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Petzschner: „Bei einem normalen Turnier wären wir draußen“

Von Tim Böseler, London

Es war einer dieser Volleys, der selbst einen Kreisligaspieler vor keine allzu große Herausforderung stellt. Auf Kopfhöhe segelte der Ball in einem durchschnittlichen Tempo auf Philipp Petzschner zu, der wie so oft in diesem Match gegen die Bryan-Brüder beherzt den Flugball in der gegnerischen Hälfte versenken wollte. Doch Petzsche drosch den Ball an die Bande, also gute fünf Meter ins Aus. Danach servierte Partner Jürgen Melzer einen Doppelfehler.

Zwei ziemlich unnötige Fehler, die in der Endabrechnung des Matches gegen das stärkste Duo der Welt eine gravierende Rolle einnehmen sollten. Denn sie unterliefen der deutsch/österreichischen Paarung bei einer 7:6, 5:3-Führung. Es war das erste Mal in dieser Begegnung, dass Petzschner und Melzer schwächelten ausgerechnet so kurz vor dem Ziel. Sie hatten zwar noch einen Matchball, der bei Einstand in einem Doppel auf der ATP-Tour aber gleichzeitig auch ein Breakball für den Gegner ist. Die sogenannte No Ad-Regel macht es möglich. Die routinierten US-Doppelhelden holten sich diesen deciding point (Entscheidungspunkt) und hatten wenig später das ganze Match gewonnen (6:7, 7:5, 10:7). Der Match-Tiebreak anstelle eines dritten Satzes beschleunigte das Ende einer Partie, die durch zwei bittere Schnitzer komplett gekippt war.

Schönen Scheiß zusammen gespielt

Da haben wir uns einen schönen Scheiß zusammen gespielt, haderte Petzschner wenig später im Gespräch mit der deutschen Presse und meinte genau jene Patzer, die die Wende in dem Match einläuteten. Er hatte sich sein Baseball-Cap tief ins Gesicht gezogen und blickte düster in die Runde. Den großen Erfahrungsschatz der Gegner ließ er als Entschuldigung nicht gelten: Die haben ja nichts Tolles in dieser Situation gespielt. Und Partner Melzer ergänzte: Wir haben uns mit dem einen verlorenen Aufschlagspiel selbst um die Früchte des Erfolgs gebracht.
Wenig später hatte sich die miese Laune der Beiden etwas verzogen. Schließlich können sie froh sein, überhaupt hier in London antreten zu können. Erste wenige Tage vor Turnierbeginn war Melzer einsatzbereit, nachdem er sich bei seinem Heimatturnier in Wien eine Rückenverletzung zugezogen hatte. Wir müssen das erstmal verkraften, aber das Positive ist ja: Bei jedem normalen Turnier der Welt wären wir jetzt schon draußen hier haben wir noch zwei Matches, erklärte Petzschner die Vorzüge des Gruppenmodus, den es nur bei den ATP World Tour Finals gibt.

2010 Wimbledon-Sieg, 2011 US Open-Titel

Nicht nur deswegen ist das Jahres-Abschlussturnier insbesondere für Doppelspieler die attraktivste Veranstaltung des Jahres. Noch bedeutender ist: Sie bekommen hier eine Plattform geboten, die ihnen selbst die Grand Slam-Turniere nicht bieten. Bei den vier Majors dienen die Doppel eher als Lückenfüller und werden in der Regel auf kleineren Plätzen angesetzt wenn es sich nicht gerade um ein Endspiel handelt. In London sind die Doppel fester Bestandteil im Ablauf, sie sind das Warm-Up-Programm für jede der zwei Sessions am Tag. Hinzukommt das fachkundige Publikum, das auch von den Feinheiten im Doppel viel versteht. Es ist fantastisch, hier in London vor über 17.000 Fans ein Doppel zu spielen, schwärmte Melzer, der wie sein Partner diese Gefühle schon aus dem Vorjahr kennt, als sich beide erstmals qualifizierten. 2010 der Wimbledon-Sieg, 2011 der US Open-Titel diese Erfolge waren jeweils für die Qualifikation entscheidend.

Zweimal können Petzschner/Melzer die große Bühne in London noch genießen. Mittwoch (um 12.15 Ortszeit) spielen sie gegen Bhupathi/Paes, am Freitag (Uhrzeit steht noch nicht fest) gegen Lindstedt/Tecau. Wir können unser Ziel, das Halbfinale, noch erreichen, wenn wir zweimal gewinnen, hofft Petzschner. Was seine Hoffnung unterstützt: Wenn sie das Niveau des Matches gegen die Bryans annährend erreichen sollten, haben sie reelle Chancen. Falls sie aber Mittwoch erneut verlieren sollten, können sich beide auf eine schöne Ablenkung freuen. Mittelfeldspieler Sebastian Kehl von Borussia Dortmund, ein guter Freund von Petzschner, hat für das wichtige Gruppenspiel in der Fußball-Champions-League bei Arsenal London zwei Tickets hinterlegen lassen.

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