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Borg McEnroe: Großes Kino mit klitzekleinem Manko

Es gilt als eines der größten Matches aller Zeiten. Im Finale von Wimbledon 1980 schlägt Björn Borg als bis dato erfolgreichster Spieler seiner Zeit den jungen Emporkömmling und die spätere Nummer 1 der Welt, John McEnroe, und gewinnt Wimbledon zum fünften Mal in Folge.

Sowohl die enorme Spannung  als auch die ungleichen Vorzeichen zeichnen diese Partie aus. Der legendäre Tiebreak im vierten Satz, den McEnroe 18:16 gewinnt, ist sinnbildlich für das Kräftemessen der beiden weltbesten Tennisspieler ihrer Zeit.  Dieses Finale alleine würde einen 90-minütigen Spielfilm füllen.

Das Wimbledon Finale 1980 in Zahlen

Datum:05. Juli 1980
Belag:Rasen
Ergebnis:1:6, 7:5, 6:3, 6:7 (16:18), 8:6 für Björn Borg
Spielzeit:3 Stunden 52 Minuten
Zuschauer:13.800
Preisgeld:20.000 ‎Pfund

Viel mehr als Tennis

Regisseur Janus Metz Pedersen blickt in seinem Kinofilm „Borg McEnroe“, der ab dem 19. Oktober in den deutschen Kinos zu sehen sein wird, deutlich über den Tennisplatz hinaus. In 100 Minuten Spielzeit wird der Turnierweg beider Sportler mit ihren persönlichen Prioritäten und Lebensweisen skizziert.

Hier der neueste Trailer zum Film:

Auf der einen Seite steht der hoch professionelle Superstar Björn Borg (Sverrir Gudnason), der sein Leben komplett dem fünften Wimbledon-Triumph unterordnet. Seine Spielvorbereitung ist die gleiche wie in den vier Jahren zuvor. Alles was er tut und was um ihn herum passiert, entstammt einem penibel entworfenen Plan. Einen klaren Plan hat auch John McEnroe (Shia LaBeouf); er möchte im Finale gegen Borg antreten und schaut zu ihm auf, McEnroe ist wild, viel auf Partys unterwegs und äußerst umstritten. Trotz aller Kritik und Konflikten weicht er nicht von seinem Weg ab – und setzt sich durch.

BorgMcEnroe Filmkritik Tennismagazin

Hat seine Emotionen nicht immer unter Kontrolle: John McEnroe (Shia LaBeouf).

Persönlichkeit im Fokus

Die beiden unterschiedlichen Charaktere verleihen dem Film außerhalb des Courts seine Spannung. Dabei wird von Beginn an auf die Entstehung und Entwicklung dieser geachtet. Zahlreiche Rückblicke in die Kindheit beider Spieler geben der Geschichte einen wunderbaren Tiefgang. Björn Borg gilt als schwieriger Charakter, während John McEnroe erfährt, dass man sich die Familie nicht aussuchen kann. Der Schwede steht jedoch etwas mehr im Fokus als sein Konkurrent McEnroe.

Besonders Borgs Lebensweg wird detailgetreu in seinen Schlüsselmomenten, die bis in die Kindheit zurückreichen, dargestellt. Ein charmanter Nebenaspekt ist die Tatsache, dass der junge Björn auch von Borgs reellem Sohn Leo Borg gespielt wird. Die Auswahl der Schauspieler ist äußerst gut gelungen, Sverrir Gudnason und Shia LaBoeuf weisen eine große Ähnlichkeit zu den Hauptcharakteren auf.

Die Beziehung zu seinem Trainer Lennart Bergelin ist ein weiteres großes Thema in Borgs Entwicklung. Diese ist laut Björn Borg in einer Konfliktsituation nicht ganz wahrheitsgemäß dargestellt. Bergelin, der in einer Szene den Teenager Borg schlägt, soll dies in der Realität nie getan haben. Auch wirkt der Film durch die Rückblicke phasenweise sehr düster; Besonders dann, wenn die Geschichte des schwedischen Superstars erzählt wird.

Borg McEnroe Filmkritik tennisMAGAZIN

Spielt eine zentrale Rolle: Björn Borgs Trainer Lennart Bergelin (Stellan Skarsgård)

Trotz Kritik am Puls der Zeit

John McEnroe gefällt der Film nicht. Nachdem er im Vorfeld die fehlende Kontaktaufnahme der Schauspieler kritisierte, empfindet er die Geschichte teilweise als falsch und zu dramatisch dargestellt. Die ebenfalls geäußerten Bedenken, das Spiel der damaligen Zeit könne nicht exakt genug dargestellt werden, haben sich jedoch nicht bewahrheitet – die Spielszenen sind gut gelungen. Björn Borg hingegen fand insgesamt lobende Worte für das Sportdrama.

Regisseur Janus Metz Pedersen achtet gezielt auf technische Feinheiten im Tennisspiel. Ansonsten spielt sich der Film in einem sehr zeitgemäßen Ambiente ab. Sowohl Requisiten, als auch Umgebung versprühen den Charme der Achtziger Jahre.

Sehr amüsant ist eine Szene, in welcher Björn Borg den Heimweg vom Training zu Fuß antreten muss, weil er die Schlüssel für seinen Sportwagen in der Umkleidekabine des Monte Carlo Country Clubs nicht findet und in ein monegassisches Café flüchtet. Den Espresso zahlt er – ohne Brieftasche – , indem er dem Barista beim Aufräumen hilft. Es ist eine kurze Sequenz, die das Leben eines Sportstars darstellt: Unbehelligtes Auftreten ist  schwer bis unmöglich, mit hohen Erwartungen ist umzugehen und Fan-Hysterie versucht man zu meiden. Dass dies mitunter zu komischen Situationen führen kann, wird hier mit einer Prise Humor eindrucksvoll gezeigt.

Zeitgemäß sind nach heutigen Standards auch die Spielszenen mit rasanten Schnitten dargestellt. Die Bewegungen sind schnell und dynamisch, der Betrachter bekommt auch dadurch rasch ein Gespür für die Bedeutung, die dieses Spiel im Nachhinein für den Tennissport hat. Die dramatisierende Musik trägt ihren Teil dazu bei, passt sich jedoch auch immer der jeweiligen Atmosphäre einer Szene an.

BorgMcEnroe Filmkritik Tennismagazin

Der Kopf rattert unentwegt: Björn Borg wird von Sverrir Gudnason glänzend gespielt.

Fazit

„Borg McEnroe“ ist ein in sich stimmiger Spielfilm, dem es gelingt, die Emotionen zu transportieren und zu vermitteln. Nicht nur absoluten Tennis-Fans sei er ans Herz gelegt, weil auch jeder allgemeine Sportfan und Tennis-Laie leicht in dieses Drama hineinfindet.

Einziges Manko: Der Film wird in der synchronisierten Variante ausgestrahlt. Die Originalversion variiert sprachlich zwischen Schwedisch und Englisch, wodurch eine faszinierende Atmosphäre entsteht. Der Rezipient hat quasi das Gefühl, live dabei zu sein.

Alles in allem aber ist „Borg McEnroe“ ein packender Sportstreifen für Jedermann.