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Mail aus Mallorca: Sabine Lisicki ist zurück

Acht Monate lang bestritt Sabine Lisicki wegen einer Schulterverletzung kein Match. Zuletzt hatte sie im November die Hawaii Open gespielt. Auf Mallorca auf ihrem Lieblinsgbelag Rasen kam sie nun zurück.


Sabine Lisicki strahlt ihr Sabine-Lisicki-Strahlen, als sie im VIP-Bereich der Mallorca Open neben dem Pool und der Palme die drei Journalisten zur improvisierten Pressekonferenz empfängt. Einen New Yorker, einen Londoner und die tennisMAGAZIN-Reporterin. Für die Tenniswelt gab es an diesem Dienstag noch ein etwas bedeutsameres Comeback – denn Victoria Azarenka kam aus der Babypause zurück. Aber wie bedeutsam dieses kleinere Comeback des Tages für Sabine Lisickis Welt war, sah man ihr selbst an. „Ich habe das alles hier so vermisst, sogar euch und eure Fragen, guys“, sagt die 27-Jährige. Sie liebe nichts mehr auf der Welt, als Tennis zu spielen. „Und mich endlich wieder messen zu können.“ Sie benutzt das englische Wort „to compete“. Eine Wohlfühl-Rückkehr auf ihrem Lieblingsbelag Rasen und dann noch auf Mallorca – es hatte wohl alles so sein sollen. „Mallorca ist ein schönes Fleckchen auf dieser Welt. Das denkt man gar nicht, weil es nicht so einen guten Ruf hat“, hatte die Wimbledon-Finalistin von 2013 schon am Montag dem Inselradio gesagt.

Lisicki ist zurück

Durch ihre Schulterverletzung fiel Sabine Lisicki, die für die Mallorca Open eine Wild Card erhielt, auf Position 144 im WTA-Ranking zurück. Für Wimbledon hat sie ein „Protected Ranking“ von 92, mit dem sie direkt im Hauptfeld steht.

Dieses Lächeln und diese Augen, die wie angeknipst losleuchten, haben der Tour gefehlt. So etwas ähnliches flötet ihr auch eine Frau in der VIP-Lounge zu, die wie Natascha Ochsenknecht aussieht (und es bestimmt auch ist). Und das sagt auch, etwas ernsthafter, die Bundestrainerin und Turnierbotschafterin Barbara Rittner: „Es ist schön einfach schön, dass Sabine zurück ist. Das ist die Hauptsache! Und dass sie jetzt viel Matchpraxis sammelt.“

Rittner verfolgte das Match auf „Pista 3“, dem zweitgrößten Court der Anlage, von der Tribüne, auf der jeder der etwa 100 weißen Klappstühle besetzt war (zu 90 Prozent mit deutschen Touristen). Die Partie hätte auch gut auf dem 2.500 Plätze fassenden Centre Court angesetzt werden können. „Nur den Ausgang wünscht man sich natürlich nicht“, sagt Rittner. Denn Lisickis Gegnerin, die an Nummer fünf gesetzte Kiki Bertens, war ausgerutscht, hatte sich offenbar eine Bänderverletzung am rechten Fuß zugezogen und konnte zwar noch irgendwie den zweiten Durchgang gewinnen, gab dann aber beim Stand von 6:2, 3:6 aus Lisickis Sicht auf. Auch Lisicki dachte erst mal an ihre verletzte Kontrahentin und hätte sich ihren ersten Sieg des Jahres 2017 anders gewünscht. „Kiki tat mir sehr leid. Ich weiß, wie sich Verletzungen anfühlen.“

Lisicki wurde in der Reha-Zeit zum Serienjunkie

An ihre langwierige Schulterverletzung erinnerte am Dienstag noch ein blaues Tape an der rechten Schulter. Was genau sie eigentlich gehabt habe? Eine Entzündung der Bizepssehne, erklärt Lisicki. Sie habe zwischen Florida und München endlos viel Zeit bei Ärzten verbracht – und in der Reha „mit diesen vielen kleinen, nervigen Übungen“. „Ich konnte nicht mal laufen gehen, weil man mit der Schulterverletzung auch nicht joggen kann. Das war auch nervig, weil ich es liebe, durch den Wald zu laufen, um den Kopf zu entspannen und frei zu kriegen.“ Stattdessen saß Lisicki ständig auf dem Fahrrad-Ergometer. „Immer mit meinem iPad. Ich habe in meinem Leben noch nie zuvor so viele Serien geguckt“, erzählt sie lachend. „Und jetzt will ich erst einmal keine Ärzte mehr sehen.“

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Sabine Lisicki zeigte bei ihrem Comeback eine gute Leistung, vor allem im ersten Satz, in dem ihr einige feine Vorhand-Stopps und Volley-Abschlüsse gelangen. Sie trifft an diesem Mittwoch im Top-Match am Abend auf dem Centre Court auf Shelby Rogers (WTA 70) aus den USA.

Ihr Vater ist wieder ihr Trainer

Sie wollte diesmal unbedingt vermeiden, zu früh zurückzukehren und dann gleich wieder auszufallen. „Das ist mir leider schon zu oft passiert. Auch im letzten Jahr, als ich unbedingt an den Olympischen Spiele in Rio teilnehmen wollte – und danach die Saison im Eimer war.“ Ob sie nervös gewesen sei vor diesen ersten Einzel seit einer Ewigkeit? „Um ehrlich zu sein: Ich habe zwar geschlafen wie ein Baby letzte Nacht, aber heute morgen war ich dann plötzlich super nervös.“ Ihr Doppel-Auftritt am Montag mit Genie Bouchard (4:6, 6:4, 6:10 gegen Julia Görges/Xenia Knoll) sei viel entspannter gewesen. „Jetzt musste ich ja alleine auf den Platz. Als es dann hieß „Ready? Play!“ Puh! Aber als ich mein erstes Aufschlagspiel dann gleich durchgebracht habe, dachte ich: Nicht schlecht!“

Begleitet wird sie auf Mallorca von ihrem Vater Richard und ihrer Mutter Elisabeth. Ihre Mutter trug ihr die Trinkflaschen, ihr Vater machte mit ihr die Stretching-Übungen mit Bändern auf dem Warm-up-Rasen am Pool, rief während der Partie ein paar Mal „Bravo“ und wurde von Lisicki zum On-Court-Coaching gerufen, als Bertens ihr Medical Timeout genommen hatte. Lisicki bestätigt, dass ihr Vater Dr. Richard Lisicki jetzt wieder ihr Trainer ist.

„Ich habe mit ihm und Nick wieder in Florida gearbeitet wie in alten Zeiten.“ Nick ist natürlich Nick Bollettieri. Der mittlerweile 85-Jährige ist tatsächlich noch jeden Tag in seiner IMG Academy in Bradenton, wie sie sagt. Für sie sei dieses vertraute Team, das unter dem Motto „back to the roots“ stehe, wichtig gewesen in einer ziemlich schweren Phase. „Ich habe mich erst mal eine Zeit lang zurückgezogen.“ Eine Grüblerin sei sie aber noch nie gewesen: „Ich bin ein positiver Typ, so bin ich einfach, ich gucke immer nur nach vorn. Und ich habe immer noch meinen Enthusiasmus und meine Träume“, sagt die ehemalige Nummer 12 der Welt. Sabine Lisicki war eigentlich gleich wieder die alte Sabine Lisicki. Und das ist auch gut so. Hinter ihrem Lächeln erkennt man inzwischen aber auch eine Verletzlichkeit.

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  1. Bonhomme Richard

    Hoffentlich hat sie auch diese leidige Episode mit dem unsäglichen Pocher ohne bleibende seelische Schäden verarbeitet. Ich wünsche ihr viel Erfolg für die kommenden Turniere, dass sie bald wieder ihr bestes Tennis spielt und zeitnah in die Top 100 zurückkehrt. Wenn man so die Leistungen der Barthels, Becks und Petkos unter den deutschen Damen betrachtet, sehnt man sich geradezu nach Lisicki zurück! Und unter dem Nachwuchs ist mir außer Lottner und mit Abstrichen Hobgarski auch noch niemand weiter positiv aufgefallen.


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