Spain v Serbia – Davis Cup World Group First Round Day 2

Tour Talk: Traumkulissen und Geistermatches

Glasgow, Braehead Arena: Die Briten verlieren ihre dritte Davis Cup-Partie in Folge. 2008 gingen sie erst gegen Argentinien, dann gegen Österreich unter und mussten nun in der Euro-Zone 1 antreten. Aber selbst da können sie nicht gewinnen: 1:4 vor heimischer Kulisse gegen die Ukraine. Englands Problem: Sobald Andy Murray nicht dabei ist, ist das Davis Cup-Team nur zweitklassig. Gegen die Ukraine sollte er eigentlich spielen. Extra für ihn wählte man Glasgow in Schottland aus, Murrays Heimat. Aber dann wurde er beim Turnier in Dubai krank und sagte die Partie ab. England reagierte hilflos. Nach zwei Tagen stand es schon 0:3. Murray ließ sich in Glasgow nicht blicken, was die englischen Fans erzürnte. Ein Armutszeugnis ist das, schimpfen sie auf englischen Tennis-Websites. Ob Murray im September gegen Polen mitspielt, ist mehr als fraglich. Für England geht es dann gegen den Abstieg aus der Euro-Zone 1 was für Abgründe!



Benidorm, Parque Tematico Terra Mitica: Wie die Luxusliga im Davis Cup aussieht, war im spanischen Benidorm zu bewundern. Spanien gegen Serbien vor 14000 Fans, das Knallerspiel der Weltgruppe. Die Zuschauer kamen in Strömen, selbst nachdem am Freitag kein einziger Ballwechsel auf dem Sandplatz gespielt wurde Tribünenschäden durch einen Orkan. Am Samstag ging es los und die Spanier überrannten das serbische Team. Einzelbilanz: 4:0 Punkte, 11:0 Sätze für Spanien, obwohl Serbien mit Novak Djokovic antrat. Nur das Doppel verloren die Spanier, die nun gegen Deutschland ein Heimspiel haben. Spanische Medien berichten, dass der Austragungsort wohl Teneriffa sein soll. Ein herrlicher Sommerausflug könnte das werden, auch wenn die Deutschen gegen Nadal & Co. wenig Chancen haben.Malmö, Baltic Hall: Die Schweden empfingen Israel, beide Teams lieferten sich die knappste Partie aller Begegnungen in der Weltgruppe (vier von fünf Matches gingen über fünf Sätze) und keiner bekam es mit. Aus Angst vor Demonstrationen gegen die Politik Israels waren Zuschauer in der Halle verboten. 1000 Polizisten sicherten das Gebäude, ein paar Betreuer und Angehörige saßen in den Boxen der Teams. Sie sahen einen Kampf bis zum letzten Ballwechsel. Zur tragischen Figur wurde Andreas Vinciguerra. Andreas wer … ? Vinicguerra war 2001, mit 20 Jahren, die Nummer 31 der Welt und galt als große schwedische Hoffnung. Verletzungen und Motivationsprobleme warfen ihn immer wieder zrück. 2006 bestritt er sein letztes Profimatch. Teamchef Wilander schenkte ihm aufgrund akuter Personalnot ein Comeback im Davis Cup, das bitter enden sollte. Am Freitag verlor er 6:8 im Fünften gegen Dudi Sela, zwei Tage später (Zwischenstand 2:2) 9:11 im Fünften gegen Harel Levy. Ich will nie mehr einen Tennisschläger sehen, sagte Vinciguerra, abgrundtief enttäuscht. Seitdem die Schweden in der Weltgruppe vertreten sind, und das sind sie schon seit 1925, haben sie noch nie eine 2:1-Führung verspielt. Ob es am fehlenden Publikum lag? Übrigens: Es waren nicht die ersten Geistermatches in der Geschichte des Davis Cups. 1975 gab es so etwa schon einmal auch in Schweden! Damals war Chile zu Gast bei den Skandinaviern. Wegen der unsicheren politischen Lage durch den Putsch von General Pinochet in Chile waren damals keine Zuschauer zugelassen.
Osaka, Namihaya Dome: 5:0 schlägt Japan China und wirklich interessant an dem Duell war nur eine Frage: Hält sich Japans Wunderkind Kei Nishikori an das Handyverbot von Teamchef Eiji Takeuchi? Für den Hintergrund: Als Nishikori beim ATP-Turnier in Memphis gegen Marcos Baghdatis spielte, klingelte plötzlich sein Handy. Es befand sich in seiner Jacke, die auf der Bank für die Pausen beim Seitenwechsel lag ziemlich peinlich. Als Takeuchi davon Wind bekam, verhängte er für die Davis Cup-Woche ein Handyverbot. Das Handy hat auf dem Platz nichts zu suchen. Kei soll zumindest lernen, den Vibrationsalarm zu aktivieren, schimpfte er. Ach ja, Nishikori hielt sich an die Vorgaben seines Kapitäns.

Toronto, Rexall Center: In der Amerika-Zone 1 traf Kanada auf Ecuador, das seit etlichen Jahren mit dem Bruderpaar Nicolas und Giovanni Lapentti über den Globus tingelt. Kanada war der Favorit, aber die Lapenttis sind im Davis Cup für ihre Überraschungstriumphe bekannt. 2000 schafften sie den Aufstieg in die Weltgruppe nach einem Sieg in England (mit Henman und Rusedski) auf Gras. Und jetzt dieses fantastische Comeback: Es stand 2:1 für Kanada und der kanadische Spitzenmann Frank Dancevic führte 3:6, 7:5, 6:4, 4:1 gegen Nicolas Lapentti, vor zehn Jahren die Nummer sechs der Welt. Der vierte Durchgang mündete im Tiebreak, Dancevic führte 6:4, hatte also zwei Matchbälle und verlor die Partie in fünf Sätzen. Danach siegte auch Giovanni Lapentti über Frederic Niemeyer 3:2 für die Südamerikaner. Diese Niederlage schmerzt mehr als alle anderen verlorenen Matches in meiner Karriere, jammerte Dancevic und brach vor 1200 Zuschauern in Tränen aus.

Tim Böseler

Tour Talk-Archiv:
– „Goldener Doppelfehler für die WTA-Tour“ (25.2.2009)
– „Big Macs Geburtstag & ein Bulgare greift an“ (17.2.2009)
– „Ein verlorener Schuh und Ärger am Morgen“ (12.2.2009)

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