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ATP-Masters in London: Und die Party geht weiter

Von Tim Böseler, London

Es beginnt bei der U-Bahn, in London „tube“ genannt. Wer vom Stadtzentrum zur O2-Arena fahren will, muss dafür vier englische Pfund zahlen. Das sind knapp fünf Euro. Immerhin geht es zügig voran. Und an der Haltestelle „North Greenwich“ ist man zu Fuß in wenigen Minuten in der imposanten Halle mit der charakteristischen Zelt-Kuppel.

Hier treffen zum dritten Mal die besten acht Tennisprofis der Saison aufeinander. Das, was früher einfach nur Masters hieß, trägt heute den etwas sperrigen Namen „Barclays ATP World Tour Finals“. Um ins Innere des Riesenzeltes zu kommen, muss der Tennisfan wieder tief in die Tasche greifen. Es gibt zwar für jede der zwei Sessions am Tag (eine nachmittags, eine abends) vergleichsweise günstige Karten für 22,50 Pfund (ca. 26 Euro), aber dann sitzt man fast direkt unterm Zeltdach und kann die Spieler nur mit Mühe erkennen. Bessere Plätze kosten 31,75 Pfund (ca. 37 Euro) oder sogar 63 Pfund (ca. 73 Euro).

Ein Doppel, ein Einzel pro Session

Was man für diese Preise zu sehen bekommt, ist überschaubar: ein Doppel, ein Einzel – das war’s. Ach ja, im Doppel gilt die „No Ad“-Regel (bei Einstand entscheidet der nächste Punkt) und anstelle eines regulären dritten Satzes entscheidet ein Match-Tiebreak bis zehn die Partie. Die Einzelprofis spielen zwei Gewinnsätze. Die Spielzeit pro Session hält sich also im Rahmen. Auch wenn die Besten der Besten hier antreten und jedes Match wie ein Weltmeisterschafts-Boxkampf inszeniert und angekündigt wird: Die Eintrittspreise sind schon happig.
Bei einem Spaziergang durch die „O2“, wie die Londoner ihre neuste Event-Location verkürzt nennen, kommt man als Festlandeuropäer wieder ins Staunen. Ein Hot-Dog kostet 4,50 Pfund (mehr als fünf Euro), ein großes Bier genauso viel. Programmheft (10 Pfund/ca. 12 Euro) oder ein im typischen Blau des Turniers gehaltenes T-Shirt (25 Pfund/ca. 30 Euro) sind ebenfalls nicht gerade günstig.

35.000 Fans am Eröffnungstag

Die meisten Besucher stört das indes überhaupt nicht. Schon in den letzten Jahren waren die meisten Sessions ausverkauft. Selbst zu den Doppel-Matches, die immer vor dem Einzel-Höhepunkten angesetzt sind, war die Halle gut besucht. Genau das gleiche Bild auch beim Eröffnungstag. Zur Day-Session (mit Federer vs. Tsonga) und zur Night-Session (mit Nadal vs. Fish) kamen jeweils 17.500 Fans, insgesamt also 35.000 – komplett ausverkauft, mehr geht nicht. Dazu konsumieren die englischen Tennisfans kräftig. Es gehört zum Eventcharakter dieses Turniers, dass sie scharenweise Burger, Pommes und Bier zu ihren Plätzen schleppen. Und viele haben am Handgelenk noch eine Plastiktüte baumeln, vollgestopft mit Andenken zum Turnier. Beim Tennis knausern die Engländer nicht. Dafür ist die Stimmung auch grandios. Sie feiern hier eine große Tennisparty – egal, was sie dafür auf den Tisch legen müssen.

Und am Sonntag bekamen sie sogar richtig viel für ihr Eintrittsgeld geboten. Rafael Nadal brauchte fast drei Stunden, um den WM-Debütanten Mardy Fish 6:2, 3:6, 7:6 zu besiegen. Da auch das vorgeschaltete Doppel länger als üblich dauerte, kam es in der „tube“ von „North Greenwich“ zu tumultartigen Szenen. Das Match endete erst um 23.30 Ortszeit, der letzte Zug in Richtung London-City fuhr aber schon wenige Minuten später ab. Über 2000 Tennisfans erreichten ihn nicht mehr. Die meisten von ihnen mussten sich ein Taxi nehmen – das teure Ende eines teuren Tennistages.

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