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Julia Görges im Interview: „Die zweite Wimbledon-Woche wäre ein Erfolg.“

Sowohl bei den Australian Open als auch bei den French Open stand Julia Görges in diesem Jahr im Achtelfinale. Damit ist sie die konstanteste deutsche Spielerin auf Majorebene. tennis MAGAZIN sprach mit der 26-Jährigen über ihre Form, die Chancen in Wimbledon und das verpasste Fed Cup-Finale.



Frau Görges, Sie sind bisher die beste deutsche Grand Slam-Spielerin 2015. Macht Sie das stolz?

Mir geht es weniger darum, beste deutsche Grand Slam-Spielerin zu sein. Ich habe zwei Achtelfinals hintereinander erreicht, das ist eine konstante Leistung. Bei der Auslosung in beiden Grand Slams hätte man nicht unbedingt damit gerechnet, dass ich es in die vierte Runde schaffe.


Wie bewerten Sie selbst das erste halbe Jahr 2015?

Ich finde, dass ich bisher eine solide Saison gespielt habe. Es gab keine Spiele, die ich als „komplette Aussetzer“ bezeichnen würde. Die Matches, die ich verloren habe, habe ich gegen gute Spielerinnen verloren. Daher bezeichne ich das, was in der ersten Hälfte des Jahres passiert ist, als positiv. Das zeigt auch das WTA Race, in dem ich auf Rang 37 stehe (Stand: Mitte Juni).

The Championships - Wimbledon 2013: Day Two

Das Erreichen der dritten Runde war bisher das beste Ergebnis von Julia Görges in Wimbledon.

Was hat sich bei Ihnen spielerisch verändert im Vergleich zu den letzten zwei Jahren, die für Sie ja deutlich weniger erfolgreich waren?

Ich ziehe mein Spiel von A bis Z durch. Ich versuche positiv auf den Platz zu gehen und die Person zu sein, die ich mir vorstelle zu sein. Das war speziell im Jahr 2013 nicht möglich. Durch die langwierige Verletzung am Handgelenk war ich negativ eingestellt und es hat nicht alles so funktioniert, wie ich es gerne wollte. Das führte dazu, dass ich meinen eigenen Rhythmus auf dem Platz nicht finden konnte. 2015 ist das nicht der Fall. Ich habe dieses Jahr viele Matches drehen können, die ich vermutlich in den letzten zwei Jahren nicht gewonnen hätte.

Gab es persönliche Gründe, die Sie haben hadern lassen oder lag es nur an Ihrer Handgelenksverletzung?

Im Privaten lag die Ursache überhaupt nicht. Ich war einfach nicht gewohnt, mit einer Verletzung klarzukommen, die mich ein halbes Jahr lang lahm gelegt hat. Es war schwer für mich zu akzeptieren, dass aufgrund eines missratenen Schlages, der immer passieren kann, die Kapsel reißt.

Gab es Veränderungen im Trainingsbereich? Haben Sie gezielt an anderen Dingen gearbeitet, um gewisse Fehlerquellen abzustellen?

Nein, wir machen die gleiche Arbeit wie die Jahre zuvor auch. Ich habe das gleiche Team um mich und vertraue diesem auch weiterhin.


Am Montag beginnt Wimbledon. Was bedeutet das Turnier für Sie?

Mein Eindruck ist, dass es in den ersten Jahren, in denen ich dort hingereist bin, noch mehr Tradition hatte. Es hat für mich keinen anderen Stellenwert als etwa die French Open. Ich bin ein Fan von Australien, deshalb hat das Turnier für mich die größte Bedeutung. Jedes Grand Slam-Turnier verbreitet zwar eine andere Stimmung und jedes ist individuell, was den Belag und die Leute betrifft, aber es herrscht immer die gleiche Anspannung unter den Spielern.

Wie ist für Sie die Stimmung in Wimbledon?

Eine andere. In Australien sind die Leute sehr sportverrückt, in England sind sie das zwar auch, aber die Stimmung ist einfach gediegener. Es ist weniger atmosphärisch im Gegensatz zu Australien, wo die Leute mit Gesichtsbemalung zu den Matches gehen. Ich glaube, das wäre auf dem Centre Court in England nicht unbedingt gern gesehen (lacht).


Fühlen Sie sich dort wohl?

Wohl fühle ich mich schon, aber es gibt Orte, an denen ich mich noch wohler fühle. Ich finde den Teil in der Saison dort angenehm, aber nach einer gewissen Zeit reicht es auch.

Wie lautet Ihr sportliches Ziel?

Die zweite Woche bei einem Grand Slam ist immer etwas Besonderes. Als ungesetzte Spielerin kann man keine einfache Auslosung erwarten, da muss man die Qualität auf den Platz bringen. Wenn ich die zweite Woche erreiche, wäre das ein Erfolg.

Wie liegt Ihnen der Belag Rasen?

Im Grunde sehr gut, meinem Spiel kommt er entgegen. Ich bin aber nie ein großer Fan gewesen, Vorbereitungsturniere zu spielen, weil der Rasen in Wimbledon doch ein anderer ist.

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  1. Stefan Straub

    Bei der Frage nach den Veränderungen im Trainingsbereich hätte man nachhaken müssen. Aber das wäre dann doch zu viel verlangt vom Tennismagazin.

    Ihre Saison ist bestenfalls Mittelmaß. Nimmt man die Grand-Slam-Resultate weg, bleiben noch Auckland VF, Kuala Lumpur VF, Miami R2, Madrid R2. Das war’s. Aber sie redet sich ein, dass mit Dauer-Trainer Nensel der große Turnaround schon irgendwann kommen wird. Die Meinung hat sie mittlerweile ziemlich exklusiv.

  2. Dalibor Simon

    Nach Wimbledon, wo Jule „zum Glück“ keine Punkte verteidigt, muss sie hoffentlich in Bukarest und in Bad Gastein (obwohl dort hat sie 2014 in R32 gegen Stefanie Voegele, WTA 75, verloren) nicht in die Quali. Aber in den USA wird es hart!


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