Michael Berger

NEW YORK - AUGUST 30: Michael Berrer of Germany returns a shot to David Nalbandian of Argentina during the U.S. Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center in Flushing Meadows Corona Park on August 30, 2006 in the Flushing neighborhood of the Queens borough of New York City. (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Mental stark im Tennis – Mit Köpfchen

Sich Ziele setzen, stärkt die Psyche. Das meint unser Kolumnist Michael Berrer, der vom Durchbrechen seiner persönlichen Schallmauer berichtet. 

Zwei zu null Sätze. So stand es für mich bei den US Open 2006 in der ersten Runde. Mein Gegner: David Nalbandian, die Nummer vier der Welt. Ich rangierte auf Platz 128. Am Ende verlor ich in fünf Sätzen. Zwischendurch bekam ich Krämpfe. Nicht, weil ich nicht fit war, sondern wegen der psychischen Belastung. Für mich, den Spätstarter auf der Tour – bei meinen ersten Grand Slams war ich schon 26 – , war die Top 100 eine magische Mauer. Ich war oft kurz davor, sie zu durchbrechen. Ich brauchte zwei Jahre um zweistellig zu werden. Zweistellig! Das ist für einen Profi die Benchmark, das erste große Ziel.

Ich verkrampfte zusehends vor dieser Hürde. Es fraß sich quasi in mein Unterbewusstsein. Ich hatte mir schon früh sportpsychologische Hilfe gesucht, aber erst Professor Gabler, der für den Württembergischen Tennisverband tätig war, sagte mir einmal: „Michael, du gewinnst so oft gegen Leute, die Top 100 sind. Warum setzt du dir nicht höhere Ziele? Top 50 zum Beispiel.“ Es war mein persönliches Aha-Erlebnis. Danach hatte es „geschnackelt“. Ob ich auf Platz 103 oder 97 stand, war mir plötzlich egal. Ich hatte andere Ziele. Ende 2007 war ich die Nummer 57 der Welt. 

Ziele als Quelle der Motivation

Ob Profi oder Amateur, ob LK-Spieler oder Gelegenheitsakteur im Club – es spielt keine Rolle, wenn es um Zielsetzungen geht. Ziele sind die Quelle, um die Motivation hochzuhalten. Es gibt kurzfristige Ziele – etwa das nächste Turnier. Oder mittelfristige – ein bestimmtes LK-Ranking beispielsweise. In der Rückschau auf meine Karriere weiß ich: Ich hätte mir mehr Zeit nehmen müssen, um Ziele regelmäßig zu definieren, sie anzupassen, zu hinterfragen. Am Ende helfen uns die Ziele, unserem großen Traum Schritt für Schritt näher zu kommen. 

Sie haben gerade mit Tennis begonnen, sind talentiert und haben LK 23. Träumen Sie von LK 2! Auch wenn das unerreichbar scheint. Setzen Sie sich vor der Medenrunde mit ihren Mitspielern zusammen und formulieren Sie Ziele: Aufsteigen, die Mannschaft aus dem Nachbarverein schlagen, die Doppel gewinnen. Fragen Sie sich auch, was muss ich dafür tun, um die Ziele zu erreichen. Also zum Beispiel regelmäßig gut trainieren, Turniere spielen. Alles zu geben, was für Sie als Berufstätiger möglich ist.

Manchmal auch ein Aufgabenziel

Bei mir kribbelt es jetzt schon, wenn ich an die Verbandsrunde denke. Ich bin 40, spiele für den TC Doggenburg Stuttgart in der Regionalliga. Ich habe mein Ziel bereits formuliert: eine blütenreine Weste. Alle Einzel und Doppel gewinnen, auch wenn das am Ende nicht geht, wenn wir etwa beim Doppel taktisch aufstellen müssen.

Wichtig ist aber auch: Nicht jeder ist wettkampforientiert. Es muss nicht immer ein Ergebnisziel sein, das Sie sich setzen. Manchmal ist es auch ein Aufgabenziel: die aus Ihrer Sicht perfekte Vorhand zu spielen. Oder beim Aufschlag einen konstanten Ballwurf sicherzustellen. Klappt das, fühlen Sie sich wie ein Grand Slam-Champion. Es lohnt sich also, Ziele zu setzen. Starten Sie jetzt!

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Mehr über mentale Stärke finden Sie auf der von mir und Dr. Martin Handschuh entwickelten Plattform www.mental-mastery.org. Fragen und Anregungen gerne an: michael.berrer@tennismagazin.de