U.S. Open – Day 7

US Open Stories: Das „Green Slam“-Märchen

Anna-Lena Grönefeld, die letzte Deutsche, ist ausgeschieden leider. Eine Chance, sich jetzt um ein Thema zu kümmern, dass sonst kaum mit Tennis in Verbindung gebracht wird: Umweltschutz! Ja, sogar in den USA befasst man sich damit. Wie jetzt auch die Veranstalter der US Open.



Ihre Vorhaben sind aller Ehren wert. 70.000 Tennisbälle werden 2008 beim Grand Slam-Turnier in New York verbraucht. Sie sollen erst dem Jugendtraining des Amerikanischen Tennisverbandes (USTA) zu Gute kommen, danach wird ihr Gummi zur Produktion von Krankenhausartikeln verwendet. Außerdem werden die etwa 750.000 Wasserflaschen, die in zwei Turnierwochen geleert werden, recycelt – und nicht einfach weggeworfen. Und die 2,7 Millionen Servietten, mit denen sich die Fans Mund und Hände nach ihrem Snack abwischen, bestehen zu 90 Prozent aus wiederverwertbaren Materialien. Der komplette Strom des Spektakels im Corona Park etwa 2000 Megawattstunden wird aus Windenergie-Anlagen gewonnen. Ein Fünftel aller Autos, die zum Turnierfuhrpark gehören und 24 Stunden am Tag Spieler, Promis, Trainer und Funktionäre durch ganz New York City karren, werden mit Hybridmotoren angetrieben. Alles Gründe, um das letzte Grand Slam-Turnier des Jahres kurzerhand in Green Slam umzutaufen.

Größte Zuschauermenge weltweit

Wer sich allerdings auf der Anlage einige Tage aufhält, kommt unweigerlich zu dem Schluss: Das können die nicht Ernst meinen! Auf keinem anderen Turnier der Welt wird so viel Müll produziert wie hier. Das liegt natürlich auch an der größten Zuschauermenge weltweit (über 700.000 Fans). Was aber entscheidender ist: Von Müllvermeidung haben sie hier noch nie etwas gehört. Egal, was man kauft: alles ist doppelt und dreifach verpackt. Und alles kommt immer hübsch in eine Plastiktüte. Geschirr ist grundsätzlich nur zum Wegwerfen gedacht. Selbst im Presserestaurant werden nur Pappteller, Plastikbesteck und Einweggläser gereicht. Es kommt mir so vor, als ob ich den ganzen Tag nur leere Flaschen, gebrauchte Teller, leere Tüten und unnütze Plastikverpackungen in riesige Tonnen werfe was vielleicht auch an meinem ausgeprägten Hungergefühl liegen könnte. Aber ernsthaft: So viel wie hier habe ich innerhalb einer Woche in meinem ganzen Leben noch nicht weggeschmissen.

Für die leeren Wasserflaschen stehen übrigens extra pinkfarbene Abfallbehälter bereit. Aber auch Mülltrennung ist nicht gerade eine Idee, mit der die Fans viel anfangen können. Sie machen sich nicht die Mühe, zu zwei Tonnen zu laufen, nur um die Flasche woanders zu entsorgen.

Dann die Sache mit den Hybrid-Autos. Es ist zweifelsfrei schön, dass einige von ihnen im Einsatz sind. Nur: Der Fuhrpark besteht ausschließlich aus aufgemotzten, PS-starken SUV´s  (Sport Utility Vehicles). Denn die Straßen hier sind so unglaublich uneben, dass man nur mit einem Geländewagen inklusive Vierradantrieb vorankommt, logisch.

Blaue Plätze, grünes Denken

„Unsere Plätze mögen blau sein, aber wir denken grün“, ertönt es regelmäßig aus den Lautsprechern auf der Anlage. Und dann folgt der Tipp der Stunde. Zum Beispiel: „Elektrogeräte, Spielkonsolen, Computer verbrauchen auch im Stand-By-Modus Strom. Einfach mal richtig ausschalten und den Stecker ziehen.“

Anscheinend müssen die Amis noch viel lernen. Aber gut: Vielleicht wirken diese erzieherischen Maßnahmen ja irgendwann. Billy Jean King, Altmeisterin des US-Tennis und Initiatorin von „Green Slam“, stellte auf einer Pressekonferenz klar: „Es geht uns um die keinen Dinge des Alltags. Wenn wir dort bei einigen Fans etwas verändern, haben wir schon viel erreicht.“

Immerhin: Es tut sich etwas bei den US Open in Sachen Umweltschutz. Gleich von einem Green Slam zu sprechen, ist aber ein Märchen.

Tim Böseler, Redakteur, berichtet täglich in seinem Blog „US Open Stories“ aus New York City

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