Paradorn Srichaphan & Tamarine Tanasugarn: Thailands Tennisstolz
Pioniere in Gelb: Wie Paradorn Srichaphan und Tamarine Tanasugarn Thailand auf die Weltkarte des Tennis setzten.
Anfang der 2000er-Jahre veränderte eine kleine, aber eindrucksvolle Geste den ATP- und WTA-Zirkus: Wann immer Paradorn Srichaphan oder Tamarine Tanasugarn einen Court betraten, verneigten sie sich vor dem Publikum mit dem traditionellen thailändischen Wai – die Handflächen vor der Brust zusammengelegt.
Es war das Markenzeichen zweier Athleten, die Geschichte schrieben: Als erste Tennisprofis Südostasiens drangen sie in die absolute Weltklasse vor und lösten in ihrer Heimat Thailand einen beispiellosen Tennis-Boom aus.
Paradorn Srichaphan: Der Superstar mit dem „Thunder-Serve“
Im Jahr 2002 erlebte die Herren-Tour ein sportliches Erdbeben. Ein 23-jähriger Thailänder namens Paradorn Srichaphan stürmte die Weltrangliste von Platz 126 bis in die Top 20. Sein Durchbruch gelang ihm in Wimbledon, wo er in der zweiten Runde die ehemals Weltnummer eins Andre Agassi glatt in drei Sätzen aus dem Turnier warf.
Srichaphans Spiel war spektakulär: athletisch, kompromisslos aggressiv, getragen von einem wuchtigen Aufschlag und einer fulminanten Vorhand. Im Mai 2003 kletterte er bis auf Platz 9 der ATP-Weltrangliste – als erster asiatischer Herren-Einzelspieler der Geschichte in den Top 10.
In Thailand stieg „Ball“, wie er liebevoll genannt wurde, zum Volkshelden auf. Die Regierung befreite ihn vom Wehrdienst, eine Fluggesellschaft schenkte ihm Millionen Freimeilen und seine Auftritte brachten den Verkehr in Bangkok regelmäßig zum Erliegen.
Fünf ATP-Einzeltitel holte Srichaphan in seiner Karriere, ehe ihn ab 2007 anhaltende Handgelenksverletzungen bremsten und schließlich 2010 zum Rücktritt zwangen.
Tamarine Tanasugarn: Die Rasen-Expertin mit Steherqualitäten
Während Srichaphan für das muskulöse Power-Tennis stand, bestach Tamarine Tanasugarn durch Konstanz, taktische Klugheit und außergewöhnliche Steherqualitäten. Die in Los Angeles geborene Thailänderin avancierte über fast zwei Jahrzehnte zur verlässlichen Größe auf der WTA-Tour.
Ihre größte Stärke entfaltete „Tammy“ auf Rasen. Mit flachen, präzisen Schlägen feierte sie zwei ihrer vier WTA-Einzeltitel auf grünem Untergrund und etablierte sich als Schreckgespenst für die Weltelite. Sie besiegte im Laufe ihrer Karriere spätere und ehemalige Weltranglistenerste wie Amélie Mauresmo, Jelena Janković und Dinara Safina.
Der Höhepunkte ihrer Grand-Slam-Karriere folgte 2008: Im Alter von 31 Jahren kämpfte sie sich bis ins Viertelfinale von Wimbledon vor, wo sie sich erst der späteren Siegerin Venus Williams geschlagen geben musste. Mit Rang 19 im Einzel und Platz 15 im Doppel setzte Tanasugarn Maßstäbe, die im südostasiatischen Damen-Tennis bis heute unerreicht sind.
Srichaphan & Tanasugarn: Das sportliche Erbe zweier Legenden
Paradorn Srichaphan und Tamarine Tanasugarn zeigten, dass Tennis-Champions nicht zwingend aus den traditionellen Hochburgen in Europa, Nordamerika oder Australien stammen müssen. Sie öffneten Türen für nachfolgende asiatische Generationen und veränderten die Wahrnehmung des Sports in ihrer Heimat nachhaltig. Auch lange nach ihrem Karriereende bleiben die beiden die prägenden Gesichter des thailändischen Tennis.


