Porsche Tennis Grand Prix 2008

Pariser Flair in Schwaben

Die Zeit ist knapp. Vom letzten Matchball des Porsche Grand Prix 2008 bis zum ersten Aufschlag 2009 sind es gerade einmal 202 Tage. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass es sonst ein ganzes Jahr dauert, bis das Turnier wieder beginnt. Doch Turnierdirektor Markus Günthardt ist die Ruhe selbst. Es ist alles im grünen Bereich. Wir haben nach dem Turnier im letzten Jahr nicht lange abgewartet, sondern gleich mit der Vorbereitung für 2009 begonnen, sagt er entspannt.

Der Grund für die kurze Vorbereitungszeit ist der neue Turnierkalender der WTA. Der Tourfahrplan der Damen wurde zur diesjährigen Saison neu organisiert. Und im Zuge dessen wurde der Porsche Tennis Grand Prix, der 30 Jahre lang im Oktober gespielt wurde, in den April verlegt. Zuerst mussten die Verantwortlichen diesen Schock verdauen. Doch dann haben sie die Flucht nach vorn angetreten und sich für ein Sandplatzturnier in der Halle entschieden. Der Turnierchef persönlich hat die Spielerinnen von den Vorteilen überzeugt: Zuerst waren die Spielerinnen überrascht, aber wir haben die Idee aktiv verkauft und ihnen klar gemacht, dass sie sich in Stuttgart auf Roland Garros vorbereiten können. Da haben sie den Faktor Halle schnell vergessen.

Spielen wie in Roland Garros

Das Geheimnis des neuen Turniers ist der Bodenbelag. Es wird auf Sandplätzen gespielt, die denen beim Pariser Grand Slam Turnier nahezu gleich sind. Gebaut werden die insgesamt vier roten Sandplätze von der deutschen Firma Sportas, die ihren Sitz im westfälischen Olfen hat. Deren Gründer Hans-Joachim Schneider hat diesen einzigartigen Bodenbelag, der Tennis Force heißt, bereits vor zehn Jahren entwickelt und mittlerweile so perfektioniert, dass er als einziger Sandbelag von der ITF als offizieller Hallenboden für Profiturniere zertifiziert wurde.

Dieser Boden hat die Eigenschaft, dass das Ziegelmehl durch einen chemischen Zusatz immer optimal bespielbar ist. Das Wichtigste daran: Man braucht diese Plätze nicht zu bewässern. Sandplätze, die gewässert werden, trocknen irgendwann aus und müssen wieder mit Wasser gesprengt werden. Das ist bei unseren Plätzen nicht nötig. Die sind immer leicht feucht und verändern ihre Spieleigenschaften nicht. Die Courts brauchen nur abgezogen werden und sind dann spielbereit, erklärt der Platzbauer.
Vier Tennisplätze in eine Halle zu bauen, in der vor und nach dem Turnier vollkommen andere Veranstaltungen stattfinden, ist keine einfache Herausforderung. Die Platzmacher haben im Frühjahr lediglich eine knappe Woche Zeit, um die Bodenbeläge bis zum Turnierstart am 25. April in die Halle zu bekommen und die Plätze auf WTA-Niveau zu bringen.

140 Tonnen Ziegelmehl für die Porsche Arena

Dafür müssen 140 Tonnen Ziegelmehl in die Porsche Arena geschaufelt werden. Das Ziegelmehl wird mit einem geheimnisvollen chemischen Bindemittel direkt vor Ort gemischt. Die Basisunterlage jedes Platzes bildet ein 25 Millimeter starkes Tongranulat, auf dem eine dünne Kunststoffplane verlegt ist, die wiederum mit einer leichten Sandschicht bedeckt wird. Mit Hilfe einer lasergesteuerten Maschine wird dann das Ziegelmehl in einer Stärke von zwei bis drei Millimetern haargenau aufgebracht. Das ist exakt die gleiche Stärke, die auf den Plätzen in Paris aufgetragen wird.Die Courts von Roland Garros sind ein Mittelding zwischen einem normalen Sandplatz und einem Hardcourt, sagt Hans-Joachim Schneider. Die Bälle sind dort schneller und springen auch höher ab, als auf anderen Sandplätzen. Die Plätze in der Porsche Arena erreichen diese Spieleigenschaften zu 90 bis 95 Prozent. 

Genau diese Ähnlichkeit zu den Böden in Paris machen das Turnier für die Weltelite interessant. Ich habe den Spielerinnen gesagt, dass sie ohne Wind und Regen durchgehend trainieren und spielen können, sagt Turnierdirektor Markus Günthardt. Ein Argument, das im wetterlaunigen April durchaus für eine unbestreitbare Sicherheit bürgt. Und deshalb vertrauen die Verantwortlichen beim Porsche Tennis Grand Prix darauf, dass die Topspielerinnen, wie in den vergangenen 30 Jahren, im Ländle antreten. Auch wenn es keine Garantie dafür gibt.

Was wir in den letzten Jahren an Spielerinnen im Feld hatten, ist nicht mehr zu überbieten, schwärmt Günthardt. Das stimmt wohl, denn im letzten Jahr kämpften 17 der besten 20 Spielerinnen der Welt um den begehrten Schlüssel für einen Porsche Cabrio. Beim letzten Turnier auf Hardcourt kamen sogar die Williams-Schwestern nach Stuttgart. Beide bei einem Turnier zu haben, ist schon etwas Besonderes. Denn bis auf die Grand Slams und die wichtigsten WTA-Turniere vermeiden es die Schwestern tunlichst, gemeinsam bei offiziellen Events anzutreten. 2009 werden die Williams-Sisters allerdings nicht dabei sein.
Immerhin: Mit der Titelverteidigerin Jelena Jankovic sowie Dinara Safina und Elena Dementieva werden  drei Weltklassespielerinnen in Stutttgart erscheinen.

Geht die Erfolgsstory weiter?

Natürlich wird den Fans hochklassiges Tennis auf dem Centre Court geboten. Doch das ist nicht alles. Die Besucher können die Stars hautnah beim öffentlichen Training im Sport & Lifestyle Village erleben. Es gibt täglich Autogrammstunden und es werden verschiedene Aktionen veranstaltet, bei denen die aktiven Tennisfans mitmachen und Preise gewinnen können. Und nicht zu vergessen: Bereits am Samstag und Sonntag vor dem Turnier (25. und 26. April) gibt es Tennismatches zu sehen, wenn bei der Qualifikation die letzten heiß umkämpften Startplätze für das Hauptfeld ausgespielt werden.

Nachdem die traditionsreichen German Open in Berlin aus dem Turnierkalender gestrichen worden sind, ist der Porsche Grand Prix das letzte bedeutsame Damenturnier auf deutschem Boden. Das ist für Markus Günthardt  eine zusätzliche Motivation, das Experiment Sandplatztennis in der Porsche Arena zu wagen.

Achim Schneider/Tim Böseler Termin: 25. April 3. Mai 2009.
Teilnehmerinnen: Gespielt wird in einem 32er Feld. Gemeldet  haben Titelverteidigerin Jelena Jankovic, Dinara Safina, Elena Dementieva, Caroline Wozniacki, Viktoria Azarenka. Deutsche Starterinnen: Anna-Lena Grönefeld, Sabine Lisicki.
Website: www.porsche-tennis.de.
Tickets & Preise: Für die Qualifikation (25. + 26. April) kosten die Karten 5 . Preise für Tickets der Kategorie 1: 35 – 75 . Preise für Tickets der Kategorie 2: 30 – 65 . Dauerkarte Kategorie 1: 326 . Dauerkarte Kategorie 2: 290 . Finalpaket Cayman S (2. + 3. Mai.): 120 .
Ticket-Hotline: Kartenbestellungen bei Easy Ticket Service unter 0711-2555555. Im Internet: www.easyticket.de.