TENNIS-FRA-OPEN-MEN

Mail aus Paris – Auftritte der Außenseiter

Felix Grewe – aus Paris

Es sind die kleinen Sensationen am Rande, die ein Grand Slam-Turnier in den ersten Tagen so aufregend machen. Geschichten, die selten etwas zu tun haben mit den Nadals, den Federers und den Sharapovas dieser Welt aber die einem am Ende eines Tages auf der Anlage von Roland Garros im Gedächtnis bleiben. Da wäre die Partie von Pablo Cuevas, der gestern auf Court 6 gegen Adriano Mannarino kämpfte und am Ende mit 7:5 im fünften Satz gewann. Ein Ergebnis, das keine Meldung wert sein dürfte, meinen Sie? Von wegen! Exakt zwei Jahre nämlich seit der ersten Runde der French Open 2011 bestritt der Mann aus Uruguay kein einziges Match auf ATP-Niveau. Damals verletzte er sich am Knie, ließ sich operieren und konnte monatelang keinen Court betreten. Plötzlich die Rückkehr als Nummer 762 der Weltrangliste beim zweiten Grand Slam-Turnier des Jahres. Und wer ihn beobachtete in seiner Erstrundenbegegnung gegen Mannarino als Nummer 110 immer noch Klassen besser platziert der sah einen Profi, der kämpfte, als würde er um sein Leben spielen, der von links nach rechts wieselte, zwischendurch so laut stöhnte, dass man es auf dem benachbarten Centre Court hätte hören müssen und der mit seinem Sieg nach über dreieinhalb Stunden einen kaum beachteten aber umso erstaunlicheren Erfolg feierte.
Pariser Klassiker mit Monfils

So wie Gael Monfils. Ein wenig erinnerte seine Partie am gestrigen Abend gegen Tomas Berdych an die epische Begegnung zwischen Paul-Henri Mathieu und John Isner in der zweiten Runde im letzten Jahr. Die war zwar mit 5:41 Stunden über 90 Minuten länger. Die Begeisterung der französischen Fans für LeMonf war aber mindestens genauso groß. Gael, Gael-Rufe hallten durch die Arena, rot-weiß-blaue Fahnen wurden geschwenkt, immer wieder gab es La Ola und am Ende einen ekstatischen Jubel als der Franzose, zurzeit nur noch die Nummer 81 der Welt, seinen ersten Matchball zum 7:6, 6:4, 6:7, 6:7, 7:5-Sieg verwandelte.
Etwas weniger emotional ging es einige Stunden zuvor auf Platz 17 zu, am hinteren Ende der Anlage, wo Radek Stepanek (34) gegen den 16 Jahre jüngeren Nick Kyrgios verlor. Nick, wer? Machen Sie sich nichts daraus, wenn Sie den Namen noch nicht gehört haben. Der Junge steht gerade einmal auf Position 262 der Weltrangliste. Er hat griechische Wurzeln, stammt aber aus Australien und gilt in seiner Heimat als Hoffnungsträger für die Zukunft. Das Besondere: Kyrgios, der im Januar die Juniorenkonkurrenz der Australian Open gewann und in der Junioren-Weltrangliste an der Spitze steht, ist mit 18 Jahren nicht nur der jüngste Spieler im Hauptfeld der diesjährigen French Open, sondern auch der Jüngste unter den ersten 300 der Weltrangliste. Mit seinem 7:6, 7:6, 7:6-Erfolg gegen Stepanek gelang ihm der erste Sieg im Hauptfeld eines Grand Slam-Turniers!
Überraschungssieg gegen Julia Görges

Es gab am gestrigen Tag in Paris viele bemerkenswerte Auftritte. Auch den von Daniel Brands, der bei seiner Viersatz-Niederlage gegen Rafael Nadal (6:4, 6:7, 4:6, 3:6) zwei Sätze lang so dominant spielte, dass seine Grundschläge immer wieder wie Geschosse links und rechts neben dem siebenmaligen Paris-Champion einschlugen. Oder den von Zuzana Kucova, ebenfalls eine, deren Name selbst Experten kaum ein Begriff war. Bis sie Julia Görges besiegte und zwar als fast 31-Jährige, die vor drei Jahren mit Platz 101 ihr höchstes Ranking erreichte, momentan nach einer langwierigen Ellenbogenverletzung gar nicht in der Weltrangliste geführt wird und nur durch ein sogenanntes protected ranking in Roland Garros starten durfte. Eigentlich kam die Slowakin nach Paris, um sich vom Profitennis zu verabschieden, erzählte sie, nachdem sie Deutschlands Nummer zwei die durch eine Verletzung des Handgelenks leicht gehandicapt war 7:6, 6:0 düpiert hatte. Kucova wollte noch einmal in der Qualifikation spielen, rechnete vor jedem Match damit, dass es das letzte werden würde. Jetzt steht sie in Runde zwei, trifft auf die Französin Virginie Razzano. Ihre Planung ändert sie trotzdem nicht. Was auch immer passiert ich werde nach Paris aufhören.

Zehn Stunden auf der Anlage von Roland Garros sie rasen an einem vorbei, wie ein TGV an französischen Kleindörfern. Doch besondere Geschichten bleiben immer hängen.

Tag 1 – Groundtickets für 200 Euro!
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