BNP Paribas Open

Frischer Wind auf der Tour

Der Ukrainer Alexandr Dolgopolov mischt seit einem Jahr die ATP Tour auf. Der 22-Jährige fällt vor allem durch seine unkonventionelle Spielweise auf, die nichts für Tennis-Ästheten ist. Sein Spiel: äußerst effektiv, aber einzigartig. Es erinnert mehr an ein Computerspiel, als an Tennis. Dolgopolov beherrscht die ganze Palette: er kann den Ball früh, aber auch extrem spät schlagen, weich oder hart mit Topspin oder Slice. Das schelmische Grinsen auf seinem Gesicht zeigt pure Spielfreude. The Dog wird er von seinen Tourkollegen genannt. Unklar ist, ob sich der Spitzname aus der Kurzform seines Nachnamens oder seiner Spielweise ableitet, die an einen Hund erinnert. Eines ist klar: Der Junge hat Star-Potenzial. Auf seine verrückte Spielweise angesprochen meint Alexandr Dolgopolov nur: Ich versuche, unvorhersehbar zu spielen und meine Gegner in unbequeme Situationen zu treiben.
Sein Aufstieg hat sich längst angekündigt. Zu Beginn des Jahres 2010 fiel Dolgopolov bereits mit mehreren knappen Niederlagen gegen Top 20 Spieler auf. Spätestens nach dem Krimi in Wimbledon gegen Jo-Wilfried Tsonga, als Dolgopolov mit 8:10 im fünften Satz verlor, zeigte sich, dass da ein junger, vielversprechender Spieler heranwächst. In den Fokus von Medien und Spielern gelang er mit einer Partie gegen Rafael Nadal in Madrid. Dolgopolov spielte nicht einfach gegen Nadal, nein: Er ärgerte ihn mit seinem Spiel. Hart geschlagene Inside-Out-Vorhandbälle, Stoppbälle und Lobs brachten Nadal stellenweise zur Verzweiflung. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob Rafael Nadal von einem 21-jährigen Jungen mit Weltranglistenposition 62 dominiert würde.

Auf dem Tennisplatz aufgewachsen

Dass Alexandr den Weg zum Tennis fand, zeichnete sich früh ab. Sein Vater Olexsandr Dolgopolov Senior war ebenfalls als Profi unterwegs und spielte für das sowjetische Davis Cup-Team. Später coachte er Andrei Medvedev. So kam es, dass Alexandr seine Kindheit in den Players-Lounges der ATP-Turniere verbrachte. Sein Vater war ein strikter und extrem disziplinierter Coach. Alexandr war immer auf dem Platz dabei und rannte mit seinem Schläger den Bällen nach. Er entwickelte sich bereits früh, sagte Max Mirnyi der ebenfalls von Alexandrs Vater trainiert wurde. Da Dolgopolov bereits als Kind immer mit seinem Vater unterwegs war, verbrachte er die ganze Zeit mit Topspielern wie Andre Agassi, Boris Becker oder Andrei Medvedev. Bis ins Jahr 2008 wurde Alexandr Junior von seinem Vater trainiert. Doch The Dog wollte nicht mehr länger an der Leine des Vaters bleiben und arbeitet seither mit dem Neuseeländer Jack Reader. Der Lebemann Reader hat eine spezielle Beziehung zu Dolgopolov aufgebaut. Jack ist jemand der deine Meinung respektiert, auch wenn er eine andere hat. Er ist äußerst kommunikativ, aber wenn es um Tennis geht, spricht er weniger und hört mehr zu. Doch wenn er etwas sagt, ist es das Richtige, sagt Alexandr über seinen Trainer. Die beiden verbindet eine witzige Anekdote: Am Flughafen in Nizza werden die beiden beim Check-in angesprochen und gefragt, ob sie Beweismittel hätten, dass sie ein Paar seien. Jack Reader lacht verlegen und Alexandr Dolgopolov zuckt zusammen. Grund dafür war, dass Reader, um Geld zu sparen ein Spezialangebot gebucht hatte, welches jedoch ausschließlich für gleichgeschlechtliche Paare gedacht war. Mit den beiden wird es einem nie langweilig, bemerkt Max Mirny, der Zeuge dieser Szene wurde. Sie verbindet mehr als nur  die Beziehung zwischen Trainer und Spieler, und so teilen sie sich bis heute ein Zimmer auf der Tour. Wir sind in erster Linie beste Freunde und das ist gut so, beschreibt Dolgopolov die Beziehung zu seinem Trainer Jack Reader.
2011 – sein bestes Jahr

Seit Anfang des Jahres steht der Ukrainer in den Top 50 der Welt. Bei den Australian Open schaffte er den Sprung ins Viertelfinale. Auf dem Weg dorthin bezwang er unter anderem Jo-Wilfried Tsonga und Robin Söderling. Das Achtelfinale gegen den Schweden wurde zu einem Schießwettbewerb. Dolgopolov dominierte Söderling mit seinen kraftvollen Aufschlägen und druckvollen Grundlinienschlägen. Er hat ein vielfältiges Spiel und viele Möglichkeiten, die Punkte zu gewinnen. Es ist äußerst unangenehm, gegen ihn zu spielen, weil er die Bälle unglaublich beschleunigen kann, staunte Söderlings Trainer, Claudio Pistolesi. Durch seine Finalteilnahme in Acapulco vor wenigen Wochen, hat es Dolgopolov sogar in die Top 30 geschafft. Ein weiteres Kapitel in seiner Karriere hat der Ukrainer beim Turnier in Indian Wells geschrieben. Knapp 15 Minuten vor Meldeschluss zur Doppelkonkurrenz fragte ihn Xavier Malisse, ob er nicht Lust hätte, mit ihm Doppel zu spielen. Die fixe Idee wurde zu einer Erfolgsgeschichte: Die beiden traten zum ersten Mal zusammen an und holten gleich den Titel. Wir haben uns vor dem Turnier höchstens mal gegrüßt, wir kannten uns kaum, beschreibt Dolgopolov die erfolgreiche aber ungewöhnliche Partnerschaft der beiden. Von diesem Spieler wird man noch einiges hören.

Quelle: www.atpworldtour.com, aufgezeichnet von Lukas Reinhardt