Jean-Claude Scherrer verstärkt das Team von tennis2business. Der 48- Jährige ist neuer Co-Standortleiter in Zürich. Hier erklärt er, warum Tennis so besonders für ihn ist.
Herr Scherrer, Sie verbinden mit tennis2business zwei Welten, die auf den ersten Blick unterschiedlich wirken. Welches primäre Ziel verfolgen Sie damit für Führungskräfte und Unternehmen?
Auf den ersten Blick wirken Tennis und Business unterschiedlich, im Kern sind sie es nicht. Beide leben von Fokus, Entscheidungen unter Druck, Umgang mit Rückschlägen und dem Respekt vor dem Gegenüber. Unser primäres Ziel ist es, Unternehmern und Führungskräften einen Raum zu geben, in dem sie sich ausserhalb der üblichen Rollen begegnen: ohne Titel, ohne Agenda, ohne PowerPoint. Auf dem Platz zeigt sich sehr schnell, wie jemand tickt – ob er fair spielt, wie er mit Fehlern umgeht, ob er kämpft. Das schafft Vertrauen, und Vertrauen ist die Grundlage jeder guten Geschäftsbeziehung. Gleichzeitig tun die Teilnehmenden etwas für sich selbst: Bewegung, Kopf frei, Energie. Für Unternehmerinnen ist tennis2business ein Instrument für Kundenbindung, Teamentwicklung und Recruiting – aber in einer Form, die die Leute wirklich gerne wahrnehmen.
Zürich ist bekannt für seine ausgeprägte Finanz-, Tech- und Beraterbranche. Welche Resonanz erleben Sie bisher bei den lokalen Unternehmen?
Sehr positiv, und ehrlich gesagt schneller, als ich erwartet hätte. Zürich hat eine hohe Dichte an Menschen, die in ihrem Job unter dauerhaftem Leistungsdruck stehen und gleichzeitig wissen, dass ihr Netzwerk ihr wichtigstes Kapital ist. Viele davon haben früher Tennis gespielt oder wollten es immer lernen. Wenn wir diesen Leuten sagen: Ihr könnt an einem Brunch / Lunch, Nachmittag oder Apero gepaart mit Tennis, beides verbinden – Sport auf hohem Niveau und Kontakte, die man sonst über Monate aufbauen müsste –, dann ist das Interesse da. Gerade Finanz-, Tech- und Beratungsunternehmen suchen nach Formaten, die sich vom klassischen Kundenanlass abheben und sich in den Businesssalltag integrieren lassen.
Richtet sich das Angebot eher an den ambitionierten Turnierspieler oder an den Tennis-Anfänger im Führungssessel?
Beide – und das ist kein Ausweichen. Wir bauen die Formate so, dass sie auf jedem Niveau funktionieren. Der ambitionierte Spieler bekommt bei uns echtes Training und Matchsituationen mit gleichwertigen Partnern. Der Anfänger im Führungssessel bekommt ein professionell begleitetes Einstiegsprogramm, bei dem er sich nie blossgestellt fühlt. Was beide gemeinsam haben: Sie lernen sich über den Sport kennen. Die Spielstärke ist auf dem Platz relevant, für die Beziehung danach ist sie es nicht. Ich habe schon oft erlebt, dass gerade der Anfänger den grössten Nutzen hat – weil er sich auf etwas Neues einlässt und das Gegenüber diese Offenheit sofort spürt.
Networking-Events gibt es in einer Wirtschaftsmetropole wie Zürich zuhauf. Was kann ein Ballwechsel auf dem Tennisplatz bei einer Geschäftsbeziehung auslösen, dass bei einem gewöhnlichen Apéro oder Abendessen nicht möglich ist?
An einem Apéro haben alle ihre Rolle: Man stellt sich vor, tauscht Visitenkarten, führt ein höfliches Gespräch und weiss nach zehn Minuten wenig über die Person. Auf dem Tennisplatz fällt das weg. Man kann sich beim Tennis nicht verstellen. Wie jemand einen verlorenen Punkt wegsteckt, ob er einen knappen Ball fair gibt, wie er seinen Doppelpartner unterstützt – das sagt mehr über einen Menschen aus als jedes Elevator Pitch. Dazu kommt das gemeinsame Erlebnis: Man hat zusammen geschwitzt, gelacht, sich geärgert. Danach beim Essen spricht man anders miteinander, direkter und persönlicher. Ein Apéro erzeugt Kontakte, ein Ballwechsel erzeugt Beziehungen.
Sie blicken auf eine erfolgreiche Profikarriere auf der ATP-Tour zurück und bringen enorme Erfahrung mit. Wie stark fliessen mentale Techniken und Taktiken aus dem Profisport in das Training und die Formate von tennis2business ein?
Bild: Andy WongLangjähriger Profi: Jean-Claude Scherrer stand im Einzel auf Platz 220, im Doppel war er die Nummer 77 der Welt.
Was ich auf der Tour gelernt habe, lässt sich fast eins zu eins auf Führung übertragen: Wie bleibe ich bei 5:5 und 30:40 im dritten Satz ruhig? Wie gehe ich mit einem Fehlentscheid um, ohne dass er mir das nächste Game kostet? Wie bereite ich mich auf einen Gegner vor, den ich nicht kenne? Routinen, der Fokus auf den nächsten Punkt statt auf das Resultat, das Akzeptieren von Fehlern, Körpersprache, der Umgang mit Druck – das sind Themen, die in unsere Formate einfliessen. Oft sind es kleine Dinge, die viel bewirken: ein festes Ritual vor dem Aufschlag, ein bewusster Atemzug nach einem verlorenen Punkt.
Wann ist ein tennis2business-Event für Sie persönlich ein Erfolg?
Wenn die Leute länger bleiben, als sie geplant hatten. Wenn ich am Ende zwei Personen sehe, die sich vorher nicht kannten und jetzt schon den nächsten Termin auf dem Platz abmachen. Wenn jemand, der seit zwanzig Jahren keinen Schläger in der Hand hatte, mit einem Grinsen vom Platz kommt und sagt, er hätte nicht gedacht, dass das immer noch so viel Spass macht. Und ganz ehrlich: wenn ich selbst mit dem Gefühl nach Hause fahre, dass Tennis an diesem Tag Menschen zusammengebracht hat. Das ist der Grund, warum ich das mache.
Infos tennis2business
2021 wurde tennis2business als Netzwerk für Unternehmer mit einer Passion für Tennis gegründet und umfasst mittlerweile acht Standorte und Mitglieder in der Schweiz und Deutschland. Die reguläre Mitgliedschaft kostet in der Schweiz 3.500 Franken und bietet zehn Events pro Jahr, darunter den t2b Cup, das Sommerevent und den Besuch eines grossen Turniers. In der Schweiz gibt es die Sektionen Aargau, Basel, Bern, Luzern und Zürich. Zusätzliche Standorte, auch in weiteren Ländern, sollen folgen. www.tennis2business.com