Wayne Odesnik of the US hits a forehand

Wayne Odesnik: Auf Tour mit verbotener Fracht

Es war eine Routinekontrolle, als der US-Profi Wayne Odesnik, derzeit die Nummer 103 der Weltrangliste, am 2. Januar 2010 auf dem australischen Flughafen in Brisbane von Zollbeamten aufgefordert wurde, seine Taschen zu öffnen. Sie machten einen erstaunlichen Fund: Acht Ampullen mit jeweils sechs Milligramm HGH hatte Odesnik im Gepäck. Bei dem verbotenen Dopingmittel HGH (Human Growth Hormone) handelt es sich um Wachstumshormone, die Sportlern mehr Kraft und eine schnellere Regeneration in Aussicht stellen. In Verbindung mit Insulin ermöglicht es eine effektivere Energiebereitstellung. Und: Es ist extrem schwer nachweisbar. Es sei denn, man findet die Ampullen einfach so im Gepäck eines Sportlers wie bei Odesnik.

Damit ist der Fall eigentlich klar, auch wenn der 24-Jährige beteuert, niemals HGH oder andere verbotene Substanzen eingenommen zu haben. Doch laut Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zieht schon allein der Besitz möglicher Dopingmittel Strafen nach sich und kann unter Umständen wie ein positiver Dopingtest behandelt werden. Bis zu zwei Jahre Ausschluss von der Tour drohen ihm. Aber Odesnik spielt über drei Monate nach dem Fund in Brisbane immer noch Turniere. Gerade hat er beim ATP-Event in Houston die erste Runde überstanden.

Roddick: Für einen wie ihn ist bei uns kein Platz mehr

Für einen wie ihn ist bei uns kein Platz mehr. Man muss ihn sofort rauswerfen, wetterte Andy Roddick, als der Fall Odesnik beim Turnier in Miami erstmals öffentlich wurde. Mardy Fish ergänzte verärgert: Er hat uns beschissen. Keiner weiß, welche Leistungen von ihm wirklich echt waren. Und Odesniks Erstrundenopfer von Houston, der unbekannte Pole Jerzy Janowicz, wunderte sich: Ich verstehe einfach nicht, warum er noch spielen darf. Er muss doch suspendiert werden.
Bisher aber hat Odesnik lediglich 8320 Dollar Strafe an die australischen Zollbehörden zahlen müssen   wegen unerlaubter Einfuhr verbotener Substanzen. Eine mögliche Spielsperre will der Internationale Tennisverband (ITF) erst dann verhängen, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind, um den Spieler nicht vorzeitig zu verurteilen, wie ITF-Pressesprecherin Barbara Travers klarstellte. Und weiter: Wir befolgen wie in allen anderen schwebenden Verfahren auch nur unsere Regeln. Odesnik wurde angeboten, freiwillig eine Schutzsperre anzunehmen, doch darauf verzichtete er.

Ich freue mich auf die Sandplatzsaison. Das ist für mich die beste Zeit des Jahres, gab er in Houston freimütig bekannt als ob er nichts mehr zu befürchten habe. In Houston, auf der roten US-Asche des River Oaks Clubs, feierte er bisher seine größten Erfolge: 2008 Halbfinale, 2009 sogar Finale. Ginge es nach ihm, könnte 2010 der Turniersieg folgen. Vor einem Jahr erreichte er sein bestes Ranking (Platz 77).

Wie kamen die Ampullen ins Gepäck?

Zum brisanten Fund in seinem Gepäck gibt er keine Auskunft. Dafür ist jetzt Anwalt Christopher Lyons zuständig, der sich sonst mit Gewalt- und Alkoholdelikten bekannter US-Footballgrößen auseinandersetzt. In einem ersten Statement, am Dienstag veröffentlicht, wurde das verlautbart, was in solchen Situationen immer kommuniziert wird: Er, Odesnik, habe sich nichts zu schulden kommen lassen. Antworten auf die drängenden Fragen, wie die Ampullen in sein Gepäck kamen und für wen sie bestimmt waren, wurden nicht gegeben. Das soll alles die ITF-Untersuchung klären.

Der Fall Odesnik wirft einige Fragen über den Anti-Doping-Kampf im Tennis auf. Nach Meinung der ITF ist er mit 2126 durchgeführten Tests im Jahr 2009 so intensiv wie noch nie geführt worden. Doch nur 154 von ihnen fanden außerhalb von Turnieren statt (Out Of Competition). Moniert werden zudem die Tests selbst. Nur 21-mal wurde etwa auf das leistungsfördernde Präparat EPO getestet. Der Schwerpunkt der ITF-Tests liegt auf Stereoiden und Stimulanzmitteln. Die Tests hinken in allen Sportarten den Dopingmethoden hinterher. Aber im Tennis, so scheint es, sind die Testverfahren noch rückständiger. So werden Tests, die auf Wachstumshormone abzielen, im Tennis überhaupt nicht durchgeführt. Das weiß natürlich auch ein Spieler wie Odesnik, der 2009 einmal und 2008 zweimal getestet wurde. Alle Tests waren negativ.

Dopingsünder Guillermo Canas kümmert sich im Odesnik

Übrigens: Odesnik wird von dem gerade zurückgetretenen Argentinier Guillermo Canas betreut, der einmal wegen Doping zwei Jahre gesperrt wurde. Ihm wurden wasserabführende Mittel nachgewiesen, die die Einnahme von Anabolika verschleiern. Nachdem Canas Berufung am internationalen Sportgerichtshof einlegte, wurde die Strafe reduziert auf 15 Monate. Doch ein dunkler Schatten in seiner Tenniskarriere blieb. Ich bin überrascht, sagte Canas, als er zum Fall Odesnik befragt wurde. Auf Turnieren bin ich mit ihm aber nicht unterwegs, ergänzte er noch.

Eigentlich ist er ein netter Junge, beschrieb jüngst James Blake seinen Profikollegen Odesnik. Aber wie viele nette Jungs entpuppten sich schon als Kriminelle?

Tim Böselerair jordan 1 mid outlet | air jordan 1 high og university blue release date