TENNIS-GBR-WIMBLEDON

Lisicki besiegt Kanepi – noch zwei Schritte zum Titel

London (SID) Ausgelassen hüpfte Sabine Lisicki über den Platz, drehte sich im Kreis und strahlte ins Publikum: Auf den Tag genau 25 Jahre nach dem ersten Triumph von Steffi Graf hat die blonde Berlinerin zum zweiten Mal bei ihrem Lieblingsturnier in Wimbledon das Halbfinale erreicht. Gegen die Estin Kaia Kanepi bestätigte „Doris Becker“ mit 6:3, 6:3 eindrucksvoll ihren Sensationssieg über Serena Williams und ist nur noch zwei Schritte vom Grand-Slam-Titel entfernt.



„Ich bin sehr glücklich. Das war ein unfassbares Match gestern und ich musste dafür sorgen, runterzukommen“, sagte Sabine Lisicki, nachdem sie im einsetzenden Nieselregen alle Autogrammwünsche geduldig und dauergrinsend erfüllt hatte: „Mit der Erfahrung von drei Viertelfinals hier habe ich das gut hinbekommen.“

Im Halbfinale wartet am Donnerstag Vorjahresfinalistin Agnieszka Radwanska (Polen/Nr. 4) oder Li Na (China/Nr. 6). „Ich hatte große Herausforderungen auf dem Weg ins Halbfinale, deshalb bin ich in diesem Jahr mehr bereit dafür“, sgate Lisicki. Lösbare Aufgaben, sagen auch die Buchmacher im wettbegeisterten England. Mit dem Coup gegen Titelverteidigerin Serena Williams avancierte Lisicki in den Wettbüros zur Favoritin auf den Sieg beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt. „Ich will jedes Spiel gewinnen, nur so gehe ich auf den Platz“, sagte sie, „dann werden wir sehen, was am Donnerstag passiert.“

Gegen Kanepi lieferte Lisicki jedenfalls eine blitzsaubere Vorstellung ab. Vom ersten Ballwechsel, den sie mit einer krachenden Vorhand gewann, bis zum Matchball, den sie nach nur 65 Minuten mit einem gepeitschten Vorhandvolley vollendete, blieb die Weltranglisten-24. hoch konzentriert. Die Anspannung, angesichts der großen Chance, nach 2011 erneut das Halbfinale im All England Club zu erreichen, war ihr anzumerken, und doch blieb Lisicki spielfreudig.

Mit auffällig vielen Stopps und Winkelbällen ließ sie Kanepi nie ins Spiel kommen. Auf der Tribüne lehnte sich Bundestrainerin Barbara Rittner entspannt zurück, bis auf eine Schwächephase zu Beginn des zweiten Satzes, als ihrem Schützling zwei Doppelfehler und der einzige Aufschlagverlust unterliefen, musste sie sich keine Sorgen machen. Lisicki dominierte die Estin, die in Runde zwei gegen Angelique Kerber (Kiel) gewonnen hatte und zum zweiten Mal nach 2010 im Viertelfinale von Wimbledon stand.

Das Break zum 1:2 holte sie sofort wieder auf, auch weil Kanepi ihr Aufschlagspiel ebenfalls mit einem Doppelfehler abschenkte. Die Weltranglisten-46., die in Estland als einer der größten Sportstars gilt, knüpfte im gesamten Match nicht an die Leistung aus dem Achtelfinale an, in dem sie die britische Hoffnungsträgerin Laura Robson bezwungen hatte – was allerdings vor allem an Lisickis drückender Überlegenheit lag.

Für ihr furioses Angriffstennis, das selbst Powerfrau Williams am Tag zuvor in die Ecke gedrängt hatte, wird Lisicki in London „Boom Boom Bine“ gerufen. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg auf dem Heiligen Rasen ist neben dem Aufschlag, der oftmals mit beinahe 200 km/h ins gegnerische Feld zischt, jedoch die Defensive. Lisicki verteidigt glänzend, mit außerordentlicher Raumaufteilung auf dem gesamten Platz und schnellen Beinen an der Grundlinie.

Ihre Schläge, ihre Laufarbeit und ihre Einstellung sind wie geschaffen für das Spiel auf dem schnellsten aller Tennisbeläge. Lisicki liebt Wimbledon, sie liebt den Rasen und die Atmosphäre im Londoner Südwesten. Das betont sie immer wieder. Weil sie die Briten damit an den dreimaligen Champion Boris Becker erinnert, der als BBC-Experte noch immer omnipräsent und außerordentlich beliebt in Wimbledon ist, tauften sie Lisicki liebevoll um: „Doris Becker“ heißt sie schon seit ihrem Halbfinaleinzug im Jahr 2011.

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