenn sie besser werden, bekommen sie schnellere Bälle. Turnierspieler sollten mit einem viel schnelleren Ball spielen. Aber im Moment benutzen sie die gleichen wie Clubspieler. Also gibt es lange Rallys. Wären die Bälle schneller, müsste man mehr Kontrolle und andere Fähigkeiten entwickeln.

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  1. Stefan Höfel

    Ich bin immer wieder über die unterschiedliche Beurteilung Ivan Lendls. Die Aussagen von Pat Cash und Michael Chang, der ja vor kurzem interviewt wurde, widersprechen sich. Ich kenne keinen Witz, den Lendl über andere gemacht haben soll. Bemerkenswert ist, dass ein Spieler wie Cash, der seine drei größten Einzelerfolge jeweils nach Siegen über Lendl hatte, nämlich nicht nur im Wimbledonfinale 1987, sondern auch jeweils im Halbfinale der Australian Open 1987 und 1988, sich so äußert. Ohne diese drei Erfolge wäre Cash nie im Finale der Australian Open gewesen und auch nicht Wimbledonsieger geworden. Bei Boris Becker ist ja ähnlich, was die Aussagen über Lendl und die Erfolge angeht. Schließlich gelangen Becker der einzige US-Open-Sieg 1989, der erste Australian-Open-Sieg und Übernahme der Weltranglistenspitze 1991, der erste Masters-Titel 1988 und die einzige erfolgreiche Titelverteidigung eines Grand-Slam-Titels in Wimbledon 1986 jeweils im Finale gegen Lendl. Dem Wimbledontitel 1989 und der Wimbledonfinalteilnahme 1988 gingen Halbfinalsiege über Lendl voraus. Vielleicht hätten die beiden mal bei den French Open im Finale antreten sollen. Hätte Becker dann dort den Titel gewonnen? Wer weiß? Das einzige Duelle auf Sand gewann Lendl 1985 gegen den frischen Wimbledonsieger im Halbfinale des damals noch auf Sand ausgetragenen Turniers in Indianapolis mit 5:7, 6:2, 6:2. Wenn ich mich richtig erinnere, dann war das Beckers erste Niederlage als Wimbledonsieger.


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