Der neu gestaltete Mixed-Wettbewerb bei den US Open löste 2025 viel Kritik aus. Nun hat der US-Verband reagiert – mit einer vorgeschalteten Qualifikation.
Als im Februar 2025 bekannt wurde, dass die US Open in der Vorwoche der Hauptfeld-Wettbewerbe ein neues Mixed-Format im Kurzformat über zwei Tage und nur für 16 Teams aufgleisen würden, drückten insbesondere die Doppelspezialisten der Tennisszene ihr Bedauern zum neuen Modus aus. Denn: Die US Open gestalteten den Mixed-Wettbewerb vor allem deswegen derart drastisch um, damit mehr Einzelspieler und -spielerinnen an ihm teilnehmen konnten. Für die Spezialisten fielen damit Startplätze und auch Verdienstmöglichkeiten weg.
Laura Siegemund: „Zum Showevent degradiert“
Auf Nachfrage von tennis MAGAZIN kritisierte damals Doppelexpertin Laura Siegemund die „Mixed-Revolution“ in New York massiv. Siegemund hatte das Mixed-Turnier 2016 in New York an der Seite des Kroaten Mate Pavic gewonnen. „Ein ernsthafter Wettbewerb wird zu einem kurzen Showevent degradiert, dessen Zählsystem Gewinnen oder Verlieren eher zur Glückssache macht als zum Qualitätsmerkmal“, sagt sie. Hintergrund der Kritik: Abgesehen vom Finale werden in den Mixed-Partien bei den US Open künftig nur noch Sätze bis vier gespielt.
US Open-Mixed: viel Geld, kurze Sätze und ein neuer Termin für mehr Stars
US Open Mixed 2025: Diese Top-Paarungen stehen in der Entry List
Ein weiterer Punkt, den Siegemund monierte, war die Zusammenstellung des Teilnehmerfeldes: Acht Duos qualifizierten sich über ihr Einzelranking, weitere acht Paarungen erhielten Wildcards. „Hier kreiert der US-Verband ein Event, in dem er weitgehend selbst bestimmen kann, wer spielt und wer nicht, anstatt faire Teilnahmebedingungen für alle zu schaffen“, empörte sich Siegemund.
US Open Mixed mit vielen „Big Names“
Am Ende ging die Rechnung für die Veranstalter auf, den in dem Mixed-Feld wimmelte es nur so von „Big Names“, die schon in der sogenannten „Fan Week“ für gut gefüllte Tribünen in den beiden Hauptstadien sorgten. 239.307 Zuschauer kamen in der ersten Woche nach Flushing Meadows – ein neuer Rekord. Nur: Die Doppelspezialisten guckten in die Röhre, ldiglich ein einziges Spezialisten-Duo durfte per Wildcard mitspielen – die Titelverteidiger Sara Errani und Andrea Vavossori. Das schließlich ausgerechnet die beiden den Titel und damit eine Million Dollar Preisgeld holten, war eine wunderbare Wendung.
And when the most entertaining mixed doubles duo from the 2025 US Open wins Roland-Garros 2026… what happens then?? https://t.co/L6cpDFdwVr pic.twitter.com/WBkqK454LW
— Nick Hutchins (@nicholasrhutch) May 29, 2026
Aber: Die US Open reagieren nun auf die anhaltende Kritik der Doppel-Experten und führen ab 2026 eine Qualifikationsrunde für den Mixed-Wettbewerb ein, an der acht Teams teilnehmen können, die ausschließlich aus Doppelspieler und -spielerinnen bestehen. Zwei der Paarungen, quasi die beiden Finalisten des Achter-Feldes, sichern sich jeweils einen Startplatz im Mixed-Hauptfeld. Dieses wird sich dann – so die USTA – aus acht Teams, die sich über das Einzelranking qualifizieren, sechs Wildcard-Duos und eben zwei Quali-Paarungen zusammensetzen.
Gute Idee für Doppelspezialisten?
Die Frage ist allerdings, ob dieses Prozedere die reinen Doppelexperten wirklich ruhigstellen wird. Denn im Grunde fühlt es sich falsch an, dass die Spieler und Spielerinnen, die den Mixed-Wettbewerb über Jahrzehnte geprägt haben, nun fast schon ums Mitspielen betteln müssen. Andererseits: Im Vergleich zur Premiere wird sich die Anzahl der Spezialisten-Teams verdoppeln, immerhin.
Dass die US Open an ihrem neuen Mixed-Format festhalten würden, war klar. Dafür war der erwartbare kommerzielle Erfolg zu groß – auch wenn der Wettbewerb mit klassischem Grand Slam-Tennis nichts mehr zu tun hat, sondern mit purer Tennis-Unterhaltung. Das gemischte Doppel ist in New York zu einem Jux-Turnier für Besserverdienende geworden. Über diese Entwicklung lässt sich sicher trefflich streiten, aber die US Open haben auf diesem Weg eine weitere Einnahmequelle erschlossen, die mit ein Grund dafür ist, dass dieses Turnier von Jahr zu Jahr höherer Umsätze generiert.
Der deutsche Doppelspezialist Tim Pütz, der 2023 mit der Japanerin Miyu Kato in Roland Garros den Mixed-Titel holte, weiß dass das neue Format für ihn „grundsätzlich natürlich schlecht ist, wenn ich es rein egoistisch betrachte“. Gegenüber tennis MAGAZIN äußerte er 2025 aber auch Verständnis für die Mixed-Revolution der US Open.
„Man darf nicht vergessen, dass wir Teil der Tennis-Unterhaltungsindustrie sind“, gab er zu Bedenken. „Und ein komprimiertes Mixed-Format innerhalb der Fan-Week mit den Einzel-Stars, die dann den Ball durch die Beine spielen und viel Show machen, ist bestimmt ein gutes Entertainment-Event. Das oberste Ziel ist dabei natürlich nicht, das beste Mixed-Paar der US Open zu finden, sondern den Fans ein Spektakel zu bieten.“
So gesehen, gehen die US Open mit einer zusätzlichen Mixed-Qualifikation für die Doppel-Spezialisten nur konsequent ihren Weg.